Kunststoffprofile

SLS wird 30

Anfang April beging der Dahner Kunststoff-Extrudeur SLS sein 30-jähriges Firmenjubiläum. In den 1980er-Jahren aus der Taufe gehoben, zählt er mittlerweile zu den führenden Profilherstellern in Europa und ist bis heute ein Drei-Familien-Unternehmen. Im Markt hat er sich sowohl als Spezialist für Fensterprofile und Zulieferer von Sonderprofilen etabliert sowie auch als Entwicklungspartner mit der Kompetenz, sich auch schwieriger Aufgaben anzunehmen. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker hat das Unternehmen besucht.

Profile in jeder Form: SLS realisiert auch Kunststoffprofile mit schwierigen und komplexen Querschnitten.

Am 1. April war es exakt 30 Jahre her, dass Hans Schmidt, Thomas Leibrock und Manfred Streck in den Räumen einer ausgedienten Schuhfabrik im südpfälzischen Luftkurort Dahn den Extrudierbetrieb SLS gründeten. Heute gehört das Unternehmen des erfolgreichen Dreigespanns zu den führenden Herstellern von Kunststoff-Profilen auf dem europäischen Markt. Und wer sich vor Ort ein Bild vom Unternehmen machen möchte, der sollte etwas Zeit mitbringen. Denn inzwischen ist es eine Gesamtfläche von über 27.000 Quadratmetern, auf denen SLS mit derzeit 30 Extrusions- und Co-Extrusionslinien viele Tausend Tonnen Granulat jährlich in starre und elastische Voll- und Hohlprofile verwandelt. „Dabei gehört neben der Produktion von Hartprofilen auch die Herstellung innovativer Hartweich-Kombinationen zu unseren besonderen Stärken“, berichtet Co-Geschäftsführer Marco Streck.

Und wie ich weiterhin erfahre, realisiert das Unternehmen für Anwendungen mit hohen Festigkeits-Anforderungen auch Verbundlösungen mit Glasfaser, Aluminium und Stahl. Ein Blick in die Geschichte des Unternehmens macht deutlich, dass die Entwicklung von SLS seit jeher geprägt ist von großer Wachstumsdynamik und Innovationsfreude. Allein in den letzten vier Jahren hat das Unternehmen ein erstaunliches Modernisierungs- und Expansionsprogramm umgesetzt.

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Das Führungsteam von SLS: Marco und Manfred Streck, Thomas und Jan-Steven Leibrock (stehend) sowie Hans und Jürgen Schmidt (v.l.n.r.)

Marco Streck erzählt: „Mit einer neuen Produktionshalle und weiteren Geländezukäufen konnten wir unsere Kapazitäten 2011 um fast 30 Prozent steigern. Kurz darauf haben wir mehrere neue Extrusionslinien in Betrieb genommen und 2012 folgte die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems mit Fertigungsplanung. 2013 haben wir das Firmenareal dann um abermals 8000 m2 erweitert und Anfang 2014 haben wir unseren eigenen Werkzeugbau mit einem neuen 5-Achs-Bearbeitungszentrum gestärkt.“ Ergänzen könnte man noch, dass das Unternehmen so „ganz nebenbei“ noch ein modernes Energierückgewinnungssystem installieren ließ.

Eher von großer Kontinuität geprägt ist die Firmenvita von SLS in personeller Hinsicht. Stetig gewachsen ist die Belegschaft über die Jahre auf derzeit 113 Mitarbeiter, und bereits seit Mitte der 1990er-Jahre sind Marco Streck und Jürgen Schmidt als Vertreter der Nachfolge-Generation im Unternehmen tätig. 2012 kam dann Jan-Steven Leibrock hinzu und komplettiert seitdem das Trio der Gründersöhne. Damit bleibt SLS dem industriellen Mittelstand als Drei-Familien-Unternehmen erhalten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, das die beiden Gründerväter Hans Schmidt und Manfred Streck zum Firmenjubiläum am 1. April ihre Geschäftsführer-Posten in die Hände ihrer Söhne legten.

Seit mehreren Jahren schon deckt SLS etwa zwei Drittel seines Geschäftsvolumens mit der Entwicklung und Herstellung hochwertiger Profilgeometrien für die europäische Fenster- und Fassaden-Industrie ab. Allerdings treibt das Unternehmen gerade mit den jüngsten Investitionen auch die Realisierung kundenspezifischer Sonderlösungen für Kunden im allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau, in der Elektrotechnik sowie in Verpackungs- und Medizintechnik voran. „Vor allem der Ausbau unseres Werkzeugbaus, die Ausweitung der Baugruppen-Montage und die Vergrößerung der Abteilung für die Konfektionierung von Fertigteilen und Großprofilen sind hier von strategischer Bedeutung“, sagt Marco Streck.

