2 Millionen Euro für Linexa

Melanie Steinbeck,

Startup entwickelt KI-Plattform für industrielle Steuerungssysteme

Die europäische Fertigungsindustrie steht unter erheblichem Anpassungsdruck. Große Industrieunternehmen wie Volkswagen, ZF Friedrichshafen und Schaeffler haben in den vergangenen Jahren umfassende Umbauprogramme angekündigt, die mit einem Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen einhergehen. Parallel dazu gewinnt in China das Konzept sogenannter „Dark Factories“ an Bedeutung: hochautomatisierte Produktionsstätten, in denen der Einsatz von Personal in der Fertigung stark reduziert ist und die im Extremfall nahezu ohne permanente Beleuchtung auskommen.

Gründusgteam (von links nach rechts): Alexandros Vassiliadis, Viktor Stryczek und Tobias Drees. © Linexa

Gewachsene Systeme, begrenzte Transparenz

In vielen europäischen Werken ist die Produktionsinfrastruktur historisch gewachsen. Unterschiedliche Steuerungs- und Automatisierungssysteme verschiedener Hersteller wurden über Jahrzehnte hinweg ergänzt und miteinander verbunden. In der Praxis führt diese heterogene Systemlandschaft dazu, dass Produktionsprozesse schwer vollständig zu überblicken und Änderungen mit erheblichen technischen Risiken verbunden seien. Jede Veränderung birgt das Risiko teurer Produktionsausfälle, die laut Linexa bis zu 2,3 Millionen Dollar pro Stunde kosten können. Entsprechend gilt vielerorts weiterhin die Devise: „Never change a running system."

Linexa will die Steuerungsebene zugänglich machen

Vor diesem Hintergrund positioniert sich das Münchner Startup. Das Unternehmen adressiert hier ein Problem, das in vielen Fabriken ähnlich gelagert ist, aber selten vollständig sichtbar wird: den Zustand und die Funktionslogik der Steuerungsebene industrieller Anlagen.

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Während viele Digitalisierungsansätze auf Prozessdaten oder Sensorinformationen aufsetzen, greift Linexa direkt auf die Steuerungslogik von Maschinen zu und überführt diese in ein einheitliches Datenmodell. Ziel ist es, Produktionssysteme in ihrer Gesamtheit besser nachvollziehbar zu machen und darauf aufbauend Optimierungen zu ermöglichen.

Anspruch: Kontrolle über komplexe Produktionssysteme

„Jeder Produktionsstandort, der in Deutschland und Europa schließt, jeder Hidden Champion, der von ausländischen Investoren aufgekauft wird, schwächt unsere Wirtschaftskraft und damit die Unabhängigkeit Europas. Eine starke Fertigungsindustrie ist das Rückgrat unseres Wohlstands. Linexa gibt Fertigungsunternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Anlagen zurück und stärkt damit deren Wettbewerbsfähigkeit,” sagt Viktor Stryczek, Mitgründer und Co-CEO.

Ein Beispiel aus der Anwendung beschreibt das Unternehmen so: Ein Kosmetikhersteller stellt eine Abfülllinie von Flüssigseife auf Handcreme um. Linexa analysiert dabei die Steuerungslogik der Linie, identifiziert potenzielle Risiken und unterstützt dabei, Stillstände im Umrüstprozess zu vermeiden und die Umrüstzeit zu reduzieren.

Auch in der Lebensmittelindustrie wird die Technologie bereits eingesetzt. Einer der größten deutschen Hersteller nutzt die Plattform nach Unternehmensangaben, um Produktionsnetzwerke neu zu strukturieren und Digitalisierungsinitiativen voranzutreiben.

„Die europäische Fertigung ist unser wirtschaftliches Fundament. Mit Linexa gelingt die Shopfloor-Modernisierung schnell genug, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt zu halten. Deshalb haben wir investiert,“ sagt Florian Heinemann, General Partner bei Project A.

2 Millionen Euro Pre-Seed-Finanzierung

Linexa wurde Ende 2025 von Viktor Stryczek, Alexandros Vassiliadis und Tobias Drees gegründet und hat seinen Sitz in München. Das Unternehmen versteht sich als Deep-Tech-Anbieter, der bestehende, herstellerübergreifende Steuerungssysteme in Fabriken strukturiert und damit eine Grundlage für den Einsatz von KI in der Produktion schaffen will.

Das Unternehmen hat nun eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde von dem Frühphaseninvestor Project A. Als Business Angels beteiligen sich unter anderem bekannte Gesichter wie Thomas Böck (CEO Festo), Bastian Nominacher (Gründer Celonis) und Christian Schlögel (ehemaliger CTO/CDO von Kuka und Körber). Das Kapital soll in den Ausbau der Plattform sowie in das Wachstum des Teams fließen.

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