Nachhaltigkeit
„Endlich ins Tun kommen“
Welchen Beitrag kann die Industrie zum Klimaschutz leisten, und wie gelingt es, Nachhaltigkeit in den Prozessen zu verankern? Andreas Mühlbauer sprach darüber mit Wolfgang Weber, dem Vorsitzenden der ZVEI-Geschäftsführung.
Herr Weber, die EU hatte ursprünglich beschlossen, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Nun hat man den Anspruch noch einmal erhöht und sich auf eine Reduktion von 55 Prozent geeinigt. Halten Sie das für realistisch?
Die erhebliche Reduktion des CO2-Ausstoßes ist politisch ambitioniert, lässt sich in einem Kraftakt aber technologisch umsetzen. Die oftmals bereits vorhandenen Technologien müssen jetzt schneller zum Einsatz kommen. Statt sich in Debatten über Einsparziele zu verlieren, müssen wir endlich ins Tun kommen. Dafür benötigen die Unternehmen einen EU-weit koordinierten politischen Regulierungsrahmen, der Anreize für Investitionen in Entwicklung, Bau und Betrieb zusätzlicher emissionsmindernder Technologien setzt. Klimaschutz ist dann betriebswirtschaftlich machbar und auch volkswirtschaftlich sinnvoll. So stellen wir die Ökonomie in den Dienst der Ökologie. Und: Wichtigster Treiber für mehr Klimaschutz ist technischer Fortschritt. Diesen Trumpf müssen wir mehr spielen.
Was kann und muss die deutsche Industrie tun, um dem möglichst nah zu kommen, und welche Randbedingungen muss die Politik dazu schaffen?
Haupttreiber für mehr Klimaschutz wird die durchgehende Elektrifizierung und Digitalisierung klimarelevanter Sektoren sein. Besonders hohe CO2-Minderungspotenziale sind im Gebäude und beim Verkehr zu sehen. Aber auch die energieintensive Industrie kann ihre CO2-Emissionen durch Elektrifizierungen massiv senken. Da die Elektrifizierung aber nur Sinn ergibt, wenn sie wirtschaftlich attraktiv ist und wenn wir den Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, müssen wir dreigleisig fahren. Zum ersten muss die Energiewende einen neuen Schub erhalten. Der Ausbau regenerativer Energiequellen muss schnell Fahrt aufnehmen. Zum zweiten gilt es, Effizienzpotenziale in Erzeugung und Verbrauch und deren Synchronisierung besser auszuschöpfen. Daher muss die Digitalisierung des Stromsystems, etwa durch die Nutzung von Smart Meter Gateways vorangebracht werden. Und die Binse, wonach jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, auch nicht erzeugt werden muss, ist unwiderlegt. Mehr Energieeffizienz ist der Schlüssel. Hierfür müssen mehr Anreize für Investitionen in nachhaltige Technologien gesetzt werden. Und drittens brauchen wir sehr schnell eine massive Absenkung der EEG-Umlage und damit des Strompreises und im Gegenzug einen deutlich höheren CO2-Preis.
Im Zuge der Digitalisierung wird viel Hardware ausgemustert. Geschieht die Entsorgung immer fachgerecht, und wie lässt sich in diesem Bereich ein besserer Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten?
Die Entsorgung von Altgeräten erfolgt nach unseren Erkenntnissen deutlich überwiegend gesetzeskonform und fachgerecht. Schon aus ökonomischem Interesse erfolgen gerade im gewerblichen Bereich Erfassung und Verwertung so, dass Wertstoffe dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden können. Oft gibt es allerdings Zweit- und Drittmärkte oder auch Exporte von Altgeräten. Die genauen Entsorgungswege werden dann nicht immer lückenlos dokumentiert. Das derzeit im Gesetzgebungsverfahren befindliche Elektro- und Elektronikgerätegesetz wird erstmals Hersteller von B2B-Geräten verpflichten, Rücknahmekonzepte zu erarbeiten und vorzulegen.









