Montagetechnik
Ordnung im Chaos
Nach der Anlieferung von Teilen für den Automobilbau, liegen diese oft ungeordnet im Container. Für das lagerichtige Entnehmen erteilte ein Hersteller von PKWFensterhebern und Türsystemen dem Sondermaschinenbauer Pfuderer aus Ludwigsburg einen Auftrag. Die Schwierigkeit der diffizilen Aufgabe ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen: Die Anlage soll alle vier Sekunden eine Glashebeschiene für Fensterheber einer Montagelinie zuführen. Das an sich klingt leicht, aber wenn nach 500 Kilometern LKW-Fahrt jede Ordnung in den Transportkisten dahin ist, erkennt man schon das Problem des Projekts. „Wenn Sie sperrige Metallschienen aus einer Gitterbox heraus nehmen und auf einem Band vereinzeln, positionieren und schließlich der Montage zuführen wollen, ist das wie Mikado spielen“, erzählt Geschäftsführer Martin Pfuderer. „Eigentlich sollen die Teile schon geordnet in der Gitterbox liegen, so die Zusage des Herstellers, aber vom Presswerk zum Montagewerk sind sie 500 Kilometer auf dem LKW unterwegs und da ist nichts mehr geordnet“, berichtet er weiter von den Schwierigkeiten. Auch dass die zu entnehmenden Teile nicht am Übergriff der Gitterbox oder an deren Rand hängen bleiben, galt es zu berücksichtigen.
Durchgeschüttelt
Für die Bewältigung der Aufgabe entschieden sich die Ludwigsburger eine Zuführanlage mit Vereinzelung und Positionierung zu konstruieren und zu bauen. In der fertigen Anlage gliedert sich der komplette Arbeitsvorgang in mehrere Einzelabschnitte. Nach dem Abladen der Gitterboxen vom LKW nimmt ein Magnet aus dem Haufen von vielen hundert Teilen bei jedem Hub mehrere Schienen heraus und legt sie auf ein Förderband ab. Schlaufen in der Strecke und eine magnetische Nachvereinzelung trennen sie zunächst mal voneinander. Anschließend werden die noch ungeordnet liegenden Teile mit einer Bildverarbeitung erfasst und danach von einem Scara-Roboter in die richtige Lage und Position gebracht. Zum Schluss kann ein Förderband sie dann geordnet der Montageeinheit zu führen.
Geliefert wurden für zwei Prozesslinien zwei Anlagen. Die produzieren im Dreischichtbetrieb zwei beziehungsweise vier verschiedene Teile an sechs Tagen. Als Entnahmevorrat dienen zwei Gitterboxen, die ein Arbeiter an die Maschinen stellt. Alle zwei bis drei Stunden muss er volle Gitterboxen nachschieben, damit die Jahreskapazität von über vier Millionen Teilen je Anlage auch erreicht wird. „Wir kooperierten bei Konstruktion und Entwicklung der Lösungen eng mit unserem Kunden. Regelmäßige Besprechungen zum Stand der Arbeiten ermöglichten die Einhaltung des engen Zeitplans,“ erwähnt der Geschäftsführer des Sondermaschinenbauers. Sechs Monate nach Auftragserteilung konnten die Anlagen im Frühjahr dieses Jahres ihren Betrieb aufnehmen. In den kommenden Sommermonaten wird das den Autofahrer sicher erfreuen, nämlich immer dann, wenn er sein Fenster herunter kurbelt oder es elektrisch öffnet. (ma)









