Industrieallianzen

Daniel Schilling,

Was Kooperationen und gemeinsame Standards bringen

Ohne gemeinsame Standards gibt es keine Vernetzung. Bei Kuka betreut Dr. Christian Liedtke als Head of Strategic Alliances diese besondere Form der Zusammenarbeit. Mit Daniel Schilling sprach er über Partner, Standards und warum Kooperation Wettbewerb nicht ausschließt.

Dr. Christian Liedtke verantwortet bei Kuka die Zusammenarbeit mit Strategischen Allianzen. © Kuka

Herr Liedtke, Sie sind bei Kuka für die strategischen Allianzen verantwortlich: warum Allianzen eingehen statt einfach Know-how zukaufen oder eigene Standards entwickeln?

Die praktische Erfahrung zeigt, dass Kooperation der beste Weg ist. Es hat viele Ansätze von Unternehmen für proprietäre Vernetzungsplattformen gegeben, die aber alle am Ende gescheitert sind. Mit der einen signifikanten Ausnahme Siemens Mindsphere. Es reicht nicht, nur einzelne Prozessschritte zu vernetzen. Entscheidend ist die gesamte Prozesskette von Anfang bis Ende. In diese Richtung muss ein Umdenken erfolgen.

Welchen Nutzen bringt das am Ende dem Kunden?

Es hat noch kein Kunde Allianzen gefordert. Kunden fordern teilweise recht wenig in Hinblick auf digitale Vernetzung, aber im Rückblick haben wir dann ein sehr positives Feedback bekommen.

Wen sucht Kuka als Kooperationspartner?

Wir arbeiten in Projekten wie der Open Industry 4.0 Alliance sowohl mit Wettbewerbern als auch mit Unternehmen zusammen, die unsere eigenen Fähigkeiten ergänzen.

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Was ist Ihre eigene Rolle in diesem Zusammenhang?

Ich verantworte das Thema Kooperationen seit fünf Jahren bei Kuka. Ich komme aus der betrieblichen Praxis und kümmere mich nun sowohl darum, dass Informationen in die gemeinsamen Projekte fließen, als auch um den Rückfluss von Know-how in unsere eigenen Projekte. Eine wichtige Aufgabe ist für mich aber auch, die Kooperationsprojekte selbst voranzubringen.

Geben Sie doch einmal ein Beispiel für ein Projekt!

Gerne. Im Rahmen der Open Industry 4.0 Alliance, die ich schon erwähnt hatte und in der wir sehr stark engagiert sind, haben wir mit mehreren anderen Teilnehmern einen Proof of Concept durchgeführt. Dabei hat als Forschungspartner das Team der Universität Aalborg exemplarisch einen Kuka-Roboter über eine Edge-Schnittstelle des Münchner IoT-Spezialisten Device Insight an eine Microsoft-Azure-Cloud der Lego Gruppe angeschlossen. Dabei kam die offene Referenzarchitektur der Allianz zum Einsatz. Dieses Projekt führen wir aktuell weiter und vertiefen es speziell in Hinblick auf den industriellen Einsatz.

Die Open Industry 4.0 Alliance ist derzeit die wichtigste Allianz für Kuka? In welchen Kooperationen arbeiten Sie sonst noch mit?

Die Frage ist nicht ganz richtig gestellt: Open Industry baut ja auf OPC UA als Grundlage einer Open-Sources-Plattform auf und nutzt diesen Standard. Beide Allianzen sind komplementär; das spiegelt sich auch in den Gründungsmitgliedern wider. Viele, die schon bei der OPC-Foundation mit dabei waren, sind auch hier mit an Bord. Kuka arbeitet daneben auch bei Mindsphere mit. Unterm Strich sehen wir die gleichen Partner in verschiedenen Allianzen wieder.

Ich habe den Eindruck, dass die Open Industry 4.0 Alliance stark auf Deutschland ausgerichtet ist?

