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Artikel und Hintergründe zum Thema

Original vs. Fälschung

Mara Hofacker,

Negativpreis „Plagiarius“ 2021 verliehen

Der Negativpreis „Plagiarius“ wurde am 16. April 2021 zum 45. Mal verliehen – coronabedingt erstmals im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz.

Die Trophäe: der Plagiarius-Zwerg mit goldener Nase. © Aktion Plagiarius e.V.

Bereits seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. den gefürchteten Schmäh-Preis an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen. Die Auszeichnung sagt nichts darüber aus, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr, die fragwürdigen Geschäftsmethoden von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren.

Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Letztere symbolisiert die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und innovativen Unternehmen erwirtschaften. Bevor die jährlich wechselnde Jury die Preisträger wählt, werden die vermeintlichen Plagiatoren über ihre Nominierung informiert und erhalten die Möglichkeit zur Stellungnahme. Der Jury geht es nicht darum, legale Wettbewerbsprodukte zu brandmarken. Intention ist vielmehr, plumpe 1:1-Nachahmungen, die dem Originalprodukt bewusst zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen, in den Fokus zu rücken. Erfreulicherweise haben bereits zahlreiche Nachahmer aus Angst vor der Prämierung mit dem „Plagiarius“ eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht und beispielsweise Restbestände der Plagiate vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder ihre Lieferanten offengelegt.

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Rido Busse: Sein Lebenswerk und Herzensprojekt wird fortgeführt

Der Initiator des „Plagiarius“, Professor Rido Busse, ist im Februar 2021 im Alter von 86 Jahren gestorben. Als Industriedesigner hatte Busse früh erkannt, dass echte Innovationen maßgeblich über Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft entscheiden, und dass es unabdingbar ist, kreative Ideen und Know-how zu fördern und zu schützen. Mit Optimismus, Weitsicht und Tatkraft hat sich Rido Busse zeitlebens für mehr Wertschätzung von kreativen Leistungen in der Gesellschaft stark gemacht. Und er hat Designer, Erfinder und Unternehmer stets ermutigt, ihr geistiges Eigentum mittels Eintragung gewerblicher Schutzrechte (Marke, Patent, Design) abzusichern und Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Mit dem „Plagiarius“ hat Busse eine Initiative ins Leben gerufen, die in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und Social Media aktueller denn je ist. Den geplanten Vorstandswechsel bei der Aktion Plagiarius im März hat er nicht mehr erleben dürfen. Seinen Nachfolger jedoch hatte er bewusst selbst ausgesucht: Peter Siebert, Geschäftsführer der HANSI Siebert GmbH & Co. KG. Neue zweite Vorsitzende ist Dr. Aliki Busse, Fachanwältin für gewerbliche Schutzrechte, Busse & Partner. 

Verkauft werden nachgemachte Waren in allen Preis- und Qualitätsabstufungen: Von gefährlichen Billigfälschungen bis zu qualitativ hochwertigen Plagiaten, die kaum günstiger als das Originalprodukt sind. Oftmals sind Plagiate und Fälschungen dem Original aber nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich. Verbraucher sollten Produkte genau prüfen und sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, dass gleiches Aussehen automatisch die gleiche Qualität, Leistungsfähigkeit und vor allem Sicherheit bedeutet. Es liegt in der (Eigen-)Verantwortung jedes Verbrauchers, sich bewusst fürs Original zu entscheiden.

Nachahmer kopieren ungeniert erfolgreich am Markt etablierte Produkte. Die Konzepte sind unterschiedlich, der Schaden für die betroffen Markenhersteller bleibt gleich. So lassen manche Firmen von ihren Designern die Trendstores durchforsten und die erfolgreichsten Produkte als Vorlage einkaufen. Die Plagiate sollen möglichst genauso aussehen, allerdings werden sehr bewusst unwichtige Produktdetails geändert, in der Hoffnung dann juristisch nicht belangt werden zu können. Andere Firmen, z. B. aus Großbritannien (siehe aktuelle Plagiarius-Preisträger), kommunizieren sehr offen ihre vermeintliche „Robin Hood“-Strategie: „Wir bieten hochwertige Reproduktionen, hergestellt nach den gleichen Standards wie die Originale. Tolles Design für alle bezahlbar“. Die gelieferten „Schnäppchen“ sind in Bezug auf Materialien und Verarbeitung extrem minderwertig, ihren noch so billigen Preis also nicht wert. 

Immer häufiger kommen die Nachahmer aus dem direkten Umfeld und prüfen bei erfolgreichen Wettbewerbsprodukten gezielt die Existenz von gewerblichen Schutzrechten. Sind keine eingetragen, werden fremde Design- und Techniklösungen kopiert und als eigene Leistung verkauft. Das belegen sowohl die Erfahrungen der Aktion Plagiarius als auch des Branchenverbandes VDMA. Auch laut aktuellem „VDMA Produktpiraterie-Bericht 2020“ werden Plagiate häufig von Wettbewerbern oder aber von ehemaligen Geschäftspartnern - Lieferanten, Produktions- oder Vertriebspartner - in Auftrag gegeben bzw. vertrieben. In dem VDMA-Bericht war China mit 61 % Ursprungsland Nr. 1 von Plagiaten. Gleichwohl folgt zum wiederholten Mal Deutschland mit 19 % auf Platz 2 - neu auf Platz 3 mit 12 %: Russland. Im Jahr 2016 belief sich der globale Handel mit gefälschten Waren laut einer Studie von OECD und EUIPO auf 460 Mrd. EUR, d. h. rund 3,3 % des weltweiten Handels. 

Das Museum Plagiarius zeigt in seiner einzigartigen Ausstellung mehr als 350 Plagiarius-Preisträger der unterschiedlichsten Branchen - jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. Auch die Preisträger 2021 sollen kurzfristig gezeigt werden. Das genaue Datum wird unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Bestimmungen unter museum-plagiarius.de bekannt gegeben.

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