Mobilrobotik

Der blecherne Postbote

Mobile Robotik bietet einen doppelten Mehrwert. Sie können ständig im Einsatz sein, ohne zu ermüden. Monotone Tätigkeiten erschrecken sie nicht: Mobile Roboter sind willkommene Helfer bei der Versorgung der Produktion. Die Wachstumskurve der Verkäufe zeigt, wie beliebt sie sind.

Mobile Produktionsversorgung mit Robotern: Der Branche werden sagenhafte Wachstumsraten prophezeit. (Foto: MiR)

Schließen Sie kurz die Augen und stellen Sie sich eine typische Fertigungshalle eines Unternehmens aus dem produzierenden Gewerbe mit Weltrang vor. Was sehen Sie? Vermutlich Produktionsanlagen auf einer riesigen Fläche, die das Produkt in seiner Herstellung bis hin zur Auslieferung durchläuft. An jedem Durchlaufpunkt werden hier unterschiedliche Arbeiten am Produkt durchgeführt. Bestimmte Teile und Werkzeuge werden jedoch regelmäßig an mehreren Stellen der Fertigung benötigt.

Was folgt daraus? Jeden Tag werden unzählige Mannstunden auf interne Transportprozesse verwendet, um Teile und Werkzeuge von einem Produktionspunkt zum anderen zu bringen. Eine mühselige und eintönige Arbeit. Und mit Sicherheit nicht die Lieblingsbeschäftigung der hochqualifizierten Mitarbeiter, die sie ausführen müssen. Die gute Nachricht: Diese internen Prozesse lassen sich durch mobile Roboter einfach optimieren.

Thomas Visti ist seit November 2014 CEO bei Mobile Industrial Robots (MiR), einem dänischen Hersteller von mobilen autonomen Robotiklösungen. Dort ist er verantwortlich für die Geschäftsentwicklung sowie den Ausbau des Produktportfolios.

Innerhalb der ohnehin stetig wachsenden Branche ist die mobile Robotik eines der stärksten aufstrebenden Segmente: Bis zum Jahr 2020 prognostiziert eine Technavio-Studie dem Markt eine Wachstumsrate von über zwölf Prozent. Zufall ist das nicht, denn mobile Robotik verspricht der Industrie gleich einen doppelten Mehrwert: Erstens wirkt sich die effizientere Ausführung der Transportprozesse natürlich positiv auf das gesamte Fertigungsverfahren aus. Zweitens werden Mitarbeiter von schweren und monotonen Tätigkeiten entlastet und für solche freigesetzt, für die sie in erster Linie ausgebildet wurden.

Anzeige

Roboter-Postbote heizt die Ofenproduktion an
Einige große Unternehmen haben diesen Mehrwert bereits erkannt – und für sich genutzt. In Dänemark hat dies zum Beispiel Scan A/S, einer der zehn weltweit größten Produzenten von Kaminöfen. Innovative Produktionstechnologien werden stets frühzeitig implementiert. So übernimmt heute der vollständig autonome mobile Transportroboter MiR100 von Mobile Industrial Robots den Transport von Produktionsteilen auf rund 10.000 Quadratmetern. „Man kann unseren MiR-Roboter sehr gut mit einem Postboten vergleichen, der seine Post verteilt und dann in die Poststelle zurückfährt, um für eine zweite Runde neue Briefe und Pakete für seinen Zustellbereich zu holen”, beschreibt René Hannibaldsen, Produktionsleiter bei Scan A/S, seinen Kollegen. Eine Investition, die sich schnell bezahlt macht: Durch seine einfache Programmierung übernahm der Roboter seine neuen Aufgaben bereits kurz nach der Ankunft im Lager. Ändern sich seine Wege kurzfristig, wird kurzerhand das Modul ausgetauscht. Diese Flexibilität ermöglicht ihm, fast immer im Einsatz zu sein.

Am Haken: Bei Hook handelt es sich um ein Zugsystem, mit dem per Anhänger bis zu 300 Kilogramm transportiert werden können.

Wohin geht die Reise?
Möglich werden solche Innovationen vor allem durch zwei aktuelle Entwicklungen: Zum einen ist der technologische Stand in diesem Feld so weit, dass mobile Roboter wie der MiR100 die unterschiedlichsten Aufgaben vollkommen autonom ausfüh-ren. Dank hochentwickelter Sensoren umschiffen sie unvorhergesehene Hindernisse selbstständig – und auch Personen in Bewegung. Des Weiteren ist diese Technologie mittlerweile auch erschwinglich: Die schnellen Amortisationszeiten, die teils unter einem Jahr liegen, machen den Einsatz mobiler Transportroboter insbesondere für Unternehmen mit großen Produktions- und Lagerhallen hochattraktiv.

Die Möglichkeiten, die sich der Industrie durch automatisierte Transporte bieten, sind aber noch längst nicht ausgeschöpft, denn die mobile Robotik-Industrie entwickelt sich stetig weiter. Ein kleines Beispiel: Erst vor kurzem wurde dieser Markt um eine neue Produktkomponente für den MiR100 erweitert: Der „Hook“, ein patentiertes Zug-system, das ebenfalls von Mobile Industrial Robots entwickelt wurde, lässt ihn nun Rollwagen von bis zu 300 Kilogramm befördern. An Geschwindigkeit oder Autonomie verliert er dabei nicht, seine Anwendungs-möglichkeiten lassen sich nun noch flexibler gestalten – und das über alle Einsatzfelder hinweg. Und vermutlich hält die Zukunft noch einige mehr solcher innovativer Lösungen für uns bereit.

Thomas Visti/bw

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Fabrikplanung ohne Druckluftnetz

Wie Vakuum mobil wird

Modulare Fabriken, mobile Robotik und steigende Energiepreise verändern die Automatisierung grundlegend. Eine Lösung: Ohne Druckluft in die Zukunft. Elektrische Vakuumsysteme senken Kosten, sparen Energie und unterstützen flexible Fertigungs- und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren