Lieferketten digitalisieren

Andreas Mühlbauer,

Bestellung per Klick: Umsatz in B2B profitiert

Um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Zulieferer der Industrie ihre Lieferketten gründlich modernisieren.

© i-ways

Analog war gestern. Digitalisierte Prozesse verschaffen Zulieferbetrieben einen deutlichen Effizienzgewinn, automatisierte Lieferketten ermöglichen sinkende Kosten – bei parallel steigenden Umsätzen. Ein Bestellprozess per Mausklick legt auch im Business-to-Business-Umfeld (B2B) die Basis für die eigene Zukunftsfähigkeit. Viel zu häufig liegen in der Industrie enorme Umsatzpotenziale brach, trotz vorhandener Optimierungsmöglichkeiten in den Bestellprozessen. Unternehmen, die Prozesse nicht modernisieren und weiter auf telefonische und schriftliche Abstimmung setzen, laufen mittelfristig Gefahr, vom Wettbewerb abgehängt zu werden.

Im B2C-Bereich (Business-to-Consumer) hat sich E-Commerce bereits seit Jahren etabliert. Viele Unternehmen machen über neue und eigene Online-Vertriebskanäle einen großen Teil ihres Umsatzes. Für die Kunden steigt die Bequemlichkeit beim Einkauf: Sie müssen das Haus nicht mehr verlassen, können mit einem Klick bestellen und sich die Ware an die Haustür liefern lassen.

Im Zuliefererbereich sieht das noch anders aus: Bestellungen erfordern oft noch den Griff zum Telefon oder das Tippen einer Mail. Gern schließt sich dem eine umständliche Kommunikation an, wenn Kapazitäten oder Lieferfristen erst noch vom zuständigen Sachbearbeiter in Erfahrung gebracht werden müssen. Gerade Unternehmen in weniger innovativen Branchen oder mit digital nicht affinen Mitarbeitern setzen nach wie vor auf diese Prozesse. Rund 85 Prozent der Bestellungen im Zuliefererbereich erfolgen telefonisch oder per E-Mail. Auch Unternehmen, die bereits über eine digitale Plattform verfügen, berichten, dass nur rund 15 bis 20 Prozent der Bestellungen tatsächlich online abgewickelt werden. Doch es ist sinnvoll, den Absatzhandel und die Bestellprozesse zu digitalisieren, denn die Erwartungshaltung an einen bequemen Einkauf wird auch im B2B immer spürbarer.

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In vielen Unternehmen steht ein Generationenwechsel an: Alteingesessene Mitarbeiter gehen in Rente, digital affine jüngere kommen nach. Sie sind mit digitalen Tools aufgewachsen und erwarten bequemere Bestellprozesse auch bei Zulieferungen. Wer die Veränderungen aufschiebt, blockt potenzielle Kunden, die den Generationswechsel bereits durchlaufen haben. Wer die Digitalisierung verschläft, dem droht ein unerfreuliches Erwachen. Experten rechnen damit, dass 40 Prozent der S&P 500, der größten Unternehmen der USA, in zehn Jahren nicht mehr dazugehören werden. Und was für die großen gilt, gilt erst recht für die kleinen und den Mittelstand.

Alle Branchen profitieren von der Digitalisierung

Die Digitalisierung der Bestellkanäle ist für alle Branchen relevant, die auf Zulieferung ausgerichtet sind. Neben der Industrie kann der E-Commerce auch für die Lebensmittelbranche und Nahrungsmittelzulieferer ein interessantes, zusätzliches Standbein sein. Hier sind die Margen gering – Großhändler können mit einem Online-Shop direkt den Endkunden erreichen.

In der Automobilbranche sind fast 80 Prozent der Zulieferer bereits digitalisiert – sie orientieren sich an den Vorgaben der Konzerne, die in der Regel eine digitalisierte Lieferkette voraussetzen. Diese Unternehmen haben meist nur wenige Großkunden, und entsprechend müssen sie auf deren Wünsche eingehen. Zulieferer mit einem breiten Kunden- und Abnehmerspektrum sind dagegen meist noch nicht digitalisiert.

Die Digitalisierung der Lieferkette geht mit einer Prozessoptimierung einher. Zum einen kann sich der Kunde online informieren, die gerade im B2B-Bereich hohe Anzahl von Konfigurationen des gewünschten Produkts recherchieren und ausprobieren. Im besten Fall bietet ein Shop deswegen tiefe Filtermöglichkeiten und Konfiguratoren an. Über eine Plattform ist auch sofort einsehbar, ob der gewünschte Artikel vorrätig ist, der Bestellprozess erfolgt digital. Durch die Anbindung des ERP können Unternehmen einsehen, wie die Lagerbestände sind, und Nachbestellungen automatisiert an den Zulieferer abgeben.

