Wirtschaft + Unternehmen

Fünf Faktoren bestimmen die Zukunft

Die Zukunft der Zulieferbetriebe ist grundsätzlich gekennzeichnet durch Auswanderungs- und Ausleseprozesse. Gleichzeitig wird der Druck zur Kooperation bei der Nutzung aufwendiger Software oder Maschinen wachsen. Dabei erweisen sich fünf Faktoren als richtungsweisend:

Erwartungen der Geldgeber
Die jüngsten Börsenereignisse haben gezeigt, dass sich die Renditeerwartungen der Kapitalanleger gewandelt haben. Die durch die Hebelverhältnisse eines globalen Marktes und leistungsfähige Informationstechnik ausgelösten kometenhaften Aufstiege einiger Firmen haben diesen Wandel herbeigeführt. Mit Umsatzrenditen von durchschnittlich weniger als fünf Prozent liegt die Zulieferbranche heute am unteren Ende der Erwartungsskala. Das wiegt schwer, da die blechverarbeitende Zulieferindustrie zu den Branchen mit äußerst kapitalintensiven Arbeitsplätzen gehört. Die Geldgeber reagieren bei derart geringen Renditeerwartungen zunehmend kritisch bei der Bewertung der Anlagerisiken. Daher dürften nur Zulieferbetriebe mit einer Produktion in rentablen Nischen mittelfristig eine Überlebenschance haben.

Konkurrenz quo vadis?
Zwei Faktoren werden die Konkurrenzsituation in absehbarer Zeit prägen. Erstens, neue Investitionen in die Branche der Zulieferbetriebe und, zweitens, die Entwicklung in Osteuropa. Für einige große Kapitalanleger scheint es reizvoll, Zulieferbetriebe zu erwerben. Viele kleinere Zulieferbetriebe sind zwischenzeitlich in größeren Unternehmen aufgegangen. Das Risiko der Erwerber ist dabei vergleichsweise gering: Die Kaufpreise der Unternehmen liegen wegen der geringen Renditen in aller Regel weit unter der Summe der vorhande- nen Anlagewerte. Daher verschwinden kaum Kapazitäten vom Markt. Zumindest wird es eine Weile dauern, bis bemerkbar ist, dass selbst mit verbessertem Management die Gewinnerwartungen in der Zulieferindustrie nicht um- gesetzt werden können und diese Unternehmensteile von den Großunternehmen wieder geschlossen werden.

Die Entwicklung in Osteuropa insbesondere in Tschechien, Polen, Jugoslawien und später in Russland wird von entscheidendem Einfluss sein. Schon heute sind dort viele leistungsfähige Zulieferbetriebe entstanden. Das Lohngefälle macht diese Standorte attraktiv. Probleme des grenzüberschreitenden Verkehrs und der Infrastruktur werden sinken. Die Lohndifferenz zu Deutschland in absoluten Beträgen hat derzeit kaum sinkenden Trend und beeinflußt alle Rentabilitätsrechnungen nachhaltig. Also ist damit zu rechnen, dass zunächst die Produktion aus Deutschland ausgelagert wird. Erst nach und nach wird auch die Nachfrage im Osten Europas steigen, so dass eine Erhöhung des Gesamtmarkt-Volumens erkennbar ist. Man darf für die nächsten zwei Jahre demnach eine Verschärfung der Konkurrenzsituation erwarten.

Nachwuchssorgen
Die Nachwuchsproblematik der Zulieferbetriebe hat zwei Facetten: Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern und die Nachfolgefrage für die Unternehmensleitung. Viele blechverarbeitende Unternehmen haben derzeit Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs für technisch anspruchsvolle Positionen in der Fertigung zu finden. Hier kommt es für die Zukunft darauf an, durch die Gestaltung der Ausbildungsplätze und durch Darstellung der Chancen in der Berufsentwicklung gegenzusteuern.

