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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kompressoren

Daniela Koehler / am,

Energieeffizient durch Wärmerückgewinnung

Kompressoren und die damit erzeugte Druckluft finden in der Industrie für vielerlei Anwendungen ihren Einsatz. Häufig vergessen wird allerdings, dass sich auch die Abwärme der Kompressoren nutzen lässt.

Druckluftstation mit Luftkanälen zur Wärmerückgewinnung. Über die Kanäle wird die warme Luft in benachbarte Räume geleitet. © Kaeser Kompressoren

Bis zu 96 % der Kompressor-Antriebsenergie stehen zur Wärmerückgewinnung bereit. Das spart Energie und Kosten und verkleinert den CO2-Fußabdruck.

Die komplette einem Kompressor zugeführte Antriebsenergie wird in Wärme umgewandelt. Für eine möglichst umfassende Rückgewinnung und weitere Nutzung dieser Energie sind luft- und fluidgekühlte Schraubenkompressoren hervorragend geeignet. Bei ihnen finden sich etwa 76 % der eingesetzten Energie als Wärme im Kühlfluid und werden diesem im Fluidkühler entzogen. Weitere 15 % dieser Energie lassen sich als Wärme über den Druckluftnachkühler zurückgewinnen. Bis zu 5 % gibt der Elektromotor an Wärme ab. Vollgekapselte Schraubenkompressoren ermöglichen es, selbst diesen Energieanteil mit gezielter Kühlung zurückzugewinnen. Damit stehen bis zu 96 % der ursprünglich zugeführten Antriebsenergie zur Zweitnutzung bereit. Nur rund 2 % gehen durch Wärmestrahlung verloren und weitere 2 % verbleiben als Wärme in der Druckluft.

Natürlich lässt sich die Wärme einfach ableiten. Allerdings gibt es noch weitere Möglichkeiten der Verwendung dieser ohnehin vorhandenen Energiequelle. Am einfachsten und effizientesten ist es, die vom Kompressor erwärmte Kühlluft direkt zu nutzen. Zum Beispiel als Heizluft für angrenzende Räume. Dabei leitet ein Luftkanalsystem die Warmluft aus der Druckluftstation in benachbarte Lager oder Werkstätten, anstatt sie nach draußen abzuführen. Besteht kein Heizluftbedarf, wird die erwärmte Abluft durch einfaches Umstellen einer Schwenkklappe oder Jalousie ins Freie geleitet. Eine thermostatisch geregelte Jalousiesteuerung erlaubt es, die Warmluft genau zu dosieren und konstante Temperaturen zu erreichen.

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Nahezu die komplette Energie, die zur Drucklufterzeugung aufgewendet wird, lässt sich zur Wärmerückgewinnung nutzen. © Kaeser Kompressoren

Investitionen schnell amortisiert

Neben der Voll- oder Zusatzheizung für Betriebsräume lässt sich die warme Abluft des Kompressors beispielsweise auch zum Unterstützen von Trocknungsprozessen, zum Aufbau von Warmluftschleusen oder zum Vorwärmen der Brennerluft von Heizanlagen einsetzen. Oft amortisieren sich die entsprechenden Investitionen schon innerhalb eines Jahres.

Zudem lässt sich die Kompressor-Abwärme auch in vorhandene Warmwasser-Heizsysteme und Brauchwasseranlagen einspeisen. Je nach vorgesehener Speicherkapazität lassen sich Wassertemperaturen von 70 °C und mehr erzeugen. Am kostengünstigsten geschieht dies mit einem Plattenwärmetauscher, der in den Kompressor integriert ist. Er wird an den Kühlfluid-Kreislauf des Kompressors angeschlossen und überträgt die Energie vom erwärmten Kühlfluid auf das zu erwärmende Wasser. Je nachdem, ob das Warmwasser bei sehr empfindlichen Produktions- und Reinigungsprozessen, als Dusch- und Waschwasser oder für Heizzwecke verwendet werden soll, kommen spezielle Sicherheitswärmetauscher oder übliche Plattenwärmetauscher zum Einsatz. So sind ohne zusätzlichen Energieaufwand etwa 70 bis 80 % der installierten Kompressorleistung wärmetechnisch nutzbar. Diese Variante der Wärmerückgewinnung ist auch mit primär wassergekühlten Schraubenkompressoren möglich. Generell ist der Einsatz von Methoden zur Wärmerückgewinnung sinnvoll, wenn die für die Drucklufterzeugung benötigten Kompressoren eine Leistung von mindestens 5,5 kW erbringen.

Den wirklichen Bedarf ermitteln

Vor der Installation einer Druckluftanlage empfiehlt sich die Durchführung eines sogenannten Druckluftaudits. Denn die wenigsten Betreiber kennen ihren genauen Druckluftbedarf. Bei diesem Audit, das sich mithilfe moderner Analysewerkzeuge wie der sogenannten ADA/KESS (Analyse der Druckluftauslastung/Kaeser Energiespar-System-Service) schnell und problemlos durchführen lässt, werden die genauen Bedarfsdaten eines Projektes ermittelt. Das webbasierte System transportiert nicht nur die Messdaten, sondern auch die Systemdaten der auditierten Station und stellt dem Betreiber schnell einen Bericht für eine erste Information zur Verfügung. Die Daten können dann zum Beispiel in das KESS-System übernommen werden. Damit werden Planungsschritte für den Betreiber der Druckluftstation ermittelt sowie die Investitionskosten und die möglichen Energieeinsparungen. Für den Fall einer komplett neuen Installation werden von vornherein optimale Lösungen angeboten. Unabhängige Vergleiche von verschiedenen Systemvarianten sind dabei möglich, um dann die wirtschaftlichste aussuchen zu können. Im Fall der Haustechnik empfiehlt es sich, gleichzeitig mit diesem Druckluftaudit auch ein Wärmeaudit durchzuführen, um parallel zum Luftverbrauch auch die Entwicklung des Wärmehaushalts zu ermitteln.

Dabei sollten neben den charakteristischen Daten für Druckluft auch die Daten für die Wärme abgefragt werden. Stehen diese fest, lässt sich ermitteln, wie viel Prozent der Kompressorenabwärme in den normalen Wärmebedarf des Projektes abgenommen werden kann. Daraus lässt sich errechnen, wie groß die Speicher sein müssen und wie hoch die Temperaturniveaus sind. Im optimalen Fall können 96 % eingesetzt werden.

Worauf man achten sollte

Mit der erwärmten Kühlluft des Kompressors lassen sich sich benachbarte Räume einfach und effektiv über Lüftungskanäle beheizen. © Kaeser Kompressoren

Bei der weiteren Planung oder Optimierung der Druckluftstation gibt es einige Punkte zu beachten. So sollten Kompressoren und Heizung sich nicht im gleichen Raum befinden, da sie für eine optimale Nutzung unterschiedliche Anforderungen an das Raumklima stellen und der Kompressor keine gefährlichen Beimengungen ansaugen darf. Der Raum der Kompressoren sollte gut belüftet sein, der Heizungsraum jedoch nicht. Ideal sind zwei voneinander getrennte Räume, die aber nebeneinander angeordnet sind, um den Weg zwischen Kompressoren und Heizung so kurz wie möglich zu halten. Auch wenn die beiden Anlagen getrennt voneinander platziert werden, lässt sich die Wärme der Kompressoren zur Erwärmung der Brenneransaugluft der Heizung einsetzen.

Da in den seltensten Fällen die Menge der anfallenden Wärme und der Wärmeverbrauch gleich dimensioniert sind, ist es ebenfalls wichtig, für ausreichend große Wärmespeichermöglichkeiten zu sorgen, damit die optimale Versorgung auch dann gewährleistet ist, wenn Erzeugung und Verbrauch temporär nicht gleich groß ausfallen.

Luft- oder wassergekühlte Kompressoren?

Steht die Auslegung fest, gilt es, die richtigen Kompressoren zu wählen. Generell gibt es zwei unterschiedliche Kühlverfahren: Luftkühlung und Wasserkühlung. Bei der ersten Variante leiten, wie beschrieben, Luftkanäle mit thermostatisch gesteuerten Klappen die warme Abluft von den Kompressoren zum Beispiel zum Heizen direkt in benachbarte Betriebsräume. Um hierbei die Verluste zu minimieren, sollte der Weg der Abluft vom Kompressor zum Einsatzort nicht zu weit sein.

Heute stehen Schraubenkompressoren mit bis zu 315 kW luftgekühlt zur Verfügung. Auch wenn sie nicht ganzjährig genutzt werden kann, lohnt sich diese Art der Wärmerückgewinnung. Die Investition für die Rückgewinnung mit Warmluftführung ist relativ niedrig und amortisiert sich in der Regel schon innerhalb eines Jahres. Anlagen, die zusätzlich mit Wasserwärmerückgewinnung ausgestattet sind, können ganzjährig Wasser liefern, das Temperaturen von bis zu 70 °C hat – oder auch mehr. Da dies dann Einfluss auf den Leistungsbedarf der Kompressoren hat, sollte eine solche Nutzung vorher allerdings auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Bei wassergekühlten Kompressoren spielen die bauseitigen Voraussetzungen und die Kühlwasserkosten eine zusätzliche Rolle. Prinzipiell ist auch hier die Wasserwärmerückgewinnung über einen zweiten angeschlossenen Kreislauf möglich.

Wärmerückgewinnung kann also die Effizienz einer Druckluftanlage deutlich erhöhen und die Umwelt durch Vermeiden von Treibhausgas-Emissionen entlasten. Die Höhe der notwendigen Investitionen richtet sich nach örtlichen Gegebenheiten, Einsatzzweck und gewähltem Wärmerückgewinnungsverfahren.

Dipl. Betriebswirtin Daniela Koehler, Pressesprecherin Kaeser Kompressoren / am

EMO, Halle 12, Stand A26

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