Ein aktuelles Beispiel für die erfolgreiche Realisierung einer kunden- bzw. branchenspezifischen Sonderlösung sind die jüngst vorgestellten Spezialprofile mit innen liegender GFK-Verstärkung. Bei ihrer Entwicklung stand die Frage im Mittelpunkt, wie man einem Kunststoffprofil eine erhöhte Formstabilität und eine verbesserte statische Belastbarkeit verleihen kann, ohne dabei das Gewicht zu erhöhen oder Veränderungen an der äußeren Gestalt vorzunehmen.

Als Antwort darauf entwarfen die Entwicklungsingenieure von SLS eine Verbundlösung, bei der dem Kunststoffprofil Adern aus Glasfaser eingezogen werden. „Das Besondere an unserem Verbundprofil ist die Innengeometrie, die eine feste und kraftschlüssige Verbindung der Glasfaserstränge mit der PVC-Umgebung sicher stellt. Sie gewährleistet, dass die beiden Materialien eine unlösbare Einheit bilden“, erklärt Marco Streck. Um das zu erreichen, entwickelte SLS ein hochkomplexes Präzisionswerkzeug, dass es ermöglicht, die Glasfaserstränge direkt während der Extrusion durch- und in die dafür vorgesehen Kanäle im PVC-Profil hineinzuführen. Bei der anschließenden Abkühlung des Profils werden die Glasfaserstränge – bedingt durch ein ausgeklügeltes Haftsystem – in das PVC eingepresst. Ohne auffallende Veränderungen am äußeren Design entsteht so in einem hochwirtschaftlichen Prozess ein dauerhafter Materialverbund. Co-Geschäftsführer Streck betont: „Bei der Herstellung Glasfaser verstärkter Kunststoffprofile liegt die größte Herausforderung im Bereich der Werkzeugtechnik. Eine passgenaue Zuführung der Endlosglasfaser und die technische Werkzeugauslegung im Zusammenspiel mit der eigentlichen Profilgeometrie bedingen ein umfangreiches Wissen und einen großen Erfahrungsschatz in Werkzeugbau und Extrusionstechnik.“

Als Keimzelle der Innovation betrachtet SLS seinen eigenen Werkzeugbau.

In Dahn entstehen auf der Basis dieser Entwicklung Profilprodukte, deren mechanische Eigenschaften sich – wohlgemerkt bei gleicher Geometrie – deutlich von herkömmlich extrudierten Profilen unterscheiden. Gerade bei erhöhten statischen Anforderungen wirkt sich das positiv aus. Im vorliegenden Fall kommen die GFK-verstärkten Profile übrigens als Sichtschutzlamellen für Fensterläden zum Einsatz. Dank ihrer hohen mechanisch-statischen Stabilität lässt sich diese Verbundlösung aber auch für viele andere Anwendungsbereiche mit erhöhten Anforderungen an Tragfähigkeit, Formtreue und Belastbarkeit nutzen. Man denke nur an Maschinengehäuse, Regalflächen, Fahrzeug-Aufbauten, maritime Anwendungen oder Abdeckungen aller Art. Außerdem sind die Glasfaser verstärkten Profile eine langlebige Alternative zu Aluminiumprodukten.

Im Fall der GFK-verstärkten PVC-Profile liegen sowohl die Entwicklung und die Konstruktion als auch Produktion und Konfektionierung in den Händen von SLS. Der Kunde bekommt ein einbau- und montagefertiges Fertigprodukt. Dabei ist dieses umfassende Leistungspaket mittlerweile fast üblich für die Arbeit des Dahner Unternehmens. Dimensionen, Geometrie und Auswahl der Werkstoffe für die Profile richten sich dabei stets nach den Kundenwünschen und konstruktiven Anforderungen. Häufig verwendete thermoplastische Kunststoffe sind PVC und ASA sowie ASA-PVC-Blends. Außerdem verarbeitet das Unternehmen PE, PP, PS, SB, ABS und viele andere Polymere. Stets führt SLS alle Vor- und Nachbearbeitung (Prägungen, Bohrungen etc.) im eigenen Werk aus. Und da ja zu den Stärken des Unternehmens auch die Realisierung von Hartweich-Materialverbunden in der Co-Extrusion gehört, lassen sich selbst funktionell komplexe Profile mit Scharnieren, Biegezonen und Dichtlippen verwirklichen. Michael Stöcker

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