Digitaler Service

Andreas Mühlbauer,

Anlagenbau der Zukunft

Ein neuer, digitaler Service führt Techniker zielgerichtet durch die Produktion und ermöglicht eine effiziente und zeitsparende Wartung.

Ein neuer, digitaler Service führt Techniker zielgerichtet durch die Produktion und ermöglicht eine effiziente und zeitsparende Wartung. © Zeta

Anlagenbau ist komplex und besonders anspruchsvoll im Bereich Biotech und Pharma, wie zum Beispiel bei der Impfstoffherstellung. Denn die Produktion in diesem Bereich muss strengen Standards entsprechen und immer gleichbleibend hohe Qualität liefern. Produktionsabläufe müssen stets streng überwacht, Daten regelmäßig ausgewertet und Maschinen gewartet werden. Die Zeta Group ist auf das Design, den Bau, die Automatisierung, die Digitalisierung und die Qualifizierung kundenspezifischer biopharmazeutischer Anlagen für aseptische Prozesslösungen spezialisiert. Dabei bietet Zeta neben dem Anlagenengineering auch die Planung der HVAC-, Reinraum- und Gebäudetechnik.

Eine Schwachstelle bei vielen Kunden sind ineffiziente Wartungsprozesse durch mangelnde Anlagenkenntnisse und fehlerhafte Informationsquellen. Um dafür eine Lösung zu entwickeln, entschied sich Zeta, gemeinsam mit Bitrock Digital Partners an einem digitalen Zwilling zu arbeiten, der die Effizienz des Wartungsprozesses deutlich steigert. Das Unternehmen aus München entwickelt gemeinsam mit seinen Kunden innovative Geschäftsmodelle, die signifikante Umsatzpotenziale schaffen und dadurch den Weg in die Zukunft ebnen.

Wartung 4.0 – vom Tool zum Geschäftsmodell

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Die Entwicklung von pharmazeutischen Produkten umfasst zahlreiche Planungsschritte. Mit jedem Projektfortschritt steigt das Volumen digitaler Planungsdaten. Mit seinen „Smart Engineering Services“ liefert Zeta den digitalen Zwilling der Prozessanlage. Das Unternehmen verfügt über langjährige Erfahrung im Management pharmazeutischer Großprojekte und hat eine umfangreiche Digitalisierungsstrategie entwickelt, die einen Mehrwert für Kunden, Anlagenbetreiber und Projektlieferanten generiert. Ein zentraler Baustein ist ein digitales Wartungstool, der „Smart Maintenance Navigator“ (SMN), der Wartungsprozesse übersichtlich auf mobilen Endgeräten wie Tablets, Smartphones oder Wearables ermöglicht.

Durch neue Technologien, Abläufe und Organisationsstrukturen lassen sich bisher unbekannte Schwachstellen und Abnutzungsformen identifizieren. Diesen lässt sich nur mit einer Instandhaltung begegnen, die von Beginn an über Eigenschaften wie Vernetzung, Dezentralisierung und Intelligenz verfügt und dadurch einen unmittelbaren Einfluss auf die Erfolgsfaktoren Zeit, Kosten und Qualität eines Produk- tionssystems aufweist. Zu Beginn stand der SMN vor allem für den internen Gebrauch der Zeta-Mitarbeiter zur Verfügung. Jedoch wurde schnell deutlich, dass auch auf Kundenseite Bedarf nach verbesserter Wartung besteht.

Der SMN stellt die wartungsrelevanten Daten des digitalen Zwillings für die Anwender im Kontext ihrer Arbeitsaufgaben zu Verfügung. Das System gewährleistet einen effizienten und digitalisierten Wartungsprozess und unterstützt Unternehmen dabei, eine gleichbleibende Produktqualität und minimale Ausfallzeiten zu erzielen. Für den Feinschliff des Tools und zur Entwicklung eines Geschäftsmodells basierend hat Zeta die Expertise von Bitrock Digital Partners genutzt.

Der neue Service führt Wartungstechniker übersichtlich und zielgerichtet durch die Anlage, um Instandhaltungstätigkeiten effizient durchführen zu können. Im 2D- und 3D-Modell wird die Wartungsumgebung identifiziert, das Equipment hervorgehoben und die Arbeitsschritte beschrieben. Daten zu Ersatzteilen oder benötigtes Werkzeug für Montagetätigkeiten wird aus den digital hinterlegten Handbüchern am Mobilgerät ausgelesen. Im Gegensatz zu Papierdokumenten oder PC-basierten Systemen ist der Smart Maintenance Navigator flexibel einsetzbar, läuft auf dem mitgeführten Mobilgerät und ist immer auf dem aktuellen Stand der Anlage.

In einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK und der IT-Beratung MSG gaben 85 % der befragten Unternehmen an, bereits Konzepte für den digitalen Zwilling entwickelt zu haben. Jedoch verfügen lediglich 54 % über eine durchgängige Strategie dafür. Deshalb hat sich Zeta das Ziel gesetzt, ein Geschäftsmodell und Produktkonzept für den SMN zu entwickeln – gemeinsam mit Bitrock. Martin Mayer, Head of Business Development von Zeta, sagt: „Mit Bitrock Digital Partners haben wir es geschafft, basierend auf unseren internen Assets und Know-how schnell und effizient neue digitale Umsatzkanäle mit signifikantem Mehrwert zu identifizieren.“

Zur Erarbeitung eines digitalen Geschäftsmodells führte Bitrock zuerst interne Gespräche mit Zeta zum Verständnis des Anlagenlebenszyklus und möglicher Anwendungsbereiche des SMN. Außerdem wurde der Markt analysiert und anschließend Kunden segmentiert. Ein weiterer wichtiger Teil waren Kundengespräche mit verschiedenen Ansprechpartnern zur Ermittlung des Bedarfs verschiedener Produktversionen und Geschäftsmodelle.

Neue digitale Umsatzkanäle identifizieren

Aus diesen Gesprächen und der Marktanalyse ließen sich verschiedene Kernaussagen ableiten. Zentrale Erkenntnis: Der Markt und Bedarf an einem digitalen Wartungstool seitens der Zeta-Kunden ist da. Voraussetzung für den Erfolg eines digitalen Wartungstools ist die Kombination einer benutzerorientierten Softwarelösung in Kombination mit wartungsrelevanten Daten. Jede Produktionsanlage ist unterschiedlich und bringt somit spezielle Anforderungen mit sich. Basierend auf den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen und Anforderungen der Anlagen wurden drei verschiedene Produktversionen mit unterschiedlichen Preismodellen entwickelt. Bei den Befragungen wurde außerdem deutlich, dass eine der größten Herausforderungen bei den Kunden die technische ERP-Integration zu sein scheint. Neben verschiedenen Produktversionen erstellte Bitrock außerdem einen Business Case für die nächsten 5 Jahre.

Nach vier Monaten wurde das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Die nächsten Schritte bestehen darin, die verschiedenen Produktversionen hin zur Marktreife und in Richtung Vollintegration zu führen. Dazu bedarf es einer Pilotierungsphase zur Konkretisierung der jeweiligen Bedürfnisse inklusive Anpassung des SMN, der Ausarbeitung der Markteintrittsstrategie und der weiteren Ausarbeitung des Betriebsmodells sowie der Definition von Nutzverträgen. Mit dem Smart Maintenance Navigator ist eine Nutzung des digitalen Zwillings entstanden, die die Wartung im Anlagenbau stark vereinfacht und damit für die Industrie einen großen Mehrwert bietet.

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