Wirtschaft + Unternehmen

Gemeinsam stärker

Der Wettbewerb ist hart. Trotzdem schadet es keinem Unternehmen, wenn es mit anderen Herstellern der gleichen Branche an einem Tisch zusammensitzt, um gemeinsam interessierende Fragen zu diskutieren. Für die Fluidtechnik speziell bietet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) mit einer eigenen Fachgemeinschaft dazu das geeignete Forum. Allerdings kann nicht jede Sparte diesen Gesprächskreis gleich intensiv nutzen. Den Herstellern von Fluiddichtungen kam es deshalb sehr entgegen, daß sie sich mit einem eigenen Arbeitskreis inzwischen mehr Gehöhr verschaffen und Probleme schneller beraten können.
¿Fluidtechnik ¿ Hydraulik und Pneumatik ¿ überträgt Kraft und Leistung zum Antreiben, Steuern und Bewegen. Sie begegnet uns überall im täglichen Leben. Kaum ein Produkt kommt ohne den Einsatz der Fluidtechnik zustande, kaum eine Maschine oder ein Flugzeug bewegt sich ohne sie ¿ nur ist es uns meistens nicht bewußt.¿ Was die Fachgemeinschaft Fluidtechnik im VDMA am Anfang ihrer Broschüre ¿Fluidtechnik-Technik mit Zukunft¿ schreibt, gilt nicht nur fürs Große. Es trifft (abgesehen vom ersten Satz) auch bei einem kleinen Bauteil, der Fluiddichtung, den Nagel auf den Kopf.

Versteckt aber wichtig
Dichtungen zählen zu den wichtigsten Elementen in fluidtechnischen Geräten. Sie leisten Schwerstarbeit, trotzen hohen Drücken, aggressiven Chemikalien, klumpendem Schmutz und ständigem Verschleiß. Ohne sie läuft gar nichts ¿ oder es läuft alles aus. Betreiber von hydraulischen Anlagen oder Maschinen wissen davon ein trauriges Lied zu singen. Halten die darin eingebauten Dichtungen nämlich nicht über lange Zeit zuverlässig dicht (Stichwort: Null-Leckage) steht dem Unternehmen schnell ein Problem ins Haus: ein umwelttechnisches.

Betriebe, die sich des Mediums Druckluft bedienen, müssen wegen mangelhafter Dichtungen in den luftführenden Leitungen oder rund um die Kompressoren und Aktuatoren nicht den Zorn der Umweltschützer fürchten. Doch wenn es an allen Ecken und Enden zischt, geht der Wirkungsgrad der luftgetriebenen Komponenten in die Knie. Wer das beklagt, aber die Dichtungen vernachlässigt oder sich mit dem Günstigsten vom Günstigen zufriedengibt, hat nichts verstanden.

Die Hersteller der Fluiddichtungen kennen die Bedeutung ihres Produkts ¿ und wollen es dementsprechend behandelt wissen. ¿Wir hatten schon vor September 1996 einige Mitglieder, die Dichtungen herstellen. Doch in der Fachgemeinschaft Fluidtechnik, die rund 85 Prozent der gesamten Branche repräsentiert, waren sie in der Minderzahl.¿ Ralf Stemmjack, einen der beiden technischen Referenten der Fachgemeinschaft, wundert es nicht, daß die Dichtungshersteller die Anregung des Geschäftsführers Hartmut Rauen sofort aufnahmen und den Arbeitskreis Fluiddichtungen ins Leben riefen. ¿Anfangs waren es lediglich sechs Unternehmen innerhalb der Fachgemeinschaft. Inzwischen gehören schon 16 Hersteller dem Arbeitskreis an. Im Rahmen unserer Treffen haben wir beraten, wer noch mitarbeiten könnte und die in Frage kommenden Unternehmen angesprochen.¿

Fast alle dabei

Davon haben zwei Firmen bereits ihre Zusage gegeben, daß sie demnächst dem Arbeitskreis und damit dem Verband angehören wollen. Und um fünf weitere wird noch gebuhlt. Steigen die mit ins Boot, so vertreten die Frankfurter nahezu die komplette Branche der Fluiddichtungen.

Innerhalb der Fluidtechnik präsentiert die sich klein aber fein und umsatzstark. Kein Wunder, in jedem Gerät, jedem Antrieb, jeder Maschine sorgen die Kunststoffringe für sicheren Betrieb. Die Kunden der Dichtungshersteller kommen überwiegend aus deutschen Landen. Denn die hiesige Fluidtechnik-Branche zählt auf dem internationalen Pflaster zu den führenden. Das ist auch der Grund dafür, daß die direkte Exportquote bei Fluiddichtungen relativ moderat ausfällt. Die indirekte dürfte allerdings einiges über den 80 Prozent der gesamten Branche liegen.

