Instandhaltung vereinfachen

Andreas Mühlbauer,

Leitung aus der Box

Wenn Unternehmen elektrische Leitungen nicht mehr per Bund oder Kabeltrommel erhalten, sondern in der neuen Versand-und-Lager-Lösung von Igus, dann spart dies Kosten und Platz und minimiert gleichzeitig den Verschnitt.

Chainflex Case hilft, Verschnitt und Stillstandzeiten zu reduzieren. © Igus

Das BSH-Werk in Bad Neustadt an der Saale hat 450 Mitarbeiter und produziert 9.000 Staubsauger am Tag – bei einer hohen Fertigungstiefe und hoher Kompetenz in Sachen Industrie 4.0. In diesem Werk produziert BSH Hausgeräte Staubsauger der Marken Bosch und Siemens sowie Gebläse für andere Werke. Die flexible und hoch automatisierte Produktion ermöglicht die wettbewerbsfähige Herstellung der Hausgeräte „Made in Germany“. Dazu leistet die Instandhaltung einen wesentlichen Beitrag. Schließlich ist es ihre Aufgabe, die hohe Produktivität und Leistungsfähigkeit der Maschinen und Anlagen aufrechtzuerhalten – im Kunststoffspritzguss ebenso wie in der Gebläsefertigung und der Endmontage. Dabei kommen viele Anlagen „Marke Eigenbau“ zum Einsatz. Die Instandhalter sind auch für die Prüfanlagen zuständig, mit denen die Entwickler neue Sauger testen. Dabei haben die Verantwortlichen viele Ideen und Projekte für die Instandhaltung 4.0 umgesetzt. Zum Beispiel sind alle Maschinen im gesamten Werk mit einem RFID-Code ausgestattet und jeder Instandhalter ist mit einem Tablet unterwegs. Kommt es an einer Maschine zu Defekten oder Unregelmäßigkeiten, kann er den Code einscannen und direkt vor Ort maschinenspezifische Daten aufrufen.

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Stefan Zeis, Instandhaltung, BSH Hausgeräte, Verkaufsberater Markus Marienfeld und Max Herrmann, Regional-Produktmanager Chainflex, beide Igus. (v. l.) © Igus

Wer so modern arbeitet, kann mit dem altgewohnten Ablauf bei der Installation neuer Leitungen in einer vorhandenen Maschine nicht zufrieden sein. Wie viele große Betriebe hält BSH ein eigenes Leitungslager vor, das für jeden Fall die passende Ersatzleitung bietet. Wenn eine neue Leitung benötigt wird, schätzt der Instandhalter die benötigte Länge, geht zum Lager, trommelt die Leitung ab und plant dabei meist noch eine Sicherheitszugabe ein. Stefan Zeis, Instandhalter im BSH-Werk Bad Neustadt: „In der Praxis bleibt meist Leitung übrig – das ist letztlich Verschwendung. Außerdem kostet es Zeit, zu zweit die Leitungsbunde auszupacken und die Leitungen auf den Trommeln aufzurollen. Auch das passt eigentlich nicht in ein modernes Werk.“

Projekt: Optimierung des Leitungslagers

Daher sah sich Zeis nach einer Alternative um – genau zu dem Zeitpunkt im Sommer 2020, als Igus eine neue Leitungsbox für sein Chainflex-Programm vorstellte, das Chainflex Case. Dabei handelt es sich um eine 50 × 45 × 50 cm große Box aus Wellpappe, in der eine speziell konstruierte Trommel das einfache Abrollen der Leitung ermöglicht, die als Meterware in der gewünschten Länge geliefert wird. Der Anwender spart dadurch Versandkosten und wird schnell per Paketdienst beliefert. Er kann die Leitung direkt aus der Box abtrommeln. Außerdem lassen sich die Boxen stapeln, so kann der Kunde sich sehr einfach ein Blocklager bauen. Auch die Platzersparnis ist ein positiver Faktor. Max Herrmann, Regional-Produktmanager Chainflex: „Unser Anspruch bei der Entwicklung des Chainflex Case war es, die Lagerung und den Versand der Leitungs-Meterware zu vereinen und das Handling für unsere Kunden so simpel wie möglich zu gestalten.“ Die BSH-Instandhalter waren schnell von dem Konzept überzeugt und planten den kompletten Umstieg vom alten Trommellager. Gemeinsam mit Max Herrmann und Igus-Verkaufsberater Markus Marienfeld wählten sie die benötigten Leitungen aus, die ein breites Spektrum von Steuer-, Energie- und Busleitungen abdecken. Instandhalter Zeis sagt: „Dabei ließ sich die Variantenvielfalt von 34 auf nun 28 reduzieren, weil wir zur Kostenreduktion auf doppelte Lagerhaltung für bewegliche und unbewegliche Leitungen verzichten konnten.“

Einfaches Handling, schnelle Bestellung

Auch wenn die Boxen stapelbar sind, hat BSH sie in einem Regal untergebracht. „Das hat den Vorteil, dass wir die einzelnen Boxen entnehmen und an die Maschine bringen können, die eine neue Leitung benötigt. Wir können die Leitungen jetzt exakt so ablängen, wie wir sie brauchen.“ Auch für die Leitungsbox gilt, dass Igus jede Chainflex-Variante in beliebiger Länge liefert. Bei BSH sind es meist zwischen 50 und 200 m. Da jede Box mit einem QR-Code bedruckt ist, fällt die Identifizierung leicht. Das gilt für BSH ganz besonders, denn Igus hat die kundenseitige Bezeichnung der Leitungstypen in sein Bestellsystem übernommen. Max Herrmann sagt: „Die BSH-Instandhalter bestellen bei uns online ihre Leitung, wir schlüsseln automatisch um.“ Und weil die Boxen jetzt per Paketdienst statt als Trommel oder Palettenware kommen, werden sie schnell und kostengünstiger geliefert. Im Vergleich zur Lieferung auf der Palette mittels Spedition lassen sich bis zu 84 Prozent der Versandkosten sparen.

Innovative Versandlösung für Meterware - die chainflex Versandtrommel. © Igus

Aus Sicht von BSH hat die Umstellung auf Chainflex Case bestens funktioniert. „Wir sind von der technischen Lösung überzeugt, und die Zusammenarbeit mit Igus war immer sehr gut“, sagt Zeis. Das gilt auch für andere Projekte im Werk. Ein Beispiel: In eine Produktionslinie für Kunststoffgehäuse hat BSH einen Roboter integriert, der eine Kamera über das gerundete Gehäuse führt und die geprägte Beschriftung des Bedienfeldes auf Qualität und Erscheinungsbild prüft. Der Roboterarm ist mit einer dreidimensional beweglichen Triflex-R-Energiekette ausgestattet. Auch den Igus-Lösungen für die vorausschauende Wartung standen die BSH-Instandhalter offen gegenüber. In zwei Energiekettenanwendungen mussten drei- bis viermal im Jahr die Leitungen getauscht werden, was hohe Kosten bedeutete. Igus legte die Energieführungen neu aus, was die Produktivität erhöhte und die Stillstandszeiten reduzierte. Aufgrund der notwendigen Verfügbarkeit der Anlage entschied sich BHS zudem, Smart Plastics für die Zustandsüberwachung einzusetzen. Zeis: „Die intelligente CF.Q-Leitung überwacht kontinuierlich ihren Betriebszustand und detektiert Unregelmäßigkeiten. So konnten wir die Verfügbarkeit der hoch beanspruchbaren Anlagen weiter steigern und ungeplanten Stillstand verhindern. Das passt zu unserem Konzept der Instandhaltung 4.0.“

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