Zerspanen

Doppelbearbeitung

Es ist schon ungewöhnlich, wenn in Zeiten der Globalisierung und Zentralisierung ein Messeveranstalter beschließt, sein Zugpferd – und das ist die Metav als größte Messe der Metallbearbeitungsbranche in Nicht-EMO-Jahren zweifelsfrei – zweizuteilen. Wie kam es zu dieser Trennung, oder dem Verbund, wie es der Veranstalter VDW (Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) gern nennt? Der Hauptgrund war wohl die größere Kundennähe. So machen zwar die wichtigsten Aussteller über die Hälfte ihres Umsatzes im süddeutschen Raum, dennoch kam bei der letzten Metav nur etwa ein Drittel der Besucher aus dieser Region. Der Weg von Stuttgart oder München nach Düsseldorf ist offensichtlich zu weit.

Doch nicht nur den Bayern und Baden-Württembergern verkürzt die doppelte Metav die Wege, sondern auch den europäischen Nachbarn. So soll die Metav Düsseldorf zukünftig insbesondere die Benelux-Staaten und Skandinavien ansprechen, die Metav München dagegen Österreich, die Schweiz, das im Bereich Werkzeugmaschinen sehr rege Italien und die neuen europäischen Nachbarn im Osten. Ein Konzept, das zumindest bei den Besuchern aufzugehen scheint. So reisten etwa zehn Prozent der Besucher aus dem Ausland zur Metav Premiere in München an, was ungefähr dem Interesse an der letzten Einheits-Metav 2002 entspricht. Nur bei den Ausstellern ist die Auslandsbeteiligung drastisch zurückgegangen: Für die Düsseldorfer Messe, die gemeinhin noch als die internationalere der beiden Metavs gilt, haben sich mit 16 Prozent nur etwa halb so viel Aussteller aus dem Ausland angemeldet wie 2002.

Anzeige

Zwei statt viele

Doch hinter dem Messedoppelpack steckt nicht nur der Servicegedanke, sondern auch handfeste Politik des VDW. Bei der Ankündigung der doppelten Metav im Jahre 2002 betonte Dr. Detlef Eisenhorst, Vorsitzender des VDW-Messeausschusses: „Akzeptieren die Aussteller dieses Angebot (einer weiteren Metav in München; Anm. d. Red.), und die Vorteile sprechen dafür, wird es mittelfristig zu einer Konsolidierung der Messelandschaft in Deutschland kommen. Das ist unser Ziel und das entspricht dem Interesse unserer Firmen.“ Die zusätzliche Metav ist demnach als eine Alternative zu den vielen Spezialmessen auf der einen Seite und den großen Universalmessen auf der anderen Seite gedacht und soll dabei helfen, die Marketingkosten zu reduzieren.

Das wird auch nötig sein, denn obwohl die Messeveranstalter ein Paketangebot für einen doppelten Messeauftritt anbieten, sind natürlich nicht zwei Messen für den Preis von einer zu haben. Da die meisten Unternehmen überregional anbieten, müssen sich die Aussteller generell die Frage stellen, ob sie ihre Produkte auf beiden Messen präsentieren oder nur auf einer. Geschätzte ein Viertel der Teilnehmer hat sich für einen Doppelauftritt entschieden, und so liegt die Zahl der Messestände in München und Düsseldorf mit insgesamt 1500 zwar deutlich über den 1200 aus dem Jahr 2002, die Zahl der Aussteller ist jedoch ungefähr gleich geblieben.

Bravourös in Bayern

Doch genug der Zahlenspiele. Das Debüt der Münchner Metav darf getrost als Erfolg bezeichnet werden. Laut Veranstalter erklärten 91 Prozent der teilnehmenden Unternehmen, dass sie 2006 in München wieder dabei sein wollen. Und auch aus den Reihen der Besucher waren viele zufriedene Stimmen zu vernehmen. Das dürfte nicht zuletzt am modernen und besucherfreundlich-kompakten Messegelände in München gelegen haben, das sich, wie auch das Beispiel Automatica zeigt, immer mehr zur ernsthaften Konkurrenz für etablierte Messestandorte entwickelt.

In vier Hallen und auf kurzen Wegen konnten sich die Besucher über die neusten Entwicklungen im Bereich Metallverarbeitung und Werkzeugmaschinen informieren. Nach wie vor sind schnelle Umrüstbarkeit, mehrspindlige Bearbeitung, Trockenbearbeitung bzw. Minimalmengenschmierung, Hochleistungs- oder Hochgeschwindigkeitsbearbeitung, sowie auf der Steuerungsseite Auswahlfreiheit und Standardisierung der Installationstechnik die Themen der Innovation. Auf die Forderung nach Komplettbearbeitung reagieren die Hersteller mit der Integration mehrerer Technologien in einer Maschine. Hier spielt der Laser als universelles Werkzeug eine große Rolle und Modulbauweise und Plattformkonzepte ebnen den Weg für zukünftige Entwicklungen. Schon heute drücken die Hersteller durch den Einsatz von Linearantrieben und entsprechenden Zuführsystemen die Nebenzeiten.

Einen Blick auf die Metallverarbeitung der Zukunft gewährte das Innovationsforum Umformtechnik. Hier präsentierten Forschungsinstitute die zusammen mit Industriepartnern erarbeiteten Ergebnisse zu Verfahren, Wirtschaftlichkeit und Qualität von neuen Umformtechniken. Gerade die vorgestellten Leichtbaulösungen dürften viele Interessierte haben. Ebenso wie die Fachtagung zum Thema Geräuschminderung bei Werkzeugmaschinen. Kein Neues, aber leider ein immer noch vernachlässigtes Thema.

Neues im Norden

Und was dürfen Sie vom 15. bis zum 19. Juni in Düsseldorf erwarten? Hier setzt der Veranstalter mit einem Trend- und Innovationsforum den Schwerpunkt Werkzeug- und Formenbau. Zeitdruck auf der einen Seite, steigende Variantenvielfalt auf der anderen Seite zwingen die Zulieferer dazu, sich strategisch neu auszurichten. Das Forum bietet Informationen und Vorträge über den Einsatz neuer Materialien, HSC-Fräsen und Hartbearbeitung, Präzisions- und Mikroformenbau, Laserintegration und Automation. Zusätzlich können Sie sich von Experten beraten lassen und vor Ort ein Mini-Benchmark durchführen. Düsseldorf lohnt sich also nach wie vor.

Falls Ihnen trotz der größeren Kundennähe der Metav der Weg nach Düsseldorf und München immer noch zu weit ist, dann haben wir eine bequeme Alternative zum Messestress: Lehnen Sie sich gemütlich zurück, trennen Sie die Kennzifferkarte hinten aus dem Heft und blättern Sie die folgenden Seiten mit Neuigkeiten aus den Bereichen Metallverarbeitung, Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik durch. Näher kommt Ihnen auch eine doppelte Metav nicht.Matthias Meier

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Metallbearbeitung

Weltpremieren auf der EMO 2025

Vom 22. bis 26. September 2025 stellt Grob auf der EMO Hannover mehrere Neuheiten vor. Im Zentrum des Messeauftritts stehen die neuesten 4- und 5-Achs-Universal-Bearbeitungszentren sowie die dazugehörigen Automationslösungen.

mehr...

Intec: Planfräser

Neues PKD-Fräsprogramm

Paul Horn entwickelte im Rahmen des neuen PKD-Fräsprogamms die Baureihen DM70 und DM90, die speziell für Plan- und Eckfräsoperationen ausgelegt sind. Hierbei liegt der Fokus auf hohen Fräs- und Oberflächengüten sowie der gratfreien Fräsbearbeitung.

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren