Hausausstellung Bielefeld 2026

Melanie Steinbeck,

Wie DMG Mori die Fabrik der Zukunft denkt

Auf seiner Hausausstellung in Bielefeld zeigt der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori vom 23. bis 26. Juni 2026, wie sich Zerspanung, Automation und additive Fertigung zu durchgängigen Produktionssystemen verbinden lassen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Unternehmen angesichts wachsender Komplexität wettbewerbsfähig bleiben können.

© DMG Mori

Die industrielle Fertigung steht vor einem Widerspruch: Bauteile werden komplexer, Toleranzen enger, Lieferzeiten kürzer und zugleich steigt der Druck, wirtschaftlicher und ressourcenschonender zu produzieren. Für viele Unternehmen stellt sich deshalb weniger die Frage, welche einzelne Maschine sie benötigen, sondern wie sich ganze Prozessketten effizient organisieren lassen.

Wie ein solcher Ansatz aussehen kann, will DMG Mori auf seiner Hausausstellung in Bielefeld vom 23. bis 26. Juni 2026 demonstrieren. Das ostwestfälische Werk gilt seit Jahrzehnten als Zentrum für Dreh-Fräs-Technologie innerhalb des Konzerns und hat sich zugleich zu einem Kompetenzstandort für Automationslösungen entwickelt. Rund 25 Maschinen werden während der Veranstaltung im Einsatz zu sehen sein. Ergänzt wird die Ausstellung durch Seminare, Workshops und die Präsentation verschiedener DMQP-Partner, die Lösungen aus den Bereichen Werkzeuge, Werkzeugvoreinstellung und Messtechnik vorstellen.

Dabei geht es dem Unternehmen um mehr als die Vorstellung neuer Maschinen. DMG Mori verfolgt den Anspruch, unterschiedliche Technologien zu einem ganzheitlichen Produktionskonzept zusammenzuführen. Die additive Fertigung nimmt darin eine ebenso wichtige Rolle ein wie klassische spanende Verfahren, Automation, digitale Vernetzung und Serviceangebote über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine.

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Komplettbearbeitung statt Maschinenwechsel

Besonders deutlich wird dieser Ansatz im Bereich der Dreh-Fräs-Bearbeitung. Während komplexe Werkstücke früher häufig mehrere Maschinen und wiederholte Aufspannungen erforderten, sollen moderne Dreh-Fräszentren möglichst viele Arbeitsschritte in einem einzigen Arbeitsraum zusammenführen.

Die in Bielefeld gefertigten Maschinen der CTX TC- und CLX TC-Baureihen stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Sie ermöglichen eine 6-seitige Komplettbearbeitung und kombinieren Drehen, Fräsen sowie bei Bedarf auch Verzahnen und Schleifen innerhalb eines Systems. Für die Anwender bedeutet das vor allem kürzere Durchlaufzeiten, weniger Schnittstellen und eine höhere Prozesssicherheit.

Den Einstieg in dieses Segment bildet die CLX 450 TC. Für größere Werkstücke bietet DMG Mori die CTX gamma 3000 TC an, die Werkstücklängen bis 3.000 Millimeter bearbeiten kann. Die Maschine verdeutlicht zugleich, wohin die Entwicklung im Werkzeugmaschinenbau geht: weg von isolierten Bearbeitungsschritten, hin zu integrierten Fertigungsprozessen.

Wenn Roboter die Maschine versorgen

Doch selbst die leistungsfähigste Komplettbearbeitung stößt an Grenzen, wenn Maschinen auf Material oder Bedienpersonal warten müssen. Deshalb nimmt Automation auf der Hausausstellung einen zentralen Platz ein.

Automatisierte Be- und Entladeprozesse gelten inzwischen als entscheidender Hebel für eine hohe Maschinenauslastung. Während die Maschine produziert, können Beschäftigte Aufgaben übernehmen, die sich nicht automatisieren lassen – etwa in der Arbeitsvorbereitung oder Qualitätskontrolle.

DMG Mori zeigt dazu unterschiedliche Konzepte. In der Serienfertigung bleibt der klassische Stangenlader eine wichtige Lösung für die kontinuierliche Materialversorgung. Für kleinere und mittlere Losgrößen gewinnen dagegen flexible Handlingsysteme an Bedeutung.

