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Artikel und Hintergründe zum Thema

Shopfloor für Datenräume öffnen 

Melanie Steinbeck,

Die WGP will KMU bei Digitalisierung unterstützen

Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) hat auf ihrer Frühjahrstagung vom 5. bis 8. Mai in Maastricht die Digitalisierung insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in den Mittelpunkt gestellt. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise der Industrie hatten die Forschenden Vertreter aus Unternehmen, Politik und Verbänden eingeladen, um gemeinsam Wege für die Transformation zu diskutieren.

Podiumsdiskussion zur Frage, wie Datenräume im Shopfloor ankommen auf der WGP-Frühjahrstagung, 5. bis 8. Mai 2026 in Maastricht, (v.l.n.r.): Ingo Sawilla, R&D Manager Research, Head of Manufacturing X bei Trumpf, Dr. Marc-André Dittrich, Manager Central Development Coordination & Research Manager bei DMG Mori, Dr. Marc Hüske, Leiter Forum Manufacturing X beim VDMA, Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referats Digitalisierung und Industrie 4.0 beim BMWI. © Tobias Kaufmann

„Zwar gelingt es uns dank der regelmäßigen Kontakte zu Entscheidern des Bundesforschungs- und des Bundeswirtschaftsministeriums immer wieder, Themen der Produktionsforschung in die Ministerien zu tragen“, erläutert Prof. Jürgen Fleischer, Präsident der Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) und Leiter des Instituts für Produktionstechnologie (wbk) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zugleich mahnte er zur Beschleunigung: „Wir wollen unsere Kontakte jedoch ausweiten, um schneller zu werden“, sagte er. Und weiter: „Mit Blick auf die vielzitierte Chinese Speed bleibt uns nicht viel Zeit, wenn wir mit unserer einzigartigen Expertise in der Produktionstechnik im internationalen Wettbewerb bestehen wollen.“

Auch Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, zeichnete in seiner Rede ein ambivalentes Bild. Trotz der schwierigen Lage im Maschinen- und Anlagenbau gebe es Lichtblicke: Dazu zähle die international starke wissenschaftliche Infrastruktur ebenso wie die führende Position in der intelligent vernetzten Produktion im Shopfloor. Auch in der Automatisierungstechnik sei Deutschland gut positioniert. Daraus ergäben sich Chancen für neue Geschäftsmodelle – allerdings nur, wenn Wissen schneller aus den Hochschulen in die Unternehmen gelange.

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„Damit spricht mir Hartmut Rauen aus der Seele“, sagte Fleischer. „In der WGP ist uns der beschleunigte Wissenstransfer seit langem ein Anliegen. Aus diesem Grund haben wir schon vor vielen Jahren die Produktionsakademie gegründet. Auch sprechen wir derzeit über ein Projekt zur niedrigschwelligen Forschungsförderung für KMU.“

Shopfloor als Datenraum

Rauen verwies zugleich auf die strukturellen Belastungen der Branche: „Deutschlands Maschinenbauer sind höchst wettbewerbsfähig, kämpfen jedoch mit hoher Last schlechter Rahmenbedingungen am Standort.“ Dennoch sehe er Chancen, etwa im Feld der humanoiden Robotik. „Diese neue Maschinengattung trägt die physische KI in die Welt hinaus“, sagte er. „Um vorne mitzuspielen, sind wir gut aufgestellt, wir haben den Legokasten und die besten Akteure. Aber wir müssen jetzt aktiv werden.“

Die Digitalisierung der KMU müsse dafür deutlich beschleunigt werden. Die WGP habe hierzu bereits ihr Positionspapier „KI in der Produktion“ vorgelegt. „Bis zum Herbst werden wir außerdem ein Positionspapier zur Humanoiden Robotik fertigstellen. Damit wollen wir Politik und Industrie die Potentiale dieser neuen Technologien aufzeigen und Handlungsempfehlungen geben“, so Fleischer.

Wie groß der Nachholbedarf ist, zeigte Ingo Sawilla, R&D Manager Research – Head of Manufacturing X bei TRUMPF. Zwar sei die Gleichung Daten = Infos = Wissen = Werte in der Industrie bekannt, doch würden viele KMU sogenannte Datenräume noch nicht nutzen. Diese ermöglichten es, dass autorisierte Partner Informationen sicher austauschen können, ohne sensible Geschäftsdaten preiszugeben. Besonders deutlich werde der Nutzen etwa bei Predictive Maintenance: Durch Datenanalyse ließen sich Maschinenausfälle frühzeitig erkennen und verhindern.

Eine entsprechende Infrastruktur für souveränen Datenaustausch – basierend auf gemeinsamen Regeln, Standards und Vereinbarungen – eröffne vor allem kleineren Unternehmen neue Perspektiven. In Datenökosystemen könnten sie sich mit Kunden und Partnern vernetzen, ihre Wertschöpfung digitalisieren und neue, serviceorientierte Geschäftsmodelle entwickeln.

Manufacturing-X als industriepolitischer Hebel

Das Bundeswirtschaftsministerium treibt diesen Ansatz unter dem Begriff Manufacturing-X gezielt voran, um Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit der Industrie zu stärken. „Diese Entwicklungen sind ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor“, sagte der Präsident der Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP). „Gerade unser Mittelstand darf die Zeichen der Zeit nicht verschlafen. Wir sind noch immer international führend in Sachen Produktionstechnik und auch mit Manufacturing-X international vorne dabei. Aber die Produktivität der Unternehmen sinkt. Wenn wir die Digitalisierung jetzt nicht schnell genug in den Shopfloor bringen, werden wir sehr schnell abgehängt werden.“

Künstliche Intelligenz könnte dabei zum Wendepunkt werden. Sawilla zeigte dies am Beispiel der Fertigung: Während erfahrene Maschinenbediener Jahre benötigen, um Bauteile im Bereich weniger Tausendstel Millimeter exakt herzustellen, erreiche eine KI-gesteuerte Maschine diese Präzision bereits nach wenigen Monaten. Auch Automatisierung und insbesondere autonome Fertigung versprächen deutliche Produktivitätsgewinne – bis hin zu Szenarien, in denen auch ungelernte Arbeitskräfte hochwertige Ergebnisse erzielen könnten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels könne dies den Fachkräftemangel abmildern.

Factory-X als Testfeld der Transformation

Ein konkretes Versuchsumfeld für diese Entwicklungen ist Factory-X. Die dort erprobten geschützten Datenräume gelten als Testlabor für neue Produktionsprozesse, die sich perspektivisch auf ganze Branchen übertragen lassen. „Mit Manufacturing-X und seinen Initiativen sichert Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Sawilla. „Aber wir müssen in der Umsetzung schneller werden und bleiben. Dabei müssen wir unseren Vorteil in der starken Forschung in den Produktionswissenschaften maximal nutzen.“

Zum Abschluss betonte Fleischer die politische Dimension der Transformation: „Um die Digitalisierung auf dem Shopfloor und die Anbindung der Unternehmen an die übergeordneten Datenökosysteme schnell voranzubringen, brauchen wir den engen Schulterschluss von Industrie, Forschungsinstituten und Politik.“

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