CT-Fahrsystem von Schaeffler

Sliding Gantry verbessert Untersuchungsbedingungen

Im Frankfurter Uni-Klinikum hat Siemens einen auf Schienen fahrbaren Computertomographen (CT) installiert. Das Gerät kann in zwei Räumen genutzt werden – im Raum für Routinescans sowie im Schockraum. Hierfür wird es auf Schienen bis zu sechs Meter verfahren. Schaeffler lieferte hierfür das Sliding Gantry.

Mechatronische Linearsystemlösung der Lineartechnikexperten von Schaeffler für ein Siemens Sliding Gantry Fahrsystem für Computertomographen. (Foto: Schaeffler)

CT verfährt zwischen zwei Orten

Medizinischer Fortschritt dank erfolgreicher Zusammenarbeit von Schaeffler und Siemens Healthcare bei Fahrsystemen für Computertomographen (CT), so genannten Sliding Gantries: Am Schaeffler-Lineartechnik-Standort in Homburg an der Saar berichteten die beteiligten Siemens- und Schaeffler-Entwickler jüngst über die innovativen Nutzungsmöglichkeiten dieses Produkts und betonten die partnerschaftliche Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren. Dr. Christoph Dickmann von Siemens Healthcare beschrieb die Grundidee der Sliding Gantry so: „Während bei einem Computertomographen normalerweise der Patient mit der Liege durch das Gerät fährt, bewegt sich beim Sliding Gantry CT das Gerät während der Bildgebung über den Patienten, der auf einem fest eingestellten Tisch liegt, zum Beispiel bei einer Operation. Das ermöglicht neue Nutzungsmöglichkeiten, besonders für die therapeutische Bildgebung. Darüber hinaus kann das CT in zwei Räumen mit zwei ortsfesten Patientenliegen eingesetzt werden, zwischen denen der Scanner verfahren werden kann“. Die Sliding Gantry ermöglicht es in dieser Form erstmals, einen einzigen Tomographen abwechselnd in zwei Zimmern einzusetzen. Der Durchsatz lässt sich erhöhen, und für Notfälle steht jederzeit ein Schock- oder Interventionsraum mit CT bereit, ohne dass der geplante, klinische Alltag ins Stocken gerät.

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SOMATOM Definition Edge, Sliding Gantry Konfiguration – ein High-End-CT-System auf Schienen. (Foto: Siemens)

Mechantronische Linearsystemlösung beim Fahrsystem von Schaeffler

Bei der Entwicklung des Fahrsystems für Computertomographen brachten beide Unternehmen ihre Kernkompetenzen zusammmen: Siemens Healthcare konzentrierte sich auf CT-Gerät, Bildgebung und Scannersteuerung und Schaeffler auf die Mechantronische Linearsystemlösung beim Fahrsystem. Dazu erklärte Henning Dombek, Leiter Systemlösungen bei Schaeffler Lineartechnik: „Mit der Übertragung der gesamten Lineartechnik an Schaeffler ging auch die Komplexität der dreidimensionalen Raumanpassung der Gantry in den Krankenhäusern in unsere Verantwortung über, etwa die Längenvariabilität am Boden und an der Decke, die Anpassung an die Deckenhöhe und an den Bodenaufbau sowie die teleskopierbare Kabelsäule in mehreren Ausführungen.“

Ziel der beiden Entwickler-Teams war ein All-inclusive-Paket für die Sliding Gantry, das die Logistik für Siemens und für den Projektleiter möglichst einfach machen sollte. Siemens entschied sich dafür, die an individuelle Endkundenverhältnisse angepasste Lineartechnik und Kabelführungen bei Schaeffler in Homburg komplett aufbauen und testen zu lassen.

Jedes CT-Fahrsystem ist ein individuelles Einzelstück

Siemens hat im Universitätsklinikum in Frankfurt einen auf Schienen fahrbaren Computertomographen installiert. Das Gerät kann in zwei Räumen genutzt werden, sowohl im Raum für Routinescans als auch im Schockraum. Bei Bedarf lässt sich der CT aus dem Raum für Routinescans auf Schienen bis zu sechs Meter in den benachbarten Raum der Notaufnahme fahren. Mit dieser Lösung können die Ärzte schwerstverletzte Unfallopfer im Schockraum schnell und umfassend untersuchen, ohne sie umlagern zu müssen. Zugleich – da solche Situationen ungeplant und unregelmäßig eintreten – kann der Computertomograph im Routinebetrieb eingesetzt werden und so wesentlich mehr Patienten scannen, was letztlich den Betrieb wirtschaftlicher macht. (Foto: Siemens)

Innerhalb eines Jahres entwickelten die Ingenieure von Schaeffler und Siemens gemeinsam die Sliding Gantry. Die Besonderheit bei diesem Projekt bestand darin, dass jedes CT-Fahrsystem für sich ein individuelles Einzelstück darstellt – generiert aus einem Serien-Baukasten mit 1.600 möglichen Varianten. Für Schaeffler Lineartechnik ergab sich die Herausforderung, trotz der hohen Varianz, dem Umfeld einer Baustelle und dem gesteckten Kostenrahmen eine Serienlösung zu entwickeln. „Am Schaeffler-Standort in Homburg haben wir beste Voraussetzungen, solch komplexe Projekte zu realisieren. Hier verfügen wir über das notwendige Know-how in allen Bereichen, angefangen von der Produktentwicklung, der Validierung, über den Einkauf, den Customer Service, dem Supply Chain Management bis zur Produktion vor Ort“, so Ralf Moseberg, Geschäftsleitung Lineartechnik.

High-End-CT-System auf Schienen

Ingenieure von Schaeffler und Siemens entwickelten gemeinsam die Sliding Gantry für bessere Untersuchungsabläufe in der Klinik. Reihe vorn v. li. n. re.: Peter Schuster (Schaeffler), Dietmar Heinrich (Schaeffler), Ralf Moseberg (Schaeffler), Alexander Reis (Schaeffler), Martin Schreiber (Schaeffler) und Henning Dombek (Schaeffler). Reihe hinten: Fritz Bornträger (Schaeffler), Peter Klos (Schaeffler), Andreas Keilholz (Siemens Healthcare), Joachim Bockenheimer (Schaeffler), Klaus-Peter Zeilinger (Schaeffler), Christian Gassner (Schaeffler) Olaf Just Peter Klos (Schaeffler Anwendungstechnik), Ralf Moseberg (Schaeffler Geschäftsleitung Lineartechnik), Olaf Just (Siemens Healthcare) und Ulrich Förner (Siemens Healthcare) (Foto: Schaeffler)

Die konstruktive aber auch logistische Aufteilung in das Kernprodukt des Maschinenherstellers und in ein funktionsfertiges Linearsystem ist auch ein Modell für andere Maschinentypen, die erst beim Endkunden komplett aufgebaut werden können. Es entlastet den Maschinenhersteller wesentlich von der Handhabung, Vormontage und Einstellung der Linearsystem-Komponenten im eigenen Werk, entlastet den Warenein- und -ausgang und vereinfacht den Versand. Für den Projektleiter vor Ort reduziert sich die Logistik auf ein Minimum – er kann sich auf einen termingerechten Aufbau der vormontierten Subsysteme konzentrieren. pb

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