Wirtschaft + Unternehmen

"Schneller als der Wettbewerb"

Der Antriebs- und Steuerungsspezialist Bosch Rexroth positioniert sich erfolgreich als Komplettanbieter für Automatisierungstechnik im Markt. Wie – das erfuhr Chefredakteur Hajo Stotz vom Vorstands- vorsitzenden Manfred Grundke. „Schneller als der Wettbewerb“

SCOPE: Im Geschäftsjahr 2005 erzielte Bosch Rexroth einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro und damit ein Plus von 12,6 Prozent. Welche Ziele haben Sie für das Geschäftsjahr 2006? Grundke: Das Geschäftsjahr 2006 lief wie bei allen anderen Maschinen- und Anlagenbauern besser als geplant. Der befürchtete konjunkturelle Einbruch hat nicht stattgefunden. Im Gegenteil. Das Inlandsgeschäft hat sich ganz deutlich belebt. Damit wird Bosch Rexroth 2006 wieder ein sehr gutes Wachstum erzielen. Wir nähern uns der fünf Milliarden-Grenze.SCOPE: Für 2007 sagen die Prognosen für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von zwei oder mehr Prozent voraus. Wird das Bosch Rexroth ausreichen, um die Produktionsstandorte im Inland zu stärken oder werden zukünftig Arbeitsplätze überwiegend im Ausland aufgebaut? Grundke: Zwei Prozent Wachstum im Inland reichen nicht aus. Wir müssen unsere Produktivität jedes Jahr mindestens um fünf Prozent steigern, das ist die Untergrenze. Das bedeutet, dass wir drei Prozent vom Wettbewerb holen müssen, um die Beschäftigung zu halten. Wir erreichen jedoch mehr. Uns ist es in 2005 gelungen, rund 200 Stellen im Inland zu schaffen. In China wachsen wir seit Jahren um die 20 Prozent. Dort entsteht natürlich auch Beschäftigung. Dasselbe gilt für die USA. In Deutschland ist die Wachstumsdynamik noch zu gering.SCOPE: Wo sehen Sie Wachstumsbereiche? Grundke: Für uns ist die Fabrikautomation das Wachstumsthema Nummer 1. Hier haben wir mit neuen Steuerungsgenerationen Voraussetzungen geschaffen, im traditionellen Werkzeugmaschinenbereich, aber auch in anderen Motion-Control-Applikationen deutlich wachsen zu können. Die Produktinnovationen zeigen den gewünschten Effekt. Das wird gerade im Bereich Steuerungen zu erheblichen Wachstumsmöglichkeiten führen. SCOPE: Wettbewerber aus dem Bereich Fabrikautomation, die bisher auf bestimmte Bereiche spezialisiert waren, bauen ihr Angebot sehr stark aus, etwa Festo in Richtung elektrischer Antriebstechnik oder SEW in Richtung Komplettlösungen. Wie sehen Sie diesen Trend?Grundke: Das Thema Komplettanbieter haben wir als Erste propagiert. Es bestätigt natürlich unsere Strategie, dass andere Wettbewerber diesem Weg nun folgen. Rexroth hat alle Antriebs- und Steuerungskomponenten unter einem Dach. Das zeigen wir nicht nur mit dem Slogan ´The Drive & Control Company`, sondern auch unser Angebot ist deutlich kompletter als das der Wettbewerber. Wir sind zudem mit einer sehr hohen Lösungskompetenz ausgestattet. SCOPE: Im Bereich der CNC- und SPS-Steuerungen hinkte Bosch Rexroth jahrelang Wettbewerbern hinterher. Hat sich das seit der Einführung des neuen Steuerungsportfolios vor drei Jahren geändert und wie reagiert der Markt?Grundke: Auf der technischen Seite haben wir mit Sicherheit die gesteckten Ziele erreicht. Was die Zykluszeiten angeht, ist unsere CNC-Steuerung MTX insbesondere schneller als der Wettbewerb. Bei der Umsatzentwicklung ist es leider so, dass der Werkzeugmaschinenbau derzeit, bedingt auch durch die Entwicklung im Automobilbereich, schwächelt. Das ist für uns nicht zu kompensieren gewesen, da geht es etwas langsamer voran als wir geplant haben. Doch das Produkt selbst ist außerordentlich gut und auch die OEM sind davon begeistert. SCOPE: Konnten Sie auch neue Kunden gewinnen?Grundke: Aktuell setzen bereit mehr als 50 Maschinenhersteller die Indramotion MTX ein. Darunter sind Unternehmen wie Emag, Bahrmüller, Starrag Heckert, Grob oder Mikron. Mehr als 1.000 Steuerungen wurden an Maschinen appliziert, davon befinden sich circa 400 Maschinen in Serienproduktion. Durch den Ausbau zu einer kompletten, in Hard- und Software skalierbaren, Steuerungsfamilie steigen diese Zahlen steil an.SCOPE: Wohin gehen die weiteren Entwicklungen bei der Antriebs- und Steuerungstechnik?Grundke: Der Trend geht zu intelligenten Antrieben. Entsprechende Produkte hat Rexroth bereits gezeigt, wie die innovative Motor-Regler-Integration Indradrive MI. Integrierte Achsen sind eine Technologie, die kommen wird. Das zweite, was wir betreiben, ist die Entwicklung einer Steuerungsoberfläche, die es erlaubt, Hydraulik, Pneumatik, Elektrik und Elektronik über eine einzige Engineering-Oberfläche zu betreiben. Das bringt für den Kunden deutliche Kosteneinsparungen bei der Inbetriebnahme, bei der Projektierung und natürlich große Einsparungen im Service. Der Servicetechniker muss nicht mehr für vier oder fünf Servicearchitekturen ausgebildet werden, sondern nur noch für eine. SCOPE: Wenn Sie ein Resümee der vor fünf Jahren durchgeführten Zusammenführung von Bosch Automationstechnik und Mannesmann Rexroth zu Bosch Rexroth ziehen, wie sieht es aus? Haben Sie die angestrebten Ziele erreicht?Grundke: Der Merger ist erfolgreich abgeschlossen. Wir sind seit dem Zusammenschluss um über eine Milliarde Euro gewachsen, wir konnten unsere Ertragskraft deutlich steigern, wir haben die Beschäftigtenzahl im Inland gehalten und im Ausland deutlich ausgebaut. Und auch unsere Marktanteile haben wir in weiten Bereichen nicht nur halten, sondern ausbauen können. Da kann man sicher von einem gelungenen Merger sprechen.

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