Genaue Zahlen dazu liegen der Referentin für Wirtschaftsfragen der Fachgemeinschaft, Sylvia Grohmann-Mundschenk, derzeit noch nicht vor; und selbst wenn, sie würde sie nicht veröffentlichen. Denn die von ihr angefertigten Umsatzstatistiken sind eine der Dienstleistungen, die der große Industrieverband nur für seine Mitglieder bereithält. ¿So kann jedes Unternehmen erkennen, ob der eigene Umsatz mit dem der Branche konform geht und je nachdem Maßnahmen ergreifen, die den Umsatz verbessern.¿

Die richtigen Themen . . .
Es gab triftigere Gründe für die Hersteller von Fluiddichtungen, sich innerhalb der Fachgemeinschaft einen eigenen Arbeitskreis aufzubauen. Stemmjack: ¿Wir treffen uns ungefähr dreimal im Jahr und beraten über Themen rund um die Fluiddichtungen ¿ Hydraulik- und Pneumatikdichtungen, O-Ringe und Wellendichtringe. Darüber hinaus diskutieren wir momentan noch darüber, wie die Statistiken für die Branche aussehen sollen und wir informieren die Mitglieder über den Stand der Normung oder über rechtliche Aspekte.¿

Zu den dichtungsspezifischen Themen zählt beispielsweise die VDA-Liste für deklarationspflichtige Stoffe. 80 Stoffgruppen bewertete ein Arbeitskreis des Verbands der Automobilindustrie und stufte sie in drei Kategorien ein: ¿Für bestimmte Anwendungszwecke verbotene Stoffe¿, ¿Deklarationspflichtige Stoffe¿ und ¿Unerwünschte Stoffe¿. Wenn endgültig verabschiedet, soll das überaus wichtige Papier für alle Automobilzulieferer gelten: auch für die Dichtungshersteller.

Die erkannten im Rahmen einer Arbeitskreissitzung schnell, daß sie Hand anlegen mußten, um zu klären, welche Werkstoffe für sie relevant seien und ergänzende Informationen anzufordern beziehungsweise vorzuschlagen. Eine aus Spezialisten zusammengesetzte ad-hoc-Gruppe kam kurze Zeit später zusammen und nahm sich die einzelnen Stoffgruppen systematisch vor. Das Ergebnis der Beratung ging mit der Bitte um Klärung zum VDA. Sobald dessen Stellungnahme vorliegt, wird sie im Arbeitskreis an die Mitglieder verteilt, damit die wissen, wie sie agieren müssen.

Ein Thema mit Tradition, nämlich die Internationale Dichtungstagung in Dresden, kam ebenfalls während eines Treffens des Arbeitskreises auf. ¿Sie soll voraussichtlich am 17. und 18 Mai nächsten Jahres stattfinden¿, bestätigt Ralf Stemmjack. ¿Doch anders als früher soll die Tagung auf die Fluiddichtungen fokussiert sein.¿

. . . und viele Kontakte
Den Veranstaltungsort Dresden werden die Mitgliedsunternehmen schon einige Monate vorher besuchen, um sich an der dortigen Technischen Universität über die Arbeiten des Instituts für Fluidtechnik und anderer Fachgebiete zu informieren. Erklärtes Ziel solcher Aktivitäten: Der Kontakt mit den Hochschulen soll enger werden, damit die Industrie zum einen gut ausgebildete Absolventen übernehmen und zum zweiten direkte Forschungskontakte aufbauen kann.

A propos Kontakt: Den intensiviert die Fachgemeinschaft respektive der VDMA ebenfalls zwischen Mitgliedern und deren Kunden. Broschüren und Datenblätter, die über das Angebot der jeweiligen Unternehmen und die Branche informieren, werden seit kurzem von einer Website ergänzt. Dort findet man unter dem Stichwort ¿Branchen¿ Informationen über die jeweilige Fachgemeinschaft und deren Mitglieder. Zu deren Homepage kann man sich direkt verbinden, so sie schon im Internet präsent sind. Ein Service, der nicht nur den Mitgliedern, sondern allen anderen Interessierten entgegenkommt.

Claudia Treffert / Juli 1998

Links: http://www.vdma.de

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

80 Prozent B2B-Umsatz

Conrad wächst weiter

Conrad Electronic erwirtschaftet mittlerweile 80% seines Umsatzes mit Geschäftskunden und hat sich erfolgreich vom klassischen Technikhändler zur B2B-Beschaffungsplattform entwickelt. Das Unternehmen will Europas führende Beschaffungsplattform für...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren