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Artikel und Hintergründe zum Thema

20 Planstellen vorgesehen

Kaeser Kompressoren bildet verstärkt Nachwuchs aus dem Ausland aus

Seit September absolvieren drei junge Männer aus Spanien und Rumänien eine duale Ausbildung bei Kaeser Kompressoren. "Wir gehen damit den umgekehrten Weg", sagt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

Cosmin-Vasil Enutâ, Mohamed Layachi und Nabil Ammouzigh unterstützen sich gegenseitig in der Ausbildung.

„Es ist kalt hier“, sagen Mohamed Layachi und Nabil Ammouzigh (beide 25), „Es ist warm hier“, schmunzelt daraufhin Cosmin-Vasil Enutâ (19). So unterschiedlich die Aussagen sind, so viel haben die drei auf der anderen Seite gemeinsam. Mohamed und Nabil kommen aus Spanien, Cosmin aus Rumänien. Alle drei haben im September dieses Jahres eine Ausbildung Kaeser Kompressoren begonnen. Ohne vorher zu wissen, was sie erwartet, als sie ihr Land und ihre Heimat hinter sich gelassen haben. Alle drei stammen aus Ländern, in denen die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch ist. In Spanien liegt die Quote bei den unter 25-Jährigen bei über 50 Prozent, in Rumänien bei über 20 Prozent.

Ein weiter Weg bis ins oberfränkische Coburg und bis zu dem Druckluftspezialisten, der ihr Arbeitgeber geworden ist. Aber alle drei sind hochmotiviert bei der Sache. Als sie ankamen, sprach keiner von Ihnen auch nur ein Wort Deutsch. Inzwischen geht das bei Mohamed und Nabil schon ganz gut, Cosmin ist noch ein bisschen zurückhaltender. Zwei Mal die Woche steht am Abend Sprachunterricht auf dem Programm. Natürlich neben allen anderen Aufgaben, die die drei zu bewältigen haben.

Die beiden Spanier absolvieren eine Ausbildung zum Mechatroniker, die für sich genommen schon anspruchsvoll ist. Weil es mit der Sprache noch nicht ganz so gut klappt, hat Cosmin mit der Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführer begonnen und wird danach eine zweite Ausbildung als Industriemechaniker anschließen. Der Berufsschulunterricht und die betriebliche Ausbildung finden natürlich auf Deutsch statt, auch die benötigten Unterlagen und Bücher sind in deutscher Sprache, einschließlich aller notwendigen Fachbegriffe. „Wenn wir eine Aufgabe bekommen, heißt das immer erst mal Übersetzen“, sagt Mohamed und die anderen nicken zustimmend. Aber dem stellen sie sich gerne, denn die Begeisterung darüber, was sie hier tun, ist ihnen ebenfalls anzusehen. Nabil: „In Spanien ist die Ausbildung nur theoretisch und dauert auch nur ein Jahr, hier kann ich praktisch lernen und das viel fundierter“. Beide junge Spanier haben in ihrem Heimatland schon eine Ausbildung abgeschlossen und können daher gut vergleichen. Als zusätzlich Unterstützung hat ihnen Kaeser jeweils einen Mitarbeiter zur Seite gestellt, der ihre Sprache spricht und im Zweifelsfall dolmetscht. Aber generell kommen die jungen Männer auch nach den wenigen Wochen schon ganz gut klar.

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 Die Aussicht, dass sie auch nach Abschluss ihrer Ausbildung weiter beschäftigt werden, ist hervorragend und zwar sowohl in Coburg, als auch in ihrem jeweiligen Heimatland. Neben der sozialen Komponente ist der Wunsch nach gut ausgebildeten Fachkräften, die im In- und Ausland für das Unternehmen tätig sind, einer der Motivationsgründe, warum Kaeser Kompressoren die jungen Männer nach Deutschland geholt hat. „Kaeser unterhält Niederlassungen in vielen Ländern der Welt. Wir bieten Produkte mit sehr hoher Qualität und haben entsprechend einen sehr hohen Qualifikationsanspruch an unsere Mitarbeiter. Natürlich entscheidet sich mancher aus Deutschland für einige Jahre ins Ausland zu gehen, aber meist wollen sie nach einiger Zeit wieder zurück. Deswegen gehen wir nun den umgekehrten Weg. Wir bilden junge Menschen bei uns nach deutschen Standards aus und dann wartet in ihrem Heimatland große Chancen bei Kaeser auf sie“, erklärt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

Kaeser Kompressoren hat in Eigeninitiative nach den Jugendlichen gesucht. Die beiden Spanier wurden über die Agentur für Arbeit vermittelt, der Rumäne kam über Bavarianxperts, einer privaten Agentur zur Vermittlung von jungen Europäern, an Unternehmen. Alle drei absolvierten zunächst ein Praktikum, um zu prüfen, ob die Konstellation auch für beide Seiten passt. Dass es passt, war schnell klar. „Das war wirklich ein Glücksgriff“, ist Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf sehr zufrieden mit dem Nachwuchs. Nach den guten Erfahrungen will Kaeser Kompressoren im nächsten Jahre nun verstärkt Nachwuchs aus dem Ausland zu sich holen. Insgesamt sind zwanzig Planstellen vorgesehen, um besonderes Jugendlichen aus Ländern, in denen die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch ist, wie Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und Irland, eine Chance auf eine Ausbildung zu ermöglichen.

Nicht nur die ausländischen Auszubildenden profitieren von der Situation, auch diejenigen, die hier aus der Region kommen, ziehen daraus Vorteile. „Viele unser Neuanfänger waren überrascht und beeindruckt, welche Leistung ihre neuen Kollegen erbringen“, sagt Hopf. Das habe sie selbst motiviert, sich einzubringen, sich auszutauschen und das eigene Interesse daran, eine Sprache und etwas über eine andere Kultur zu lernen, geweckt.

Kaeser Kompressoren stellt jedes Jahr 80 neue Auszubildende ein. Bei einer durchschnittlichen Ausbildungsdauer von dreieinhalb Jahren sind das insgesamt rund 280 Auszubildende. Bezogen auf die Mitarbeiterzahl in Deutschland von rund 1900 (weltweit sind es über 4800) entspricht das einer Ausbildungsquote von rund 15 Prozent. Hinzu kommen noch duale Studenten.

Doch wie klappt denn nun das Leben in der fremden Kultur? „Schon ganz gut“, sind sich die drei einig, trotz der Temperaturunterschiede und des anderen Essens. Mit ihren neuen Kollegen haben sie sich schon ein bisschen die Stadt angeschaut, waren im Kino und am Abend unterwegs. Offenheit für das Neue haben sie alle drei mitgebracht doch Cosmin begeistert noch etwas anderes ganz besonders: Hier kann er in seiner Freizeit in einem Verein Fußball spielen. In Rumänien wäre das viel zu teuer. kf

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