Fraunhofer IPA verbessert Störungsmeldung

Mängelmeldung mit Augmented Reality

In zahlreichen Unternehmen werden Beobachtungen an Maschinen und Anlagen nicht optimal weitergegeben.

Mit „FlexNote“ haben die IPA-Wissenschaftler ein softwaregestütztes Tool entwickelt, das Mängel und Optimierungsvorschläge in der Produktion transparent, schnell und zielgerichtet weitergibt. (Foto: Fraunhofer IPA)

So melden beispielsweise Mitarbeiter einem Verantwortlichen mehrfach den gleichen Defekt oder geben die Nachricht mit einem deutlichen Zeitverzug weiter. Oft sind die Informationen auch unzureichend und das Problem lässt sich nicht auf Anhieb finden. Mit „FlexNote“ haben die IPA-Wissenschaftler ein softwaregestütztes Tool entwickelt, das Mängel und Optimierungsvorschläge transparent, schnell und zielgerichtet weitergibt.

Bei FlexNote handelt es sich um eine Kombination aus einem mobilen Endgerät und einer Cloud-Applikation. Sobald ein Mitarbeiter in der Produktion eine Schwachstelle, zum Beispiel eine Leckage oder ein fehlerhaftes Bauteil entdeckt, kann er mit seinem Smartphone oder Tablet ein Bild des betroffenen Bereichs aufnehmen. Gleichzeitig kann er den Fehler in der Aufnahme markieren und schriftlich oder mündlich eine Nachricht dazu verfassen sowie weitere Menüpunkte zur Kategorisierung auswählen. Da er sich zuvor mit dem Endgerät an der Maschine anmelden muss, wird auch deren Position exakt ermittelt. Die gesamte Meldung – der Anwender, das markierte Bild, die Nachricht und der Standpunkt – werden gebündelt gespeichert. „Dabei kommt der Augmented-Reality-Ansatz zum Tragen. Digitale Informationen und das Live-Bild überlagern sich und werden positionsgetreu an der Maschine wieder eingeblendet“, erläutert Marcus Defranceski, Gruppenleiter am Fraunhofer IPA.

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Informationen gebündelt

Im nächsten Schritt wird die Beobachtung automatisiert weitergegeben. Benachrichtigungen erhalten sowohl der Mitarbeiter selbst als auch der Maschinenverantwortliche. Weiterhin ist auf der Maschine sichtbar hinterlegt, welche Feststellungen bereits erfasst wurden. Zuletzt wird die Meldung in einem zentralen IT-System, zum Beispiel auf einem Server des Unternehmens oder in einer externen Cloud gespeichert. „Mit FlexNote lassen sich Beobachtungen in Produktionen schneller, zuverlässiger und zielgerichteter weitergeben“, fasst Defranceski die Vorteile zusammen. Die Maschinenbetreuer erhalten eine übersichtliche Auflistung, welchen Meldungen sie nachgehen müssen. Weiterhin sehen die anderen Mitarbeiter, welche Mängel bereits aufgenommen wurden. Die Gefahr von Mehrfachmeldungen sinkt ebenso wie das Risiko, dass Informationen beim falschen Ansprechpartner landen und untergehen. Da das Live-Bild in Verbindung mit der digitalen Text- oder Sprachnachricht und dem exakten Maschinenstandpunkt weitergegeben werden, sind weniger Rückfragen nötig. Zuletzt geht die Kommunikation schneller vonstatten, da alle relevanten Informationen gebündelt aufgenommen und weitergegeben werden.

Aufzeichnungen zur langfristigen Verbesserung

Neben einer optimierten Kommunikation von Schwachstellen erlaubt FlexNote, Maschinen und Anlagen langfristig zu verbessern. „Da die Meldungen im zentralen IT-System hinterlegt sind, lassen sich sämtliche Erfahrungen über ein Objekt weitergeben. Dadurch ist es möglich, Zusammenhänge bei Fehlern zu ermitteln und standortunabhängig Erfahrungen von einer Anlage auf eine andere zu übertragen“, informiert Defranceski. Weiterhin sehe man auf diese Weise, an welchen Teilen der Maschine die meisten Schwachstellen auftreten. Somit können Hersteller beim Neudesign gleich vorbeugen.

Kein Zugriff auf Unternehmenssoftware erforderlich

Ein weiterer Vorteil: FlexNote kann entkoppelt von der IT-Infrastruktur des Unternehmens laufen. Dadurch erhalten Nutzer keinen Zugriff auf sensible Unternehmensdaten. Weiterhin müssen Maschinen- und Anlagen nicht erst angebunden werden. „Die Anwendung lässt sich somit auch von Dienstleistern als Service nutzen. Außerdem ist kein hoher Installationsaufwand erforderlich“, fügt Defranceski hinzu. Potenziale bietet FlexNote für jedes Unternehmen, das Maschinen oder teilautomatisierte Arbeitsplätze einsetzt. Die IPA-Wissenschaftler haben bereits einen Prototyp realisiert. Ab Oktober 2016 soll die Entwicklung industriell umgesetzt werden. bw

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