Investition in Automatisierung und lokale Produktion

Andreas Mühlbauer,

Igus stellt die Weichen für Wachstum und schnelle Lieferzeiten

Igus investiert 124,4 Millionen Euro in Automatisierung, Infrastruktur und internationale Standorte. Ziel sind stabilere Lieferketten, kürzere Lieferzeiten und eine stärkere lokale Produktion. Parallel stellt das Unternehmen auf der Hannover Messe 227 motion-plastics-Neuheiten vor.

© Igus

Trotz globaler Unsicherheiten steigerte Igus den Umsatz 2025 auf 1,155 Milliarden Euro (+4,4 %). Die wichtigsten Absatzmärkte sind China, Deutschland und die USA mit rund 60 % Umsatzanteil. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 5.423 Mitarbeitende, 185 mehr als im Vorjahr, davon 2.044 in Deutschland. Am Standort Köln wurde für 600.000 Euro eine Ausbildungsfabrik aufgebaut, um den Fachkräftebedarf langfristig zu decken.

Die Investitionen umfassen 42,2 Millionen Euro für das Innovationszentrum in Köln, 11,5 Millionen Euro für Beteiligungen sowie 70,7 Millionen Euro für internationale Standorte. Die Mittel fließen in Gebäude, Grundstücke und Produktionstechnik. „Produktqualität und Preis sind nicht mehr die alleinigen Differenzierungsmerkmale“, sagt Artur Peplinski, CEO und Sprecher der Geschäftsführung bei Igus. „Unsere Kunden benötigen verstärkt Lieferanten, die schnell und vor allem zuverlässig liefern können, ohne dabei Kompromisse bei der Produktqualität machen zu müssen.“

Ein Schwerpunkt ist die Automatisierung. Im Neubau „Phase 8“ entsteht ein automatisiertes Kleinteillager mit bis zu 1.800 Ein- und Auslagerungen pro Stunde. Ergänzend werden Automatisierungslösungen in der Produktion eingesetzt, etwa zur Entlastung beim Entladen von Spritzgussmaschinen. Die 857 Spritzgussmaschinen in Köln produzieren jährlich über eine Milliarde Bauteile. In Bereichen wie Crimpen und Löten wurden die Durchlaufzeiten gegenüber manuellen Prozessen um ein Vielfaches reduziert.

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Testlabor und digitale Konfiguration

Das Testlabor wurde auf 5.500 Quadratmeter erweitert, davon 1.500 Quadratmeter für dry-tech-Produkte. „Die Erweiterung unserer Testflächen im Neubau um 1.500 Quadratmeter ausschließlich für unsere dry-tech Produkte schafft die Basis für neue Kapazitäten und Innovationen wie PTFE- und Bisphenol-freie Werkstoffe“, so Artur Peplinski. „Allein die Anzahl der Prüfstände ist um rund 20 Prozent gestiegen und damit auch die Anzahl der Tests von heute 11.000 auf über insgesamt rund 17.000 Tests im Jahr.“ Zusätzlich wurden digitale Tools weiterentwickelt, mit denen Konstrukteure Produkte automatisiert konfigurieren können.

Internationale Produktion und Standorte

Rund 95 % der Fertigung erfolgt weiterhin in Deutschland. Gleichzeitig baut Igus seine Produktions- und Montagekapazitäten in China, den USA, Polen, der Türkei und Japan aus. Der Ausbau lokaler Produktion reduzierte 2025 das Transportgewicht um rund 1,2 Millionen Kilogramm. „Allein durch den Ausbau der lokalen Produktionskapazitäten in China und den USA haben wir 2025 rund 1,2 Millionen kg Transportgewicht eingespart – ein signifikanter Beitrag zur CO₂-Reduktion“, betont Artur Peplinski. Neue Niederlassungen entstanden in Australien, Marokko, der Elfenbeinküste und Lettland.

Seit 2025 produziert Igus am Standort Köln nach Scope 1 und 2 klimaneutral. Über die Recyclingplattform „chainge“ wurden bislang 235 Tonnen Energieketten zurückgenommen. „Ein wichtiger Fortschritt ist die neue ISO-zertifizierte Validierung, mit der wir die CO2-Einsparungen unseres Energieketten-Recyclings für Kunden transparent nachweisen können“, erklärt Artur Peplinski.

Produktneuheiten und Robotik

Für internationales Wachstum und die Erschließung neuer Märkte sollen auch die neuen Produkte von igus sorgen. Insgesamt 227 motion plastics Neuheiten stellt der Kunststoffspezialist auf der Hannover Messe 2026 vor. Dazu zählen unter anderem die drylin C-Rollenführung, 3D-Druckmaterialien für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie das Energieführungssystem e-spin mit Zertifizierung für ISO Klasse 1 des Fraunhofer IPA.

Ein Schwerpunkt liegt auf Low-Cost-Robotik. „Unser Ziel ist die Demokratisierung der Automatisierung“, sagt Artur Peplinski. „Auch kleine und mittlere Unternehmen mit begrenzten Budgets und wenig Vorerfahrung sollen von den Vorteilen der Automatisierung profitieren.“

Die Plattform RBTX bündelt Komponenten von über 260 Robotik-Herstellern und wird um Funktionen zur Vermittlung von Integrationspartnern erweitert. Bereits heute umfasst das Angebot rund 100 humanoide Robotermodelle von 35 Herstellern.

Artur Peplinski resümiert: „Wir möchten zeigen, dass nachhaltiges Wachstum und technologische Innovationskraft auch in herausfordernden Zeiten möglich sind. Mit konsequentem Fokus auf Liefergeschwindigkeit, lokaler Präsenz sowie Automatisierungslösungen stellen wir die Weichen für Wachstum – für uns und unsere Kunden.“

Hannover Messe, Halle 13, Stand C60

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