In der Tat kommen im Augenblick die meisten Mitglieder aus Deutschland. Das ist aber nicht unsere Intention. Wir sind weltweit offen und suchen weltweit nach interessanten Kooperationspartnern. Wir konnten zum Beispiel mehrere interessante Start-ups aus Israel für die Allianz gewinnen. Auch die Benelux-Länder bearbeiten wir aktiv. Hier gibt es inzwischen einen sehr regen lokalen Hub in den Niederlanden; an Dänemark sind wir ebenfalls aktiv dran und nächstes Jahr wollen wir auch einen Hub in den USA initiieren. Mit Asien und Ozeanien hatten wir teilweise ganz praktische Probleme: Aufgrund der Zeitverschiebung waren gemeinsame Termine schwierig. Es fehlt auch eine lokale Organisation. Grundsätzlich haben aber deutsche Standards eine hohe Akzeptanz auf den asiatischen Märkten.

Kuka hat eine chinesische Mutterorganisation – hilft das nicht?

Nein, das spielt nur eine geringe Rolle. Kuka ist nur ein Baustein der Allianz.

Bei welchen Themen gibt es die größten Übereinstimmungen unter den Mitgliedern und wo muss am meisten verhandelt werden?

Eine Diskussionslinie verläuft grob gesagt zwischen Softwarefirmen, die stark auf die Cloud setzen und Maschinenbauern, die mehr auf die Edge setzen. Da wird dann über die Gewichtung diskutiert. Wichtig ist, in solche Diskussionen auch die Kundenperspektive reinzubringen.

Standardisierung oder Individuelle Lösungen – welcher Weg ist für welche Herausforderung am besten?

Grundsätzlich gilt, dass die Produkte wie gehabt in den Unternehmen entwickelt werden; auch im Wettbewerb untereinander. Die Allianzen nehmen dabei verschiedene Aufgaben wahr. Sie sind zum einen die Schnittstellen, an denen über eine mögliche Zusammenarbeit von Mitgliedern bei einem Entwicklungsprojekt verhandelt wird. Sie sind zum zweiten dann besonders wertvoll, wenn es um Lösungen für Spezialmärkte geht wie zum Beispiel im Lebensmittelbereich. Schließlich spielen sie auch noch eine wichtige Rolle dabei, den Marktzugang zu erleichtern.

Welche Rolle spielt die Sicherheit bei der Vernetzung gerade in Hinblick auf die aktuellen politischen Ereignisse?

Insgesamt sehen wir bislang wenig Reaktionen auf die aktuelle politische Situation. Die Bedrohung der IT-Integrität war schon lange vorher vorhanden, darum arbeiten eigentlich alle Unternehmen bereits auf der höchsten Sicherheitsstufe bei der Vernetzung. Hinzu kommt, dass die Roboter nicht direkt mit dem Internet verbunden sind. Der Shopfloor wird gekapselt, um die Anlagen gegen externe Angriffe zu schützen.

Und wie reagieren die Allianzen auf das Thema?

Wir haben in der Open Industry 4.0 Alliance eine eigene Arbeitsgruppe, die sich dem Thema Security widmet.

Können Sie zum Abschluss noch ein paar aktuelle Beispiele nennen, an denen Kuka derzeit mit Allianzpartnern arbeitet?

Wir arbeiten zum Beispiel mit SAP bei zwei Projekten zusammen: Zum einen geht es um ein Kundenprojekt, das wir bei uns in Augsburg entwickeln. Eine Fertigungszelle für einen Kunden, der Shopfloor und ERP integrieren möchte. Den Digitalen Zwilling haben wir mit Hilfe von SAP umgesetzt. SAP ist aber auch unser Partner bei einem neuen Thema: Outcome-based business beziehungsweise Pay-per-use. Es gibt aber auch kleinere Projekte, bei denen wir kooperieren. Mit Balluff arbeiten wir zum Beispiel im Rahmen der „Arena 2036“ zusammen, dem „Active Research Environment for the Next generation of Automobiles“. Zusammengefasst kann man sagen, dass Allianzen ein wichtiger Baustein in Kukas Entwicklungsprozessen sind.

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