Hajo Stotz

Schutzbrille ab, 3D-Brille auf

„Ich kann‘s nicht mehr hören“ – das Thema kommt manchem Leser zu den Ohren raus, wie kürzlich einer am Telefon formulierte: Industrie 4.0. Doch im Gegensatz zu den 90er Jahren, als CIM erst zu Cimsalabim gepusht wurde, um dann umso tiefer in der Versenkung zu verschwinden, entstehen bei der Smart Factory Lösungen, deren Einsparpotentiale erheblich sind und die auch für die breite Masse an Firmen umsetzbar ist.

Hajo Stotz, Chefredakteur Industriemagazin SCOPE

Vor allem aber werden damit Automatisierung und Software zum wettbewerbsentscheidenden Faktor – und das kommt nun auch bei den Chefs langsam an. Dass die Maschine das Teil einige Sekunden schneller fräst oder stanzt, nützt nix, wenn jemand das falsche Werkzeug oder Material bestellt hatte.

Bei den Schnittstellen, einer Hürde, an der CIM scheiterte, kommen immer mehr Hersteller zu der Erkenntnis, dass Offenheit die Geschäfte belebt. So geht ihre Zeit bei den CAD/CAM-Systemen offenbar dem Ende zu: SolidWorks hat jüngst eine Version vorgestellt, die schnittstellenlos die 3D-Formate von Wettbewerbern einlesen und weiterverarbeiten kann.

Und auf der AMB, wo es in den Pressekonferenzen der Maschinenbauer und Werkzeughersteller bisher nur so brummte von Abtragsleistung, Fräswinkel, mü-Genauigkeit, Antriebsdrehmomenten etc., nahmen die Geschäftsführer nun auch Begriffe wie Big Data, Open Source und Cloud in den Mund – und verstanden, im Gegensatz zu CIM-Zeiten, offenbar auch, wovon sie sprachen. Noch sind es erste Pflänzchen, wie bei Mapal, die zusammen mit SAP eine E-Commerce-Plattform entwickelt haben, oder der Hoffmann Group, die eine Lösung vorstellten, die eine unternehmensübergreifende und industrieweite Vernetzung von Werkzeugen, Maschinen und Werkstoffen ermöglichen soll. Doch die Resonanz auf diese Themen und auch auf entsprechende Foren war enorm. Entsprechend spielt auch auf der kommenden Motek und Euroblech Industrie 4.0 eine große Rolle, wie wir auch in etlichen Beiträgen in dieser Ausgabe und online beschreiben.

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Alles gut also? Bei weitem nicht, es gibt noch große Herausforderungen: Schnittstellen und Datensicherheit zum Beispiel. Und bei den Bedieneroberflächen denken die Hersteller noch viel zu ingenieurmäßig. Beispielsweise tun sich Roboter noch immer furchtbar schwer, wenn es um variantenreiche Kleinserien geht – also dem typischen Produktionsspektrum von kleinen Firmen. Das Umprogrammieren ist viel zu aufwändig oder nur von Experten zu schaffen.

Es gibt also noch viel zu tun und viel zu berichten. Von dem Thema, lieber Leser, werden Sie noch lange hören. Versprochen.

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