Editorial
Gestalten statt verwalten
Dass Angela Merkel bei der Bundestagswahl einen solchen Erfolg einfahren konnte, hat sie auch einer Branche zu verdanken, mit der Politiker selten Berührung haben: der Produktionstechnikbranche. Denn Werkzeugmaschinen- und Automatisierungstechnik haben als stark exportorientierte Branchen großen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands. Die Produktionstechnik sichert dabei nicht nur in erheblichem Maße Arbeitsplätze, sondern schafft auch neue, wie eine Studie am Beispiel Roboter im Auftrag der International Federation of Robotics nachweist. Die Studie hat analysiert, dass sich in Ländern, in denen die Hersteller den Einsatz von Robotern bereitwillig annehmen, der Output erhöht und die Arbeitslosenraten sinken. Traditionelle Hochlohnländer werden dadurch auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig. Eine größere Wettbewerbsfähigkeit steigert den Absatz, was zu einer höheren Anzahl von Beschäftigungsverhältnissen und besser bezahlten Tätigkeiten führt. Das ist ein Ergebnis der Rückverlagerung der Produktion, wie sie zurzeit in den USA zu beobachten ist. In den USA, die jahrzehntelang das Ziel der Dienstleistungsgesellschaft verfolgte, findet eine industrielle Aufholjagd statt, wie auch Dr. Grünewald, Geschäftsführer der Weiss GmbH im Interview bestätigt (ab Seite 12): "Weiss hat in den USA sehr gute Chancen, weil amerikanischen Wettbewerbern teilweise zehn Jahre fehlen."
Nun folgt dort die Wende, politisch gestützt durch enorme Infrastruktur-investitionen. "Die USA sind dabei, ihre einstige Stärke bei Exporten und Industrieproduktion zurückzugewinnen", sagt Joachim Fels, Chefvolkswirt bei Morgan Stanley. Denn das Land verfüge derzeit über mehrere Wettbewerbsvorteile: eine relativ schwache Währung, günstige Lohnkosten und billige Energie. So liegen etwa die Gaspreise in den USA nur bei einem Viertel der Preise in Europa, Tendenz weiter sinkend. Doch wenn billige Energie, billige Arbeitskräfte und kostengünstige Rohstoffe der alleinige Schlüssel zu einer Industrienation wären, wäre Deutschland keine. Dazu gehören gut ausgebildetes Personal, eine gut ausgebaute Infrastruktur und innovative Unternehmen. Und den deutschen Herstellern gehen zum Glück die Ideen im weltweiten Wettbewerb nicht aus, wie die EMO zeigte und auch auf der kommenden Motek zu sehen ist (ab Seite 14). Doch sich alleine auf die Innovationskraft der deutschen Produktionstechnikbranche zu verlassen, ohne die Rahmenbedingungen für den Standort entsprechend anzupassen, funktioniert auf Dauer nicht. Die neue Regierung unter Angela Merkel muss daher das große Vertrauen, das ihr viele Wähler ausgesprochen haben, nutzen, um die nächsten vier Jahre endlich Politik zu gestalten, statt nur zu verwalten.








