Gebrauchtmarkt für Roboter

Andreas Mühlbauer,

Automatisierung aus zweiter Hand

Roboter nehmen den menschlichen Kollegen klaglos monotone und schweißtreibende Arbeit ab. Nur was passiert, wenn sich Aufgaben verändern oder die Ansprüche an die Leistung höher werden? Dann landen die Automatisierungshelfer oft auf dem Gebrauchtmarkt – sehr zur Freude von Käufern mit kleinerem Geldbeutel oder dringendem Bedarf.

Kuka bietet gebrauchte Roboter in drei Kategorien an. © Kuka

Es soll ein neues Auto sein. Weniger Verbrauch, vielleicht sogar ein E-Auto. Aber der alte Wagen ist eigentlich noch ganz gut in Schuss, für die Schrottpresse also viel zu gut. In solchen Fällen gibt es eine gute Lösung: weiterverkaufen. Einegängige Praxis weltweit. Der Vorteil liegt auf der Hand: Kunden mit kleinem Budget finden schnell und einfach ein Fahrzeug.

Ganz ähnlich gestaltet sich der Zweitmarkt für Roboter, der in gewissen Teilen sehr stark dem Markt für gebrauchte Autos ähnelt. Auch hier verändern sich ständig die Anforderungen der Nutzer und damit die Einsatzmöglichkeiten der automatischen Helfer. Die steigenden Anforderungen an Qualität und Geschwindigkeit in der Produktion erfordern zudem bei vielen Unternehmen regelmäßige Updates der Hardware. Die Folge ist ein wachsender Markt für gebrauchte Roboter, da diese in der Regel noch lange nicht das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben und sich durchaus noch für verschiedene Einsatzbereiche gewinnbringend einsetzen lassen.

Deutschland ist in Sachen Industrieroboter ein Big Player. Das Land ist in der Europäischen Union mit rund 221.500 Industrierobotern die am stärksten automatisierte Volkswirtschaft. Folglich stehen in den Fabriken der deutschen Wirtschaft rund dreimal so viele Industrieroboter wie beispielsweise in Italien, etwa fünfmal so viele wie in Frankreich und gut zehnmal so viele wie in Großbritannien. Das belegen die Zahlen, die die International Federation of Robotics (IFR) im September 2020 veröffentlichte. In Deutschland wurden demnach allein im Jahr 2019 knapp 20.500 neue Einheiten aufgestellt. Aber auch weltweit ist die Nachfrage nach neuen Industrie-Robotern hoch. In China lieferten die Hersteller 2019 mehr als 140.000 neue Roboter aus, in den USA rund 33.000.

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Boom für den Zweitmarkt

Dadurch wächst auch der Gebrauchtroboter-Markt. „Der jährliche Umsatz bei gebrauchten Robotern liegt bei rund 500 Millionen Euro, 2016 waren es noch 300 Millionen“, sagt Roberto Rostri vom Automatisierungsspezialisten Kuka. Rostri ist Experte für den Bereich „Used Robots“ und kennt den Markt daher genau. Im Prinzip gelte beim Kauf von Robotern dasselbe Prinzip wie beim Kauf eines Gebrauchtwagens: „Es gibt viele Anbieter, aber nicht überall bekommt man das, was man eigentlich haben möchte“, sagt Rostri.

Während die einen Händler gebrauchte Roboter nur optisch aufhübschen, unterziehen andere die Maschinen einem intensiven Check. „Man sollte wissen, wo man kauft und was man bekommt“, sagt Rostri. Bei Kuka etwa werden alle Roboter auf Herz und Nieren geprüft, repariert und neu angestrichen sowie gegebenenfalls instandgesetzt und mit voller Garantie an die Käufer weitergegeben. „Die meisten unserer gebrauchten Roboter haben zudem nur wenige Betriebsstunden hinter sich. Viele sind Vorführmodelle, Ausstellungsstücke von Messen oder wurden als Muster bei Kunden aufgebaut, um den Betrieb in größeren Produktionslinien zu testen“, erklärt Rostri. Daneben tauschen viele Kunden ältere Modelle einfach gegen die neueren Nachfolger aus.