Zu sehen sein wird die dritte Generation des Robo2Go, erstmals auch als speziell für Fräsmaschinen ausgelegte Variante Robo2Go Milling. Ergänzt wird das Portfolio durch den Robo2Go Max, der Werkstücke bis 210 Kilogramm bewegen kann. Mit der PH Cell 300 präsentiert das Unternehmen zudem eine Lösung für die automatisierte 5-Achs-Simultanbearbeitung auf einer DMC 75 monoBLOCK.

Interessant ist dabei ein weiterer Aspekt: Automation beschränkt sich längst nicht mehr auf Neumaschinen. Mit Retrofit-Konzepten versucht DMG Mori, bestehende Anlagen in moderne Fertigungsumgebungen einzubinden. Für viele Unternehmen dürfte dies ein wirtschaftlich attraktiver Weg sein, vorhandene Investitionen weiter zu nutzen und zugleich den Automatisierungsgrad zu erhöhen.

Die Verbindung zweier Welten

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Additive Manufacturing Precision Factory. Dort führt DMG Mori vor, wie sich metallischer 3D-Druck und klassische spanende Bearbeitung miteinander verbinden lassen.

Der Ablauf beginnt auf einer LASERTEC SLM-Anlage, die Bauteile im Pulverbettverfahren aufbaut. Anschließend erfolgt die Nachbearbeitung auf Universalmaschinen wie der DMU 50 oder der DMU 65 monoBLOCK.

Gerade in Industrien mit hohen Anforderungen an Präzision und Bauteilfunktionalität eröffnet diese Kombination neue Möglichkeiten. Additive Verfahren erlauben Geometrien, die mit konventionellen Methoden kaum oder gar nicht herstellbar wären. Dazu gehören etwa konturnahe Kühlkanäle in Werkzeugen. Erst die nachgelagerte Fräsbearbeitung sorgt jedoch dafür, dass Bohrungen, Gewinde und Oberflächen die geforderte Genauigkeit erreichen.

DMG Mori versteht additive Fertigung deshalb nicht als eigenständige Technologie, sondern als Teil einer durchgängigen Prozesskette. Unterstützt wird dieser Ansatz durch die Beratungseinheit Additive Intelligence. Dort analysieren Experten, welche Bauteile sich für additive Verfahren eignen, entwickeln die notwendigen Prozesse und testen diese zunächst in der Precision Factory, bevor die Produktion beim Kunden startet.

Vier Säulen für die Produktion der Zukunft

Hinter all diesen Entwicklungen steht ein strategischer Rahmen, den DMG Mori als Machining Transformation (MX) bezeichnet. Das Konzept basiert auf vier Säulen: Prozessintegration, Automation, Digitale Transformation (DX) und Grüne Transformation (GX).

Der Gedanke dahinter ist einfach: Einzelne Technologien entfalten ihren größten Nutzen erst dann, wenn sie miteinander verknüpft werden. Eine Maschine allein macht noch keine effiziente Fabrik. Erst die Verbindung von Bearbeitung, Automatisierung, Datenmanagement und Ressourceneffizienz schafft Produktionssysteme, die flexibel auf neue Anforderungen reagieren können.

In Bielefeld will das Unternehmen anhand konkreter Anwendungen zeigen, wie sich diese Idee in der Praxis umsetzen lässt. Für die Besucher dürfte dabei vor allem die Frage interessant sein, wie sich Produktivität steigern lässt, ohne dass Energieverbrauch und Kosten gleichermaßen wachsen.

Niedrige Einstiegshürden

Um die Transformation auch für kleinere und mittlere Unternehmen zugänglich zu machen, setzt DMG Mori auf sein BX-Portfolio. Maschinen wie die CLX 550 TC im Dreh-Fräs-Bereich oder die DMX 60 U für die 5-Achs-Bearbeitung sollen einen vergleichsweise einfachen Einstieg in moderne Fertigungskonzepte ermöglichen.

Bereits in der Grundausstattung sind die Systeme auf prozessintegrierte und automatisierte Produktionsabläufe ausgelegt. Hinzu kommen digitale Anwendungen wie die Steuerungsplattform CELOS X oder die DMG-MORI-Technologiezyklen, die den Zugang zum MX-Ökosystem erleichtern sollen.

Letztlich geht es dabei um eine Entwicklung, die weit über einzelne Maschinen hinausreicht. Die industrielle Produktion befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wer künftig wettbewerbsfähig bleiben will, muss Prozesse vernetzen, Automatisierung intelligent einsetzen und neue Fertigungstechnologien sinnvoll integrieren. Die Hausausstellung in Bielefeld versteht sich damit weniger als Produktschau denn als Blick auf die Fabrik von morgen.

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