Die Branche rechnet mit einer weiterhin verschlechterten Nachwuchslage für die nächsten drei Jahre, und anschließend mit einer stetigen Verbesserung. Aus zwei Gründen: Erstens, wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass in den anderen Branchen die Berufsaussichten auch nicht rosig sind. Zweitens, wird die bis dahin umgesetzte Technisierung der Arbeitsplätze ein gutes Lohnniveau ermöglichen und damit die Attraktivität dieser Berufe erheblich steigern.
In vielen mittelständischen Betrieben stellt sich zudem die Frage nach der Unternehmernachfolge. Es erweist sich vielfach als schwierig, die eigenen Kinder für die Nachfolge zu motivieren ¿ vor allem, wenn man sie einerseits liebt und sie andererseits nicht dumm sind. In vielen Unternehmen ist Dauerstress des Unternehmers fest eingebaut, Gewinnerwartungen sind strikt begrenzt und Fluchtmöglichkeiten aus dem Unternehmen durch ¿schlaue¿ Gesetze verbaut. Die Erbschaftssteuer-Gesetzgebung ist eine zusätzliche Hürde für den geordneten Generationenwechsel. Hier hat es der Gesetzgeber geschafft, dass ohne teure Beratung durch Spezialisten nichts mehr läuft ¿ Glückwunsch!

Technologie-Trends
Wunder sind in der Technik der blechverarbeitenden Zulieferbetriebe nicht zu erwarten. Einige Entwicklungen lassen sich jedoch absehen. So ist der Griff des Roboters in die Kiste mit unsortierten Teilen in absehbarer Zeit nicht nur machbar sondern auch bezahlbar. Damit werden viele Einlegeoperationen für die Automatisierung erschlossen. In Hochlohnstandorten wie Deutschland folgt der Trend zur weiteren vollautomatisierten Gestaltung der Fertigungsprozesse für Großserien. Nicht lohnend automatisierbare Kleinserien wandern ins Ausland.

Als weitere Trends zeichnen sich ab: Die Sensorik wird die Umformtechnik in ihrer Prozess-Sicherheit weiter voran bringen und immer leistungsfähigere Soft- und Hardware wird viele Probleme auch für mittelständische Unternehmen in den Bereich des Lösbaren führen. Beispiele dafür sind neben Logistiksystemen auch CAD-Systeme, FEM-Berechnungen oder Umformsimulationen. Zu beobachten ist allerdings eine Grenze bei der Bedienbarkeit dieser Systeme, sobald eine Aufgabe nicht ausreichend häufig zu lösen ist. Ein Programmsystem, dass nicht dauernd im Einsatz ist, muss regelmäßig in seiner Bedienung neu erlernt werden. Für die kommenden Jahr ist daher denkbar, dass es verstärkt zur Zusammenlegung derartiger Systemanwendungen für mehrere Zulieferbetriebe durch Dienstleistungszentren in den Bereichen Logistik und Entwicklung kommen wird.

Produzenten werden Entwickler
Mit der heute in vielen Unternehmen bereits vollzogenen Produktionsverlagerung in billigere Auslandswerke ist oft die Hoffnung verbunden, die Entwicklung in Deutschland belassen zu können. Dabei ist fraglich, ob Entwicklung ohne Produktionserfahrung von Bestand ist. In der Forschung ist seit längerem der Aufbau von Expertensystemen in der Diskussion. In der industriellen Praxis hört man von diesen Systemen wenig.

Die internationale Verflechtung der Informationstechnologie erlaubt es problemlos, an einem komplexen Technologieprojekt von einen beliebigen Standort in der Welt (mit) zu entwickeln. Es gibt keinen Grund, warum lohnintensive Entwicklungsarbeit in Deutschland verbleiben sollte, während kapitalintensive Produktionsplätze bereits in Niedriglohnländer ausgelagert wurden. Ausschlaggebend ist derzeit lediglich die Nähe zu den großen Auftraggebern. Sobald diese aber umziehen, wird die Karawane der Zulieferanten hinterher marschieren müssen!


Gerhard Brüninghaus

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Anzeige

Wettbewerbsvorteile bei großen Maschinen

Ob 3D-gedruckte Bauteile für Maschinen und Anlagen, Prototypen oder Hilfsmittel für die Konstruktion: Die Additive Fertigung ist für moderne Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automatisierung nahezu unverzichtbar, wenn man in der...

mehr...

Lineartechnik

Transporttechnik aus dem Baukasten

Viele Transportaufgaben lassen sich mithilfe von Lineartechnik realisieren. Um das Zusammenspiel von Lineareinheit, Motor, Getriebe und Steuerung zu vereinfachen, bieten sich vorkonfigurierte Lösungen an. So kann der Aufwand für Recherche und...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren