Wirtschaft + Unternehmen

Deutsche Elektroindustrie vorsichtig optimistisch für 2013 ​

Die deutsche Elektroindustrie gibt sich anlässlich der diesjährigen Hannover Messe weiter vorsichtig optimistisch. "Unsere Branche ist besser in das Jahr 2013 gestartet, als sie 2012 hinter sich gelassen hat", sagte ZVEI-Präsident Friedhelm Loh. Zwar hält er an der Prognose von 1,5 Prozent Produktionswachstum und einem Anstieg der Erlöse auf 173 Mrd. Euro in diesem Jahr fest, weist aber gleichzeitig auf große Unsicherheiten hin.

"Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Dynamik im Jahresverlauf allmählich weiter zunehmen wird", so Loh. Der Konjunkturzyklus sei heute politikabhängig wie selten zuvor und die Liste der Risiken lang. Mit stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen müssten die Regierungen endlich wieder für eine nachhaltige Investitions- und Planungssicherheit sorgen. Dies betreffe die Energiewende in Deutschland genauso wie die Schuldenkrise im Euroraum, den Budgetstreit in den USA oder den Reformstau in China.

Die größeren Impulse erwartet der ZVEI dieses Jahr erneut aus dem Ausland, vor allem wieder aus den Schwellenländern, aber auch aus den sich re-industrialisierenden USA. Bei der Beschäftigung, deren Zahl im Inland sich aktuell auf 839 Tsd. beläuft, rechnet der ZVEI 2013 mit einer stabilen Entwicklung. Mehr als ein Fünftel der Branchenbeschäftigten sind Ingenieure, weitere drei Fünftel Fachkräfte. Die Hälfte der Elektrofirmen spürt weiterhin den Fachkräftemangel. "Entsprechend wollen sieben von zehn Firmen bis 2014 mehr Elektroingenieure einstellen als in den Vorjahren", sagte Loh.

Anzeige

Die deutsche Elektroindustrie hat 2012 8,7 Mrd. Euro in Anlagen investiert und 13,5 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Acht von zehn Unternehmen bringen regelmäßig Innovationen hervor. 40 Cent jedes in der Branche umgesetzten Euro werden mit Neuheiten erlöst. Und jede dritte Innovation im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt erfährt ihren originären Anstoß durch die Elektrobranche. "Aufgrund dieser Innovationsstärke ist die deutsche Elektroindustrie Vorreiter beim Thema Industrie 4.0 bzw. Integrated Industry - dem Leitmotto der Hannover Messe 2013", so Loh. Indem die Branche die vierte industrielle Revolution hin zur intelligent vernetzten Produktion wesentlich mit vorantreibe, trage sie maßgeblich zur Sicherung und zum Ausbau der volkswirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei. "Mit einer steuerlichen Forschungsförderung sollte die Politik die F&E-Anstrengungen der Unternehmen, die schließlich die Grundlage für Wachstum und Wohlstand sind, unterstützen", verlangte Loh.

Die Steigerung der Energieeffizienz und intelligentere Verteilnetze sind die zentralen Bausteine für das Gelingen der Energiewende. Mit den modernen Technologien der Elektroindustrie lassen sich bereits heute große Mengen an Strom einsparen und so der Anstieg der Strompreise bremsen. Damit die Energiewende zügiger umgesetzt werden könne, forderte Loh eine politische Konkretisierung verlässlicher Rahmenbedingungen für wachstumsfördernde Investitionen in die Energieerzeugung, -übertragung und -verteilung. Die Stromnetze müssten um eine Energieinformationsinfrastruktur ergänzt und so zu Smart Grids umgebaut werden. Bei jedem Zählerwechsel sollte der Einbau eines digitalen Zählers - Smart Meter - gesetzlich vorgeschrieben werden.

Einer der wichtigsten Knotenpunkte im industriellen Wertschöpfungsnetzwerk in Deutschland ist die Halbleiterindustrie mit ihrer Leistungselektronik. Sie ist unerlässlich, um die Netze intelligenter und so die Energiewende zu einem Erfolg zu machen. "Industriepolitisch erfährt diese Key Enabling Technology viel zu wenig Beachtung", bemängelte Loh, "zumal ausländische Fördermaßnahmen hier regelmäßig den internationalen Wettbewerb verzerren." kf

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Europawahl FSK 16

Eine gute Nachricht: In den vergangenen 20 Jahren ist in Deutschland die Wahlbeteiligung bei Europawahlen kontinuierlich gestiegen – von 43,0 % auf zuletzt knapp 64,8 %. Ich mag die Idee, auch jungen Menschen ab 16 eine politische Beteiligung in...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial 01-02/2024

Projekt Demokratie

Viele Menschen gehen dieser Tage auf die Straße, weil sie rechten Hass und Populismus leid sind. Auch die Industrie ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. „Die Transformation als Jahrhundertprojekt“ ist der Titel eines Papiers, das...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren