Wasser wird zum Produktionsfaktor
Niedrigwasser-Informationssystem soll Unternehmen bei Produktions- und Logistikplanung unterstützen
Niedrigwasser ist längst nicht mehr nur ein Thema für Wasserwirtschaft und Umweltbehörden. Sinkende Pegelstände können Lieferketten unterbrechen, die Binnenschifffahrt einschränken und die Versorgung von Industrieunternehmen mit Rohstoffen, Prozess- und Kühlwasser erschweren. Für produzierende Unternehmen wird die Verfügbarkeit von Wasser damit zunehmend zu einem Standort- und Produktionsfaktor. Am 15. Juli hat die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) das bundesweite Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS freigeschaltet. Die Plattform bündelt erstmals hydrologische Daten aus ganz Deutschland und schafft eine einheitliche Informationsgrundlage für Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Ziel ist es, Wasserknappheit frühzeitig sichtbar zu machen und Entscheidungen auf eine belastbare Datengrundlage zu stützen.
Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte zur Vorstellung des Systems: „Der Klimawandel setzt unsere Wasserressourcen immer stärker unter Druck. Niedrige Pegelstände in Flüssen und im Grundwasser sowie ausgetrocknete Böden sind längst keine Ausnahme mehr. Deshalb müssen wir Wasserknappheit früher erkennen und besser vorsorgen.“ Die bundesweite Informationsgrundlage solle Ländern, Kommunen und der Wasserwirtschaft helfen, „rechtzeitig handeln“ zu können. Gleichzeitig nennt das Ministerium ausdrücklich auch die Wirtschaft als Zielgruppe von NIWIS.
Einheitliche Datengrundlage für das Risikomanagement
Bislang waren Informationen zur Niedrigwasserlage überwiegend regional verfügbar und wurden nach unterschiedlichen methodischen Ansätzen aufbereitet. Das neue Niedrigwasser-Informationssystem schließt diese Lücke, indem die Plattform Wasserstände, Abflüsse, Grundwasserstände, Bodenfeuchte, Quellschüttungen und Niederschläge tagesaktuell zusammenführt und bundesweit einheitlich bewertet. Interaktive Karten, Messwerte und historische Vergleichsdaten ermöglichen eine schnelle Einordnung der aktuellen Situation.
„Mit NIWIS stellen wir ein bundesweites Informations- und Beratungstool bereit, das die Niedrigwasserlage in Flüssen, Grundwasser und Boden zusammenhängend im Blick behält“, erklärte BfG-Präsident Dirk Schwardmann. Damit lasse sich erstmals „einheitlich, überregional und fachlich objektiv einschätzen, wie sich Niedrigwasser auswirkt“.
Für Unternehmen mit mehreren Standorten oder überregionalen Lieferketten entsteht damit erstmals ein bundesweit vergleichbares Lagebild. Landesportale bleiben zwar die wichtigste Informationsquelle für regionale Detailanalysen, NIWIS ergänzt diese jedoch um eine übergreifende Betrachtung.
Bedeutung für Produktion und Lieferketten
Welche wirtschaftlichen Folgen Niedrigwasser haben kann, haben die vergangenen Trockenjahre bereits gezeigt. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums können niedrige Wasserstände dazu führen, dass Schiffe ihre Ladung deutlich reduzieren oder Wasserstraßen zeitweise nur eingeschränkt befahrbar sind. Gleichzeitig stehen Industrie und Kraftwerke regional weniger Kühlwasser zur Verfügung. Das Ministerium weist zudem darauf hin, dass Unternehmen unter unterbrochenen Lieferketten leiden können und die wirtschaftlichen Schäden erheblich sein können.
Insbesondere Unternehmen mit wasserintensiven Produktionsprozessen oder einer starken Abhängigkeit von der Binnenschifffahrt profitieren daher von einer möglichst frühen Einschätzung der hydrologischen Entwicklung. Ein bundesweit einheitliches Lagebild erleichtert es, Transportkapazitäten anzupassen, alternative Logistikwege zu prüfen oder Produktionsabläufe rechtzeitig auf veränderte Rahmenbedingungen auszurichten.
Offene Daten für eigene Anwendungen
Neben der Visualisierung stellt NIWIS die Daten auch über eine offene Programmierschnittstelle (API) bereit. Dadurch können Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen die Informationen in eigene Anwendungen integrieren oder für weitergehende Analysen nutzen. Die Plattform wurde im Rahmen der Nationalen Wasserstrategie gemeinsam mit den Ländern sowie dem Bundesverkehrsministerium entwickelt. Weitere Messstationen und zusätzliche Parameter sollen in den kommenden Jahren ergänzt werden.
Mit NIWIS steht der Industrie damit erstmals eine bundesweit einheitliche Informationsplattform zur Verfügung, die aktuelle Niedrigwasserentwicklungen transparent macht und eine fundierte Grundlage für Entscheidungen in Produktion, Logistik und Risikomanagement schafft.
Was ist NIWIS?
NIWIS steht für Niedrigwasser-Informationssystem und ist ein bundesweites Informationsportal der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Es stellt seit dem 15. Juli 2026 aktuelle hydrologische Daten und Bewertungen zur Niedrigwassersituation in Deutschland bereit.
Was bietet das Niedrigwasser-Informationssystem?
- Bundesweit einheitliches Lagebild zur Niedrigwassersituation
- Aktuelle Daten zu Wasserständen, Abflüssen, Grundwasserständen, Quellschüttungen und Niederschlagsverhältnissen
- Interaktive Karten und Messdaten mit tagesaktueller Aktualisierung
- Historische Vergleiche zur Einordnung aktueller Niedrigwasserereignisse
Einheitliche methodische Bewertung über Ländergrenzen hinweg
Offene Datenschnittstelle (API) für die Weiterverarbeitung in eigenen Anwendungen
Was sind die Zielgruppen für das Zielgruppen Niedrigwasser-Informationssystem?
- Behörden und Wasserwirtschaft
- Unternehmen und Infrastrukturbetreiber
- Schifffahrt und Logistik
- Wissenschaft
- Öffentlichkeit
Welcher Nutzen entsteht daraus für die Industrie?
Unternehmen erhalten eine belastbare Datengrundlage, um Risiken durch Wasserknappheit frühzeitig einzuschätzen – etwa für Produktionsplanung, Prozess- und Kühlwasserversorgung sowie Transport- und Lieferkettenmanagement.