Prozessoptimierung und neue Kunden

© i-ways

Zum anderen erschließen sich online neue Kunden. Betriebe haben oft das Problem, dass sich Kunden mit einem geringen Auftragsvolumen und nur wenigen Bestellungen im Jahr nicht lohnen, da die Kosten für die Bestellung samt dem Einsatz der Mitarbeiter den Gewinn übersteigen. Diese Kunden lassen sich ohne Mehrkosten mit einer Online-Lösung bedienen. Dieser Umsatz bleibt sonst einfach liegen. Auch internationale Kunden lassen sich online leichter erreichen. Ein Online-Shop allein macht jedoch noch keine Digitalisierung. Wenn alle anderen Prozesse weiterhin analog ablaufen, Lagerbestände manuell überprüft werden, verpuffen die Chancen auf Effizienz und Kosteneinsparungen.

Die Digitalisierung geht zunächst mit Investitionen einher, da sich die Maßnahmen durch das gesamte Unternehmen ziehen und die gesamte Wertschöpfungskette betreffen. Von der Bestellung bis zum Versand muss die gesamte Produktion digital abgebildet werden: erledigte Bestellungen, Lagerbestände, der Stand der Produktion und die Verfügbarkeit der Teile. Bestellungen werden automatisch mit Warenbestand abgeglichen und an die Lageristen durchgezeichnet. Der Status der Bestellung ist für Kunden immer transparent, große Kunden können Bestellungen automatisiert über das ERP auslösen. Auch die Rechnungsstellung erfolgt automatisch.

Unternehmen sparen damit Kosten und generieren mehr Umsätze. Personalkapazitäten werden durch einen höheren Automatisierungsgrad frei und können an anderer Stelle eingesetzt werden. Die Digitalisierung leistet damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, da sie eine zukunftsorientierte Investition darstellt. Unternehmen und Kunden profitieren gleichermaßen: Es passieren weniger Fehler und die Kundenzufriedenheit steigt. Schließlich spart der Kunde durch die Möglichkeit der digitalen Bestellung viel Zeit.

Veränderungen lösen oft Skepsis in der Belegschaft aus – das Management muss die Mitarbeiter an Bord holen und eine Offenheit und Bereitschaft schaffen. Denn digitale Prozesse sind unsinnig, wenn sie nicht angenommen werden. Eine Kommunikationslinie kann darin liegen, durch das Mehr an erwartetem Umsatz sichere Arbeitsplätze in Aussicht stellen zu können. Auch sind technische Voraussetzungen notwendig: Ein gewisser Grad an Digitalisierung mit einem ERP sollte bereits gegeben sein.

Die eigentliche Digitalisierung der Lieferkette nimmt als Projekt etwa drei bis sechs Monate in Anspruch. Der Digitalisierungs-Experte I-ways bietet keine Standardlösung, kein Buy-and-Use-Produkt. Denn Unternehmen sind immer individuell mit eigenen Prozessen, Anlagen und Dokumentationssystemen. I-ways verbindet die Balance von interner Standardisierung, um die Projektkosten gering zu halten, und Individualisierung für eine optimale Integration in die Unternehmensstruktur.

Sind die Tools Neuland für die Mitarbeiter, können sie gerade am Anfang mehr Personal binden als zuvor und die angestrebte Effizienz geht verloren. Deswegen ist eine Schulung der Mitarbeiter essenziell. Idealerweise werden die zentralen Fragen wie „Wo liegen Probleme?“, „Was kann besser werden?“, „Wofür wird Lösung benötigt?“ von allen Ebenen im Betrieb beantwortet. Denn die Experten mit den tiefsten Einblicken sind die Mitarbeiter des Unternehmens.

Wenn Industrie-Zulieferer nicht von der Konkurrenz abgehängt und vom Markt verdrängt werden wollen, sollten sie ihre Lieferketten und Bestellprozesse digitalisieren. Mit einem erfahrenen Partner lässt sich die Automatisierung in weniger als einem halben Jahr erreichen. Wichtig ist dabei, die Belegschaft in den Prozess zu integrieren und sie mitzunehmen.

Philipp Petzka, Head of Product bei i-ways, und Nadja Müller, Wordfinder PR / am

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