Digital Engineering:

Die Zukunft der Konstrukteure

Durch die Methode des Digital Engineering können Forschung und Entwicklung für die Planung von Produkten und Fertigung zeitlich parallel laufen. Auf der Hannover Messe erfahren die Besucher, wie dies funktioniert.

Mit digitalem Engineering lassen sich Entwicklungszeiten und Time-to-Market verkürzen, sagt Fraunhofer IFF.

Digital Engineering verkürzt nicht nur Entwicklungszeiten, sondern reduziert Kosten und sorgt für ausgereiftere Konstruktionen. Zudem ist es Voraussetzung für die zukünftig sich selbst steuernde, vernetzte Produktion.

Besonders mittelständische Firmen, die kleine Serien und Unikate produzieren, profitieren von den Vorteilen des Digital Engineerings: verkürzte Entwicklungszeiten, reduzierte Kosten und ausgereiftere Konstruktionen. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF haben sich das Ziel gesetzt, Maschinenbauer zu befähigen, diese Methode in ihren Betrieben einzusetzen.

"Den bisher üblichen Workflow beim Entwickeln und Umsetzen von beispielsweise Sondermaschinen haben wir umgestellt", erklärt Prof. Dr. Ulrich Schmucker, Leiter des Geschäftsfelds Virtual Engineering am IFF. "Bisher beginnen die Konstrukteure, dann kommen Elektrotechniker dazu, später Programmierer und schließlich die Inbetriebzunehmenden. Mit unserer neuen Methode arbeiten alle von Anfang an zusammen. Die Programmierer können bereits mit der Softwareentwicklung beginnen, bevor es die Maschine gibt. Üblicherweise erfolgt dieser Schritt erst zum Schluss, wenn die Anlage fertig gebaut und angeschlossen ist." Das ist möglich, da sowohl das künftige Produkt als auch jeder einzelne Prozessschritt am Rechner simuliert werden können. Die Forscher verknüpfen dazu alle zur Verfügung stehenden digitalen Daten.

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"Je nach Bedarf der Kunden entwickeln wir speziell zugeschnittene Lösungen", betont Schmucker. Vor allem im Sondermaschinenbau und bei geringen Stückzahlen lohnt sich die Entwurfsmethode des IFF. Mittelständler wie die Firma SM Calvörde, die unter anderem im Schienenfahrzeugbau tätig ist, die Schiess AG, die Werkzeugmaschinen herstellt oder die AEM - Anhaltische Elektromotorenwerk Dessau, die Großgeneratoren produziert und viele weitere haben bereits Anlagen mit Fraunhofer umgesetzt. Finanziert wurden die Forschungsarbeiten vom Land Sachsen-Anhalt, durch Eigenmittel und durch Industrieprojekte.

"Die Daten aus dem Entwicklungsprozess verwenden wir nicht nur für Planung und Bau, sondern auch für Wartung, Reparatur und Schulung", beschreibt Schmucker weitere Vorteile des Systems. "Ein Beispiel: Die Maschine steht still, ein Sensor ist verrutscht. Aber welcher der 800 eingebauten Sensoren funktioniert nicht? Der Techniker erkennt auf seinem Tablet-PC sofort, wo der Fehler liegt und kann direkt ein Ersatzteil bestellen. Das ist möglich, weil alle vorhandenen Daten rund um die Maschine digital zur Verfügung stehen."

Auch Schulungen des Bedienpersonals können bereits starten, bevor die Anlage existiert - und zwar ebenfalls an der realen Steuerung. Die künftigen Nutzer trainieren die Bedienung an der virtuellen Anlage am Institut oder beim Unternehmen. Die Bedienungsoberfläche ist dabei identisch mit der künftigen Maschine. Nur bewegt sich statt der Maschinen die virtuelle Nachbildung der Anlage auf dem Bildschirm. bw

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