Vor dem Verkauf prüft Kuka alle Roboter und ihre Komponenten eingehend. © Kuka

Seinen gebrauchten Roboter direkt an den Hersteller zurück zu verkaufen, hat einige Vorteile: Zum einen ist er Spezialist auf seinem Gebiet und kann daher sowohl Zustand als auch Leistungsfähigkeit am besten beurteilen. „Zum anderen sind wir in der Regel als Lieferant bei den Unternehmen gelistet und haben daher Zugang zu den Werkshallen, kennen uns vor Ort aus und können die Altgeräte daher schnell und effizient abbauen“, sagt Rostri. „Große Unternehmen, etwa aus der Automobilbranche, ersetzen oft ganze Produktionslinien mit zig Robotern. Das kann für kleinere Verwerter durchaus ein logistisches Problem sein – für uns gehört das zum Tagesgeschäft.“

Auch das Thema Bezahlung sei nicht zu unterschätzen: In der Regel gibt es für die gebrauchten Roboter ja noch keinen neuen Käufer, der Kunde erwartet aber zu Recht sofort eine Ablöse für die Maschinen. Für ein großes Unternehmen sind diese Zahlungen deutlich einfacher zu stemmen als für einen privaten Anbieter.

Für die Käufer hingegen kann ein gebrauchter Roboter eine interessante Alternative zum Neukauf sein. So können etwa kleinere Betriebe, die sich an das Thema Automatisierung wagen wollen, die Kosten niedrig halten, wenn sie sich für einen gebrauchten Roboter vom Hersteller entscheiden. Eine Investition, die sich lohnen kann. In der Regel senken Roboter die Personalkosten, da sie zeitraubende, einfache Aufgaben übernehmen und damit dem Fachpersonal mehr Freiraum für wertschöpfende Tätigkeiten geben – vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels ein wesentlicher Aspekt. Allein durch den demografischen Wandel werden bis 2035 rund 35 Prozent weniger Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Gleichzeitig liefern die Maschinen dauerhaft reproduzierbare Qualität und sind in der Lage, Kundenwünsche auch bei kleinen Stückzahlen kostensensibel zu realisieren.

Schnelle Hilfe bei zeitkritischem Bedarf

Neben der günstigeren Anschaffung haben gebrauchte Roboter noch einen weiteren Vorteil: die sofortige Verfügbarkeit. Während ein fabrikneues Modell oft mehrere Wochen Lieferzeit benötigt, stehen gebrauchte Maschinen in der Regel sofort zur Verfügung. Vor allem in zeitkritischen Prozessen kann das für Integratoren ein entscheidendes Argument sein. Abstriche bei der Leistungsfähigkeit müssen Käufer dabei nicht machen. Bei Kuka etwa gibt es gebrauchte Roboter in drei Kategorien: Superior, Premium und Certified. Letztere sind gebrauchte Roboter, die generalüberholt worden sind. Premium-Geräte sind komplett überarbeitete Roboter, die passgenau für ihre neue Aufgabe eingerichtet werden. Bei Superior handelt es sich um ehemalige Ausstellungsgeräte, die auf dem Papier fabrikneu sind.

„Roboter haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 18 Jahren. Wir verkaufen daher auch schon einmal ein 15 Jahre altes Modell“, sagt Roberto Rostri. Dahinter stehe auch der Nachhaltigkeitsgedanke. So sind Roboter, die etwa in der Automobilbranche jahrelang hochpräzise Arbeit geleistet haben, nach einer bestimmten Laufzeit nicht mehr für sensible Bereiche geeignet. In Branchen mit geringeren Anforderungen sind sie aber durchaus noch voll einsatzfähig. Statt also ein neues Gerät zu kaufen, das förmlich überqualifiziert ist für die Aufgabe, lohnt sich dann unter Umständen der Kauf eines gebrauchten Roboters. Die Qualität dieser gebrauchten Geräte ist sehr hoch. Das liegt auch daran, dass Kuka eine weltweite Garantie für Ersatzteile und den Service anbietet.
Sebastian Schuster, Global PR & Content Manager, Kuka Deutschland / am

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