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Keimarmut

und Sterilität sind zwei wichtige Pluspunkte für den Einsatz von nichtrostendem Stahl für Bauteile, die in Medizin- und Krankenhaustechnik verwendet werden. Auch in anderen Bereichen, in denen es auf diese Aspekte ist Edelstahl Rostfrei ein vertrautes Bild - etwa in der Lebensmittel verarbeitenden oder pharmazeutischen Industrie. In letzter Zeit wird von der Kupferindustrie zunehmend der Werkstoff Kupfer propagiert, dem noch bessere hygienische Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Argument: Während nichtrostender Stahl neutral ist, wird mit der Abgabe von Kupferionen eine zusätzliche keimtötende Wirkung erreicht. Warum also diese bioziden Eigenschaften nicht auch im Krankenhaus nutzen? Schließlich sind Hospitalismusinfektionen bei Patienten, Ärzten, Krankenhausbetreibern und Versicherern gleichermaßen gefürchtet. Die Erreger verbreiten sich unter anderem durch Griffkontakt, zum Beispiel an Türbeschlägen, Handläufen oder Servierwagen. Wenn man nun – so die Idee – für solche griffbeanspruchten Teile Kupferwerkstoffe einsetzt, müssten die daraus freigesetzten Ionen deutlich Keim reduzierend wirken.

Dieser Vermutung sind Forscher der britischen Manchester Metropolitan University nachgegangen. Sie testeten poliertes Kupfer sowie drei gängige glatte Edelstahl-Rostfrei-Oberflächen in einer Versuchsanordnung, die typische Keimübertragungen durch Hautkontakt mit Griffteilen nachbildete. Nach dem Trocknen und einer 24-stündigen Wartezeit wischten sie die Oberflächen mit behördlich empfohlenen, krankenhausüblichen Reinigungsmitteln ab und maßen anschließend die verbleibende Bakterienbesiedlung. Dieser Vorgang wurde im Tagesabstand wiederholt.

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Nach dem ersten Reinigungsdurchgang hatten auf der polierten Kupferoberfläche ebenso wie auf dem spielgelpolierten nichtrostenden Stahl keine Keime überlebt. Blankgeglühte und elektropolierte Edelstahl-Rostfrei-Oberflächen reichten nahe an das Ergebnis der spiegelpolierten heran. Überraschende Ergebnisse zeigten sich ab dem zweiten Tag. Während sich bei allen untersuchten Edelstahl-Oberflächen immer wieder ein ähnlicher Reinigungserfolg einstellte wie beim ersten Durchgang, die Anzahl der verbleibenden lebenden Bakterien also bei oder nahe Null lag, zeigte sich bei der Kupferoberfläche der Aufbau eines Biofilms mit bis zu 100 verbliebenen Keimen pro Flächeneinheit. Diese waren auch bei weiteren Reinigungsdurchläufen in den folgenden Tagen mit den angewandten gängigen Reinigungstechniken nicht mehr zu entfernen.
Dass aktive kupferne Oberflächen, die durch Ionenaustrag bakterizid wirken, auch unter Praxisbedingungen die Keimbesiedlung gegenüber neutralen Werkstoffen vermindern, bestätigte sich nach dieser Untersuchung nicht. Zumal mögliche unerwünschte Nebenwirkungen des Kupferaustrags bisher nur unzureichend untersucht sind, dürfte wohl bis auf weiteres die Kombination neutraler Werkstoffe, reinigungsfreundlicher Oberflächen sowie hygienebewusster Handhabungs- und Reinigungspraxis der Königsweg zur Verminderung des Infektionsrisikos in Krankenhäusern bleiben. ms

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