Studie

IFR prognostiziert steigende Nachfrage bei Industrierobotern

"Die Nachfrage nach Industrierobotern wird weiterhin stark steigen. Zwischen 2015 und 2017 gehen wir von einem jährlichen Wachstum von ca. 12 Prozent im Bereich Roboterinstallationen aus", erklärte Arturo Baroncelli, Präsident der IFR, anlässlich der Veröffentlichung der Studie "World Robotics 2014 - Industrial Robots" am Dienstag in Frankfurt.

In 2014 werden voraussichtlich über 200.000 Industrieroboter weltweit installiert, 15 Prozent mehr als 2013.

Automobil- und Elektroniksektor - die wichtigsten Wachstumstreiber

Ein großes Auftragsvolumen für industrielle Roboter kommt weiterhin aus der Automobilbranche. Investitionen in der Automobilindustrie sind üblicherweise zyklisch. Seit 2010 jedoch steigen die Investitionen in diesem Sektor auch ohne nennenswerte zyklische Effekte an. Diese einzigartige Entwicklung wird auch 2014 und darüber hinaus anhalten. In einzelnen Märkten könnten sich die Roboterlieferungen in die Automobilindustrie jedoch verlangsamen. Die Elektro-/Elektronikindustrie investiert verstärkt in Produktionsautomatisierung sowie Umrüstung auf neue Produktionsprozesse. In anderen Industrien ist ein weiterer Zuwachs an Robotikaufträgen ebenfalls wahrscheinlich. Dies gilt besonders für die Gummi- und Kunststoffindustrie, die Pharmaindustrie, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie den Metall- und Maschinensektor.  

2014 starkes Wachstum in Asien

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Ein Wachstumsschub von etwa 21 Prozent wird 2014 für Asien, besonders China und Taiwan, Korea und die meisten anderen südasiatischen Märkte erwartet. Roboterverkäufe nach Amerika werden 2014 bedingt durch den höheren Bedarf in Nordamerika und Brasilien um elf Prozent ansteigen. Robotikanwendungen in Europa werden voraussichtlich um sechs Prozent steigen (besonders für den deutschen Markt wird weiteres Wachstum erwartet). Für 2014 wird davon ausgegangen, dass Verkäufe in andere westeuropäische Länder trotz schlechterer wirtschaftlicher Bedingungen in einigen dieser Länder stagnieren oder sogar ansteigen.  

Anhaltendes Wachstum zwischen 2015 und 2017

Zwischen 2015 und 2017 wird der Absatz von Robotern in Amerika und Europa voraussichtlich um etwa sechs Prozent und in Asien / Australien um 16 Prozent im Jahresdurchschnitt zunehmen. Für Ende 2017 wird erwartet, dass weltweit ungefähr zwei Millionen Industrieroboter in Firmen installiert sind.

Mit diesen Vorhersagen sind bestimmte Risiken verbunden. Risiken in der Eurozone weisen auf negative Tendenzen hin. Geopolitische Risiken wie z.B. der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, die daraus resultierenden Spannungen zwischen Russland und der westlichen Welt sowie die Entwicklungen in Schwellenländern und auf den Finanzmärkten könnten auf die Wirtschaft noch nachteiligere Auswirkungen haben als bisher angenommen. Wachsende Risiken birgt auch die unzureichende Durchführung von Strukturreformen in den Ländern der Eurozone.
   
Jedoch sind Investitionen in die Automatisierung notwendig und werden zwangsläufig anhalten, möglicherweise aber mit zeitlicher Verzögerung.

Boomender Robotermarkt - China

Verkäufe von Industrierobotern werden in den kommenden Jahren in China erheblich an Schwung gewinnen. Für das Jahr 2014 wird ein Anstieg der Verkäufe auf 50.000 Roboter erwartet. Zwischen 2015 und 2017 ist ein durchschnittliches Jahreswachstum von 25 Prozent auf ca. 100.000 Einheiten im Jahre 2017 möglich. Bis 2017 werden in chinesischen Firmen über 400.000 Industrieroboter installiert sein. Der chinesische Markt verzeichnet eine steigende Zahl an chinesischen Roboterlieferanten. Der Wettbewerb zwischen ausländischen und chinesischen Roboterherstellern wird sich voraussichtlich weiter verschärfen. Der chinesische Markt bietet in den kommenden Jahren großes Potential für Robotikanwendungen unterschiedlichster Art.

Breites Anwendungsspektrum in der Automobilindustrie

Atemberaubende Fortschritte und innovative technologische Entwicklungen in der industriellen Fertigung haben in den letzten vier Jahren zu einem erheblichen Anstieg der Roboterinstallationen geführt. Dies gilt ganz besonders für die Automobilbranche. In seinem Spezialbericht über zukünftige Herausforderungen der Robotik in der Automobilindustrie sieht Dr. Stefan Markus Baginski, BMW, noch immer ein weites Feld an Möglichkeiten zur Verwendung weiterer Roboter im Automobilsektor. Die Entwicklungsmöglichkeiten von PLCs und Robotersteuerungen seien noch nicht voll ausgeschöpft: "Vor allem wenn wir uns einmal ansehen, wie stark mobile Geräte mit dem Telefonnetz, sozialen Netzwerken und Cloud-Diensten verbunden sind. All diese Bestrebungen dienen dazu, bessere Dienste für uns alle zu schaffen und unser Leben angenehmer zu machen. Dies auf eine ganze Armee von Robotern zu übertragen, ist eine der Herausforderungen für die Zukunft. Stellen Sie sich vor, wie viel Energie, Wartungsaufwand, Platz und Hardware wir sparen könnten, wenn zum Beispiel Robotersteuerungen einfach ein Cloud-Dienst wären, an den alle Roboter angeschlossen sind, um ihr jeweiliges Programm am Laufen zu halten."

Baginski glaubt, dass dies auch Auswirkungen auf ein anderes wichtiges Thema hat,  nämlich die notwendigen Bemühungen zu lernen, wie man einen Roboter programmiert und benutzt. Dies erfordert noch immer umfangreiches Training und Fachwissen. Jeder Roboterhersteller verwendet beispielsweise seine eigene Programmiersprache. Baginski sieht eine Chance in den ersten Entwicklungen offener Standards z.B. für PLC-Anwendungen. Eine  höher entwickelte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter, die direkte Interaktion erlaubt, steckt noch in den Kinderschuhen, und hier eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Verwendung von Robotern im Automobilbau.
 
Abschließend bemerkte Baginski, dass die gesamte Robotergemeinde - zu der auch die Autobauer gehören - die Verantwortung dafür übernehmen muss, nicht nur Technologien zu entwickeln, sondern auch das Denken der Gesellschaft in Bezug auf Automation in neue Richtungen zu lenken. "Vielen Menschen ist der Einsatz von Robotern immer noch unheimlich, aber gleichzeitig automatisieren sie mit ihren iPhones ihre täglichen Aktivitäten. Dies ist der Fall, wenn die Technologie nicht ausreichend erklärt wird und die Vorteile der Masse nicht klar sind. Mit einem besseren Verständnis würden wir noch mehr für die zukünftige Entwicklung der Robotertechnologie gewinnen."

Neuer Markt - Elektromobilität

Das Wachstum der Elektromobilität und der Bedarf an stationärer Energiespeicherung zum Zwischenspeichern volatiler erneuerbarer Energien im Stromnetz hat einen neuen Markt geschaffen: hochleistungsfähige Batterien. Ihre Herstellung ist komplexer als die gewöhnlicher marktüblicher Batterien. Höchste Präzision und Qualität sowie ein Produktivitätsanstieg sind auch hier der Schlüssel zum Erfolg, und dies bedeutet Automatisierung und folglich Roboter. Im Bereich Elektromobilität stehen Batteriewechselstationen anstelle von Ladestationen zur Debatte. Dies könnte für Roboter ein weiterer attraktiver Zukunftsmarkt sein.

Die World Robotics 2014 Industrial Robots bietet eine Reihe von detaillierten Analysen zu Roboteranlagen, aufgeschlüsselt nach Ländern, Anwendungen und Sektoren, Trends in Roboterdichte, Vorhersagen, Kundentrends, technischen Entwicklungen und Herausforderungen der Robotikindustrie, Fallstudien zur Profitabilität von Investitionen in Robotertechnik, neue Standardisierungsbestrebungen und einen Sonderbericht zum Thema zukünftige Herausforderungen  in der Robotik für die Automobilindustrie.

Das IFR Statistical Department, beim VDMA Robotik + Automation angesiedelt, veröffentlicht jedes Jahr zwei Studien:

World Robotics - Industrieroboter: Der Bericht liefert weltweite Statistiken über Industrieroboter in einheitlichen Tabellen und ermöglicht aussagefähige Ländervergleiche. Er enthält statistische Daten aus circa 40 Ländern, aufgeschlüsselt nach Anwendungsbereichen, Industriesektoren, Roboterarten und anderen technischen und wirtschaftlichen Aspekten. Für ausgewählte Länder sind Produktions-, Export- und Importdaten aufgeführt. Trends bei Roboterdichte, z.B. die Anzahl von Robotern auf je 10.000  Beschäftigte in relevanten Sektoren, werden ebenfalls dargestellt.

World Robotics - Serviceroboter: Dieser einzigartige Bericht liefert weltweite Statistiken über Serviceroboter, Marktanalysen, Fallstudien und internationale Forschungsstrategien zu Servicerobotern. Die Studie wird in Zusammenarbeit mit unserem Partner Fraunhofer IPA, Stuttgart erarbeitet.

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