Interview

Daniel Schilling,

Chancen durch Wandel

Die Werkzeughersteller wurden von der Krise 2020/21 härter getroffen als andere Industriebranchen. Daniel Schilling fragte Dr. Jochen Kress, Geschäftsführender Gesellschafter von Mapal, nach Aufschwungperspektiven und den Chancen durch die Digitalisierung und Vernetzung der Industrie.

Dr. Jochen Kress, Geschäftsführender Gesellschafter von Mapal. © Mapal

Nach dem Einbruch der vergangenen eineinhalb Jahre: Welche Trends für einen Aufschwung der Werkzeugbranche sehen Sie?

Nun, der aktuell erkennbare Aufschwung ist natürlich zuallererst ein Nachholbedarf unserer Kunden. Und diesen Aufschwung sehen wir in allen Abnehmerbranchen und Regionen der Welt. Das letzte Jahr war von so großen Unsicherheiten geprägt, dass die Unternehmen die Beschaffung von Werkzeugen extrem heruntergefahren haben. Die Lager wurden komplett leer gemacht – und müssen nun wieder befüllt werden. Dazu haben auch unsere Kunden die vergangenen eineinhalb Jahre intensiv genutzt und ihre Bauteile weiterentwickelt.

Was bedeutet der Umstieg auf Elektroantriebe im Automotive-Bereich für Werkzeughersteller?

Zunächst wird sich durch die E-Mobilität die Anzahl an zu bearbeitenden Bauteilen im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor deutlich reduzieren. In der Konsequenz werden die Bearbeitungsumfänge und auch der Werkzeugverbrauch zurückgehen. Das klingt zunächst nach einer negativen Entwicklung für die Werkzeughersteller. Aber ganz so eindimensional ist es nicht. In der Entwicklung der E-Motoren hat sich einiges getan. Die Antriebseinheiten sind komplexer geworden und die Bauteile erfordern bei der Bearbeitung eine höhere Präzision. Damit ist der Anteil der zerspanenden Fertigung an diesen Bauteilen im Vergleich zu früheren Annahmen gestiegen. Zum anderen ging man ursprünglich von einer Antriebseinheit pro Fahrzeug aus. Stand heute werden aber zum Beispiel in Allrad-Fahrzeuge ebenso wie in leistungsstarke E-Fahrzeuge zwei E-Motoren eingebaut. Schließlich muss man die Stückzahlen in der Automobilindus-trie insgesamt im Blick haben. Denn das ist das wichtigste Kriterium, wenn man das zukünftige Marktvolumen der Zerspanung in der Antriebstechnik abschätzen möchte. Schlussendlich bedeutet die Elektrifizierung der Mobilität einen großen Umbruch für die Werkzeughersteller. Aber dieser ist durchaus mit Chancen für qualitativ hochwertige Bearbeitungslösungen verbunden.

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Wie werden sich Entwicklung, Produktion und Betrieb von Werkzeugen in die digitale Fabrik einfügen?

Fangen wir mit dem Betrieb von Werkzeugen an, also mit dem Nutzen, den die Kunden aus digitalisierten Werkzeugen ziehen können. Für den Einsatz in einer digitalen Fabrik müssen Werkzeuge serialisiert und digitalisiert sein. Das heißt, sie müssen im Betrieb digital nachverfolgbar sein, sodass ein Kundenmitarbeiter nicht durch das Werk rennen und ein Werkzeug suchen muss. Sie müssen automatisch an der Maschine einlesbar sein, mit den optimalen Bearbeitungsparametern, mit Informationen zur aktuellen und prognostizierten Standzeit und zum Verschleißverhalten. Der „digitale Zwilling“ der Werkzeuge kann darüber hinaus Optionen zu Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen. Diese Themen sind im Rückschluss Anforderungen für die Produktentwicklung und Produktion von Werkzeugen. Digitale Daten stellen einen wesentlichen Punkt im Life Cycle Management dar und werden bereits am Anfang der Entwicklung festgelegt.

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