Wirtschaft + Unternehmen

Besser mit Know-how

Vom Nutzen ihrer Produkte sprechen viele Anbieter im CAD-Markt. Den Beweis über Einsparungen oder kürzere Produktentwicklungszeiten treten nur wenige an. Parametric Technology (PTC) hingegen ist bestrebt, dass seine CAD-Produkte von Kunden optimal genutzt werden und gründete zur Unterstützung den Geschäftsbereich Global Services. Vom Erfolg der PC-Produkte und -Berater bei einem Leuchtenhersteller lesen Sie in diesem Beitrag.

Was nutzt die beste Drehbank, ohne den handwerklichen Könner, der sie bedient? Welche Ergebnisse liefert eine teure Messeinrichtung, wenn ein Dilettant die falschen Werte eingibt? Wird jeder Ferrari-Fahrer zum Schumi, weil er im richtigen Auto sitzt? Sicherlich beantworten Sie alle drei Fragen mit heftigem Kopfschütteln. Warum aber investieren Unternehmen viel Geld in teure und ausgereifte CAD-Systeme, ohne ihren Wirkungsbereich zu optimieren und die Anwender entsprechend zu schulen? Diese Frage stellte man sich auch bei Parametric Technology, besser bekannt als PTC und Hersteller der Software Pro/Engineer und anderer CAD-Produkte. Mit diesem Hintergrund entstand der Unternehmenszweig Global Services MCAD, der PTC-Kunden in Sachen Service und Beratung unterstützt. Dazu zählen beispielsweise Fragen zu Strategien, Prozesswissen, Technologie, Reorganisation, Aus- und Weiterbildung oder technischem Support.

Leiter Global Services Central Europe North für den Bereich MCAD ist Patrick Mombaur mit Sitz im hessischen Neu-Isenburg. Aus langjähriger Consulting-Erfahrung weiß er um die Notwendigkeit einer qualifizierten Beratung: ¿Gute CAD-Software entfaltet ungeahnten Nutzen, wenn Unternehmensprozesse und Software optimal einander angepasst werden.¿ Um dies zu erreichen, stehen weltweit acht große Support-Zentren und über 75 Schulungseinrichtungen bereit, die Unternehmen aller Größen und Branchen in Konstruktionsfragen beraten, Implementierungsunterstützung leisten sowie Schulungen und technischen Support anbieten.

Wie Mombaur betont, zahlen sich die Vorteile eines solchen effektiven Consultings schnell aus: ¿Unsere Kunden können mit einer deutlichen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Kostenreduzierung und Senkung der Durchlaufzeiten rechnen. Schnellere Prozesse von der Produktidee bis zur Fertigung in allen Bereichen des Unternehmens verwirklicht die Time to Market-Philosophie.¿

Ein Licht geht auf

Dass diese ¿Kombi-Strategie¿ aus Softwareinstallation plus Unternehmensberatung nicht nur am runden Tisch funktioniert, sondern handfeste Vorteile für Mittelständler und Großunternehmen bietet, belegt die Pro/Engineer-Implementierung im Iserlohner Wila-Konzern, dem nach eigenen Angaben europäischen Marktführer für Kompakt- und hochwertige Optikleuchten mit Tochtergesellschaften in der Schweiz, England und den USA. Seit 1993 arbeitet der Konzern mit Pro/Engineer und zeitweiser Unterstützung von Global Services. So wurde beim Tochterunternehmen Hartmann & Unger Beleuchtungstechnik in Arnsberg die komplette Produktentwicklung bis zum Vertrieb im vergangenen Jahr mit Hilfe der Berater ¿reengineert¿. ¿Seit 1978 produzieren wir technische Innenraumbeleuchtung. Dazu gehören Spiegelrasterleuchten für Verkaufsräume und den Verwaltungsbau ebenso wie Reinraumleuchten¿, erläutert Bernd Lafin, Vertriebsleiter bei Hartmann & Unger. Die erst in 1999 vollzogene Umstellung der Produktentwicklungsumgebung auf Pro/Engineer sei bereits heute deutlich spürbar. Denn die Konstrukteure seien durch das komfortable CAD-Werkzeug motivierter und kreativer als in der Vergangenheit.

Ein weiterer wichtiger Grund für den Einsatz von Pro/Engineer war die Fusion mit Wila im vergangenen Jahr. ¿Es geht uns um die CAD-Kompatibilität zu den Unternehmen unserer Gruppe¿, betont Henning Fechner, Leiter Konstruktion/Entwicklung bei Wila. ¿Da wir gute Erfahrungen mit dem System gemacht haben, soll auch Hartmann & Unger mit dieser effizienten Software arbeiten, denn wir sind auf dem Weg in Richtung Simultaneous Engineering¿, ergänzt Fechner.

Virtuelle Produktauswahl

Funktionierendes Team-Engineering im Firmenverbund ist natürlich nur ein attraktives Ziel ¿ gleichzeitig aber haben die Consulting-Aktivitäten von Global Services MCAD weiteres attraktives Rationalisierungspotential für Hartmann & Unger erschlossen. ¿Dass sich unsere individuelle Unternehmensberatung auszahlt, konnten wir mit der firmenspezifischen Entwicklung eines Produktkonfigurators für Pro/Engineer einmal mehr beweisen¿, freut sich Berater Mombaur. Den maßgeschneiderten Aufbau eines solchen Moduls bietet Global Services als Dienstleistung an.

