Hummel-Leitung im Interview

„Die hohe Fertigungstiefe macht uns flexibel“

Was unterscheidet eine familiengeführte von einer herkömmlichen Aktiengesellschaft? Und wieso ist eine große Fertigungstiefe ein Vorteil? Im Gespräch mit SCOPE-Redakteur Johannes Gillar geben CEO Holger Hummel (links im Bild) und Ralf Schuler, Vorstand Vertrieb & Marketing der Hummel AG, Einblicke in die Unternehmens- und Marktphilosophie des Unternehmens.

Holger Hummel (links im Bild) und Ralf Schuler, Vorstand Vertrieb & Marketing der Hummel AG, geben Einblicke in die Unternehmens- und Marktphilosophie des Unternehmens.

SCOPE: Welche Trends sieht Hummel im Bereich der Elektrotechnik/Elektronik?

Ralf Schuler: Da gibt es einige. Es gibt etwa einen klaren Trend zur Miniaturisierung. Ein Beispiel dafür sind Stecksysteme im Bereich Antriebstechnik. Wo früher zum Beispiel M 23-Stecker zum Einsatz kamen, verwendet man heute M 16 Steckverbinder. Das zeigt, Produkte werden kleiner und kompakter, aber sie müssen handhabbar bleiben. Denn beim Konfektionieren eines Steckers macht es wenig Sinn, wenn die Leitung einen größeren Querschnitt als das Gehäuse des Steckers hat.

Im Zusammenhang mit der Integration der Systeme erkennen wir einen weiteren Trend hin zu höheren Datenübertragungsraten. In diesem Umfeld haben wir schon früh einen Profinet-Stecker mit bis zu 1 Gbit pro Sekunde auf den Markt gebracht. Das ist für Hummel und die Branche ein Zukunftsthema.

Hinsichtlich der Elektrotechnik sieht Hummel einen dritten Trend hin zu hybriden Systemen. Hybride Systeme, das heißt für uns, dass man nicht nur Leistung, Signale und Daten überträgt, sondern auch andere Medien. Da gibt es schon diverse realisierte Projekte in Richtung Druckluft. Hintergrund ist, dass man nicht verschiedene Leitungen ziehen und Stecker montieren will, sondern das Ganze soll in einem System integriert werden.

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SCOPE: Hummel spricht in Bezug auf Trends von Industrietauglichkeit – was verstehen Sie darunter?

Holger Hummel: Ein gutes Beispiel für Industrietauglichkeit ist unser Heißkanalregler Temp-Star. Industrietauglich heißt, die speziellen Anforderungen des Industriekunden an Produkt und Qualität Dabei ist zu beachten, dass an der Maschine in der Fabrikhalle andere Bedingungen herrschen als an einer Maschine draußen im Freien. Bei Temp-Star geht es um Robustheit und Langlebigkeit. Das ist nicht vergleichbar mit einem PC oder Laptop im Consumer Bereich. Die Produktlebenszyklen in Industriebetrieben sind um ein Vielfaches höher. Daraus resultieren die besonderen Anforderungen an Industrietauglichkeit.

SCOPE: Welche Neuentwicklungen haben Sie bezüglich der verschiedenen Trends zu bieten und was bringen diese dem Kunden?

Schuler: Wir bauen unsere Produktpalette sukzessive entsprechend unseren Zielmärkten aus. Bei der Messe „Embedded World“ im Frühjahr präsentierten wir Touch-Technologie für den Outdoor- und Industriebereich. Dabei geht es um mechanische Robustheit und Beständigkeit gegen unterschiedliche Einflüsse. Wir bieten hierfür Lösungsansätze für unsere Kunden, denn unsere Systeme erfüllen Dichtigkeitsklassen von IP67/IP69K und werden auf Wunsch auch mit UL- und EX-Zulassungen angeboten.

Eine wichtige Rolle bezüglich der Outdoorfähigkeit spielt auch das sogenannte Optical Bonding. Dabei geht es um das optische Verkleben zwischen Coverglas und Sensor, aber auch zwischen Sensor und Display. Das ist nicht einfach. Ein Smartphone etwa, hat nur eine kleine Oberfläche und ist deshalb relativ einfach zu verkleben. Je größer aber die Oberfläche wird, desto schwieriger wird das Bonding.

SCOPE: Hummel hat eine große Fertigungstiefe. Welche Vorteile haben Sie und Ihre Kunden davon?

Schuler: Wir haben dadurch sicherlich viele Vorteile, aber es ist manchmal auch eine Herausforderung. So müssen wir viele Disziplinen beherrschen und die Investitionsanforderungen sind hoch. Wir betreiben einen entsprechenden Maschinen- und Anlagenpark, den wir immer wieder erneuern und anpassen. Auf der anderen Seite können wir dadurch sehr flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Wir bieten ja nicht nur ein Produkt an, sondern die Lösungen bestehen aus vielen verschiedenen Komponenten Die Fertigungstiefe ermöglicht uns, sehr schnell zu sein. Dadurch haben wir auch Wettbewerbsvorteile.

Hummel: Wir sind schneller, flexibler und können einige Dinge realisieren, die andere nicht realisieren können. Das liegt einfach daran, dass uns in Sachen Kundenorientierung dank unserer hohen Fertigungstiefe keine Grenzen gesetzt sind.

SCOPE: Wie wichtig ist das internationale Geschäft für Sie; welche Märkte sind die wichtigsten?

Schuler: Es gibt für uns zwei wichtige Gründe, weshalb wir Globalisierung anstreben. Einmal ist Wachstum in einer globalen Welt viel besser umzusetzen, als in regionalen Märkten. Daher haben wir sehr früh weltweit Niederlassungen gegründet. Der zweite Grund ist, dass sich Instabilitäten in manchen Regionen oder Ländern wie derzeit in Russland dadurch besser ausgleichen lassen. Deshalb globalisieren wir. Das heißt nicht, dass wir das lokale Geschäft vernachlässigen, im Gegenteil, das ist ebenfalls sehr wichtig. Zu den wichtigsten Märkten gehört für uns China. In Südkorea haben wir vor 2 Jahren mit einer eigenen Niederlassung begonnen. In Indien haben wir ebenfalls eine Niederlassung inklusive Fertigung, ebenso in Russland. In Nordamerika arbeiten wir mit einem Partner zusammen und in Südamerika haben wir eine eigene Niederlassung in Brasilien. In Europa sind wir u.a. in Italien, Schweden, England, Frankreich und Polen vertreten.

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