Automatisierte Werkzeugmaschinen

Andrea Gillhuber,

DMG Mori zeigt ganzheitliche Automatisierungslösungen

Mit dem Joint Venture DMG Mori Heitec hat DMG Mori im November 2017 seine Automatisierungskompetenz gestärkt. Das neugegründete Unternehmen agiert als Automatisierungspartner. Aus dem Zusammenspiel zwischen dem Engineering der DMG Mori Produktionswerke und der Automatisierungskompetenz des Joint Ventures erhalten Kunden eine individuelle Lösung. Ziel ist es, gemeinsames Know-how zu bündeln, um die Entwicklung innovativer Automatisierungslösungen zu beschleunigen. Von Sascha Dietze

DMG Mori Heitec unterstützt DMG Mori bei der Entwicklung und Realisierung flexibler Automatisierungslösungen mit Blick auf die gesamte Wertschöpfung. © DMG Mori Heitec

Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz versteht sich DMG Mori Heitec als Anbieter von modular aufeinander abgestimmten Automatisierungslösungen. Bei dieser Arbeit werden DMG Mori als Werkzeugmaschinenhersteller, Kunden und auch Partner intensiv einbezogen. „Grundsätzlich realisieren wir auf Basis eines Baukastens modular aufgebaute Fertigungszellen und -systeme, die eine individuelle Einrichtung und Anpassung zulassen“, erklärt Kai Lenfert, Geschäftsführer der DMG Mori Heitec, gemeinsam mit Markus Rehm, Geschäftsführer der Deckel Maho Seebach und DMG Mori Heitec. Dies sei ein entscheidender Aspekt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. „Auch wenn diese Unternehmen einen Großteil der DMG Mori Kunden repräsentieren, differenzieren wir als Automatisierer nicht nach der Unternehmensgröße“, ergänzt Markus Rehm. Für DMG Mori zähle allein die Problemlösung. „Diese Perspektive lässt die Grenzen dann sehr schnell verschwimmen.“

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Automatisierung der Wertschöpfungskette

Mit den ersten Projekten hat DMG Mori Heitec gezeigt, dass die Grenzen verschwimmen. Bei der Leistritz Turbinentechnik in Nürnberg wurde für die Bladebearbeitung eine 5-Achs-Maschine der eVo-Baureihe von Deckel Maho Seebach mit einem robotergestützten Werkstück-Handlingsystem installiert. „Hier ging es in erster Linie darum, einen zuvor ausschließlich manuell bedienten Bearbeitungsprozess zu automatisieren“, so Kai Lenfert.

Solche konkreten Aufgabenstellungen sind nur eine Seite der Medaille. DMG Mori Heitec setzt auch auf Weitblick in der Wertschöpfung. Markus Rehm ist überzeugt: „Automatisierung ist weitaus mehr als die Summe von Maschinen und die zugehörigen Handling-, Lager- und Logistiksysteme.“ Es gehe auch darum, wichtige Implikationen der Automatisierung auf den Gesamtkomplex der Produktion zu betrachten. Kai Lenfert gibt ein einfaches Beispiel: „Ein Kunde, der sich mit einer automatisierten Anlage die mannlose Nachtschicht erschließt, muss gleichfalls in der Lage sein, im Vorfeld und in der Weiterverarbeitung die nötigen Ressourcen bereitzuhalten.“ Daraus würden sich elementare Fragen ergeben: „Gibt es genügend Programme? Sind die nötigen Rohteile und Werkzeuge vorhanden? Wer bereitet die Werkzeuge vor? Wer kümmert sich um die Rohteilversorgung? Wer prüft die gefertigten Teile und sind die nachfolgenden Bereiche für den gesteigerten Nachschub aus der mechanischen Fertigung gewappnet?“ Je komplexer die Aufgabenstellung werde, desto detaillierter müsse eine Anlage vorausschauend und vor allem wertschöpfungsintegriert geplant werden. „Das gilt im Übrigen für die Berechnung des ROI während der Investitionsentscheidung ebenso wie für den wirtschaftlichen Einsatz des Systems in der Praxis“, bemerkt Markus Rehm.