Bei Hartmann & Unger optimiert der Produktkonfigurator die Entwicklung, Fertigung und den Vertrieb von Spiegelrasterleuchten. Dazu wurde das Produkt analysiert, ein Implementierungs-Team gebildet, die Prozesskette analysiert und die Spiegelrasterleuchte über Kennparameter definiert. Diese Parameter wurden dann in eine Tabelle eingebracht. Mit Hilfe des Produktkonfigurators lässt sich jetzt die jeweilige Leuchten-Variante in Form von Parametern auf Tabellen-Basis vollständig beschreiben.

Dieser Rationalisierungsschritt hat gewaltige Auswirkungen ¿ auch für den Vertrieb. Jeder Vertriebsbeauftragte kann jedes Produkt, das den Kunden interessiert, eindeutig, umfassend und fehlerfrei anbieten. ¿Verkauft wird nichts mehr, was fertigungstechnisch nicht machbar oder zu teuer wird¿, betont Lafin. So gehe ein Vertriebsbeauftragter heute zum Kunden und schlage eine Leuchte vor. Der Produktkonfigurator werde dann zusammen mit dem Kunden durchgegangen und das Produkt gemeinsam definiert. ¿Anschließend wird die entstandene Tabelle einem Konstrukteur übergeben, der den Produktkonfigurator entsprechend einstellt und die Baugruppen generiert¿, ergänzt der Vertriebsleiter. Dabei seien alle Einzelteilzeichnungen, Fertigungszeichnungen und Stücklisten komplett parametrisiert.

Leuchten schneller konstruiert

Über 25 Eckwerte müssen eingegeben werden, um eine komplette Baugruppe zu generieren. Könne man auf den Produktkonfigurator zurückgreifen, lasse sich die gewünschte Spiegelrasterleuchte komplett mit allen Einzelteilen, Abwicklungen und fertigungsrelevanten Zeichnungen innerhalb von drei Stunden entwickeln beziehungsweise zusammenstellen. Vor dem Einsatz des Produktkonfigurators lag der zeitliche Aufwand hier bei acht bis elf Stunden, je nach Komplexität der Leuchte.

Doch der Produktkonfigurator und Pro/ Engineer erschließen noch weitere Rationalisierungsfelder: Zusätzliche Blechteile, wie Halter und Versteifungswinkel innerhalb der Leuchte, werden jetzt sofort im Hintergrund als Zeichnung generiert. ¿Dafür mussten wir früher jedesmal bei Null anfangen. Das ist es, was wirklich Zeit bringt¿, erinnert sich Bernd Lafin. Seien zu einem späteren Zeitpunkt die Datenbanken angewachsen, so dass man immer mehr auf vorhandene Bauteile zurückgreifen könne, werde bei dieser Variantenkonstruktion ein Zeitvorteil von 40 bis 50 Prozent realisiert.

Die Mitarbeit der Berater brachte auch unerwartete Resulate bei Hartmann & Unger: ¿Durch den Einsatz des Produktkonfigurator waren wir gezwungen, uns noch einmal sehr genau und penibel mit unserem Produkt auseinanderzusetzen. Man entdeckt eine Menge Verbesserungspotential, das vorher nicht aufgefallen ist¿, berichtet Lafin. Das Aufdecken diese Potentials ist für ihn allerdings auch eine Frucht der engen Zusammenarbeit zwischen Kunde und Consultant. Denn die technischen Erfahrungen, die solche Berater in anderen Firmen gesammelt haben, schlagen im eigenen Unternehmen voll zu Buche. ¿Ein Consultant, der ständig in anderen Aufgabengebieten eingesetzt ist, bringt sehr viel Know-how mit. Der gesamte Beratungsprozess hat uns einen ganzen Schritt nach vorn gebracht.¿

Die 3D-Visualisierungsmöglichkeiten des neuen CAD-Systems gaben diesem Schritt zusätzlichen Schub. Denn bislang kam man in Arnsberg nicht umhin, nach Kundenvorgaben erste handgreifliche Muster zu bauen und zu präsentieren. Ein aufwändiger Prozess, der über Materialverbrauch und Fertigung die Kosten in die Höhe trieb. ¿In diesem Bereich können wir über 3D-Visualisierung, also 3D-Bemusterung am Bildschirm, 60 bis 70 Prozent des bisherigen Aufwandes sparen¿, hebt Bernd Lafin hervor. Denn um einen Auftrag für Sonderleuchten zu bekommen, müsse im Schnitt zwei- bis dreimal bemustert werden. Zwar komme man um eine endgültige Bemusterung nicht herum, ¿aber wir machen aus drei Bemusterungen eine.¿

Die erreichten Vorteile bei Hartmann & Unger kommen nicht von ungefähr. ¿Mit weltweit 900 Beratern sind wir international größter und erfahrenster Consultant im Segment Produktentwicklung¿, weiss Patrick Mombaur. Vor allem komme es darauf an, ebenso individuell wie umfassend auf die Kunden einzugehen. ¿Diese Maxime gilt bei uns für Großunternehmen ebenso wie für Mittelständler. Mit unseren firmennahen Konzepten sind wir weltweit in einer Vorreiterrolle.¿ Das zahlt sich aus, denn ein Wettbewerbsgrundsatz wird auch in Zukunft vorbehaltlos gelten: Zufriedene Kunden sind die Geschäftsträger von morgen ¿ auch davon ist Patrick Mombaur überzeugt.

Stefan Graf

Links: http://www.ptc.com/germany

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