Trinkwasseraufbereitung
Fünf Wasserwerke mit neuer Verfahrenstechnik ausgerüstet
Die Wasserwerke Westfalen GmbH hat die Modernisierung seiner Trinkwasseraufbereitung abgeschlossen. Mit zusätzlichen Prozessstufen wie Ozonung, Mehrschichtfiltration und Aktivkohleadsorption ergänzt das Unternehmen die naturnahe Wassergewinnung um technische Verfahren zur Entfernung mikrobiologischer und chemischer Belastungen.
Die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) hat die Ausstattung ihrer fünf Wasserwerke mit weitergehenden Aufbereitungsanlagen abgeschlossen. Den Abschluss bildet die Inbetriebnahme der Anlage im Wasserwerk Halingen. Damit verfügen nun alle Standorte über zusätzliche technische Prozessstufen, die über die klassische naturnahe Trinkwasseraufbereitung hinausgehen.
Ausgangspunkt für die Erweiterung war das Vorsorgeprinzip: Die bestehenden Verfahren zur Trinkwassergewinnung sollten um Technologien ergänzt werden, die auch auf bislang unbekannte oder künftig auftretende Belastungen reagieren können. Die erste „Weitergehende Aufbereitungsanlage“ (WAA) wurde vor zehn Jahren im Wasserwerk Echthausen in Betrieb genommen. Seitdem wurden die weiteren Standorte schrittweise nachgerüstet.
„Mit der Inbetriebnahme der WAA Halingen haben wir das Ende unseres Modernisierungsmarathons erfolgreich abgeschlossen. Nun stellen fünf hochmoderne Wasserwerke die Trinkwasserversorgung im Netzverbund mit Gelsenwasser und DEW21 sicher,“ so WWW-Geschäftsführer Bernd Heinz.
160 Millionen Euro für zusätzliche Verfahrenstechnik
Für die Erweiterung der Aufbereitungstechnik investierte Wasserwerke Westfalen gemeinsam mit den Gesellschaftern DEW21 und Gelsenwasser insgesamt 160 Mio. Euro. Rund 40 Mio. Euro entfielen auf das Wasserwerk Halingen.
Im Mittelpunkt der Investition standen zusätzliche Verfahrensstufen, mit denen verschiedene Stoffgruppen gezielt entfernt oder reduziert werden können. Dazu zählen unter anderem organische Spurenstoffe, schwer abbaubare Verbindungen sowie mikrobiologische Belastungen.
„Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für seinen Schutz. Durch diese Investition sind wir auf heute noch nicht bekannte, möglicherweise in Zukunft neu auftretende mikrobiologische oder chemische Belastungen vorbereitet“, erklärt Peter Flosbach, Geschäftsführer von DEW21.
Kombination verschiedener Aufbereitungsverfahren
Die erweiterten Anlagen kombinieren mehrere physikalische, chemische und biologische Prozesse. Zum Einsatz kommen Ozonung, Flockung, Mehrschichtfiltration und Adsorption an Kornaktivkohle.
Bei der Ozonung wird Ozon eingesetzt, um im Wasser gelöstes Eisen und Mangan zu oxidieren. Gleichzeitig werden persistente organische Verbindungen aufgebrochen, wodurch diese anschließend besser entfernt werden können.
In der anschließenden Flockung werden fein verteilte Stoffe durch Zugabe eines Flockungsmittels zu größeren Partikeln zusammengeführt. Diese sogenannten Flocken lassen sich in den nachfolgenden Filtrationsstufen effizienter abtrennen.
Die Mehrschichtfiltration erfolgt über biologisch aktive Schichten aus Anthrazitkohle und Quarzsand. Dabei werden Trübstoffe und Partikel abgeschieden, gleichzeitig können Bakterien sowie organische und anorganische Verbindungen reduziert werden.
Eine weitere Reinigungsstufe bildet die Adsorption an Kornaktivkohle. Diese bindet schwer biologisch abbaubare organische Stoffe und entfernt beispielsweise Pflanzenschutzmittel oder Medikamentenrückstände aus dem Wasser.
Umstellung auf chemikalienfreie Nachbereitung
Auch die Nachbereitung der Wasseraufbereitung wurde angepasst. Statt der bisherigen chemischen Entsäuerung mit Natronlauge setzt WWW künftig auf ein physikalisches Verfahren.
Dabei wird das Wasser mit feinperliger Luft durchsetzt. Das darin enthaltene Kohlendioxid wird ausgetrieben, wodurch sich der pH-Wert des Wassers bis zum Kalk-Kohlesäure-Gleichgewicht verändert.
Zusätzlich wurde die Desinfektion im Wasserwerk Halingen auf UV-Technik umgestellt. Die Bestrahlung mit UV-Licht deaktiviert eventuell verbliebene Mikroorganismen ohne Zugabe chemischer Desinfektionsmittel. Dadurch kann auf das bisher eingesetzte Chlordioxid verzichtet werden.
Infrastrukturprojekt mit langfristiger Perspektive
Die Erweiterung der Anlagen setzt die Vorgaben des Programms „Reine Ruhr“ des NRW-Umweltministeriums um. Ziel ist ein dauerhaft hoher Qualitätsstandard bei der Trinkwasseraufbereitung.
„Die Ruhr ist die wichtigste Trinkwasserressource in NRW. Mit der Umsetzung der erweiterten Aufbereitung sichern wir die Trinkwasserqualität für die nächste Generation. Ich bin froh, dass diese große, komplexe Investition im geplanten Budget umgesetzt wurde“, sagt Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider.
Die Modernisierung fällt in das 25-jährige Bestehen der Wasserwerke Westfalen GmbH. Bei der Gründung im Jahr 2001 war vorgesehen, die damals acht Wasserwerke auf fünf Standorte zu konzentrieren und Synergien im Verbund mit DEW21 und Gelsenwasser zu nutzen.
„Mit der Zusammenlegung der Wasserwerke von DEW21 und Gelsenwasser im Jahr 2001 konnte eine Fokussierung bei den Standorten erfolgen und die neuen Aufbereitungsanlagen somit im Verbund kosten-, kompetenz- und prozessoptimiert umgesetzt werden – eine echte Erfolgsgeschichte“, berichtet WWW-Geschäftsführerin Friederike Konold-Rüsel aus den Unternehmensanfängen.
Mit dem Abschluss der Arbeiten verfügt der Verbund nun über fünf modernisierte Wasserwerke, die klassische naturnahe Aufbereitung mit zusätzlichen technischen Reinigungsstufen kombinieren.