Ganzheitlicher Überblick mit Digital Engineering

Eine automatisierte Fertigungslinie. © DMG Mori

Aufgrund der unmittelbaren Interaktion mit den DMG-Mori-Werken kann DMG Mori Heitec jedes Automatisierungsprojekt sehr konkret mit dem virtuellen Abbild in Echtzeit planen und kundenbezogen optimieren. Es lassen sich sogar die konkreten Bauteilprogramme für den Kunden schon vor der Installation am Rechner simultan einfahren. Das schafft eine hohe Investitionssicherheit für den Anwender, garantiert eine schnelle Installation und Inbetriebnahme vor Ort und sorgt für einen unschlagbar schnellen Produktionsstart.

DMG Mori zeigt auf der AMB 2018 13 Hightech-Maschinen ausgestattet mit ganzheitlichen Automationslösungen. Als Neuheit präsentiert das Unternehmen den Robo2Go in der zweiten Generation. © DMG Mori

Vor allem aber kann der Kunde mit dem Wissen aus den virtualisierten Ergebnissen des digitalen Engineerings schon während der Entscheidungsphase sehr genau abschätzen, wie das System in der Prozesskette wirkt und was er gegebenenfalls unternehmen muss, um einen effizienten Betrieb des Systems und seines gesamten Produktionsablaufs zu gewährleisten. „Die zitierte Anlage von Leistritz haben wir beispielsweise mit einem virtuellen Abbild von Maschine und Robotik planen, testen und frühzeitig in Betrieb nehmen können“, erinnert sich Kai Lenfert.

Allein in den Möglichkeiten einer Echtzeitsimulation von Prozessen und der analytischen Vorhersehbarkeit von Ereignissen sieht DMG Mori Heitec einen wichtigen Baustein für Industrie 4.0. Aber Markus Rehm betont: „Automatisierung und Digitalisierung sind neben Informations- und Produktionstechnik sowie Technologie und Prozess nur zwei Elemente – und keines der Elemente kann unabhängig von den anderen betrachtet werden.“ Letztlich stehe man vor der interdisziplinären Herausforderung, den Kunden in allen Kompetenzfeldern ein adäquater und ganzheitlich guter Partner zu sein.

Die Automatisierung ist eine wichtige Säule der Zukunftsstrategie von DMG Mori: Jede vierte Neumaschine ist bereits automatisiert oder vorbereitet. © DMG Mori

Die Voraussetzungen für eine ganzheitliche Partnerschaft sind gut: „Die Innovationsführerschaft von DMG Mori im globalen Werkzeugmaschinenbau und deren engmaschiger globaler Direktvertrieb sowie das enorme Backup von DMG Mori Heitec sind markante Vertrauenspunkte, auf die unsere Kunden zählen können“, hält Markus Rehm fest. Vertrauen sei ein hohes Gut bei Digitalisierung und Automatisierung. Kai Lenfert weiß aber auch: „Wir sind uns sehr wohl der Herausforderungen bewusst, denen wir uns im Haifischbecken der Automatisierungstechnik zu stellen haben. Wir wollen nachhaltig wachsen und überlegen uns sehr genau, welche Schritte nötig sind und wie wir sie gehen werden.“

Sascha Dietze, Redakteur bei pressGate / ag

DMG Mori auf der AMB 2018

Jede vierte Neumaschine von DMG Mori ist bereits automatisiert oder vorbereitet. Von über 30 ausgestellten Exponaten zeigt das Unternehmen insgesamt 13 automatisierte Fertigungslösungen und unterstreicht damit die Bedeutung der Automatisierung. Zu den Exponaten zählen der Robo2Go 2. Generation, das Paletten-Handling PH 150 an einer CMX 800 V, die DMU 50 3. Generation mit Werkstück-Handling WH 15 und eine NHX 5000 mit Palettenrundspeicher RPS 14.

AMB 2018: Halle 10

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