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Messtechnik treibt die Technologiebranchen
Mess- und Prüftechnik auf der einen und Fertigungstechnik auf der anderen Seite sind vielfach eine untrennbare Symbiose eingegangen. Neue Fertigungstechnologien sind ohne neue Mess- und Prüfmethoden kaum noch zu realisieren. Andererseits profitiert die Messtechnik, innerhalb einer expandierenden Branche, mit einer kleinen Sonderkonjunktur. Die Technologie-Entwicklungen der Fertigung ist mit ihrer Mess- und Prüftechnik eng verzahnt: Beide befruchten sich wechselseitig. Unser Beitrag von Messemacher Eberhard Schall.
In der ¿Präzisionswerkzeug-Industrie¿, die für das Jahr 2000 einen Umsatz von rund 14 Milliarden DM erwartet, hat der Branchenzweig ¿Fertigungs-Mess- und Prüftechnik¿ einen Anteil von etwa 13 Prozent. Rund 56 000 Beschäftigte produzieren die modernen Messzeuge und Prüfmittel, die eine High-tech-Fertigung erst möglich machen. Messmittel- und Prüftechnik-Produzenten dürfen sich dabei über ein regelmäßiges Wachstum von sieben bis acht Prozent pro Jahr freuen. Diese vom VDMA ermittelten Zahlen beschreiben eine der interessantesten Querschnittsbranchen Deutschlands. Ähnliche Trends sind in allen Ländern mit bedeutender industrieller Produktion zu beobachten.
Fördergemeinschaft auf Gegenseitigkeit
Verstärkt wird der positive Trend vor allem durch Fortschritte und Forderungen der Fertigungstechnik und der neuen Fertigungstechnologien, die sich in den letzten Jahren zur Serienreife entwickelt haben: Pauschal gesehen und erwähnt, haben hier Trockenbearbeitung und Minimalmengenschmierung, High Performance Cutting, High Speed Cutting HSC, die Hartbearbeitung, neue Schneidstoffe und ihre besseren Beschichtungen ihre Wirkung auch auf Messzeuge und Prüftechnik. Fertigungstechnologien und das Mess- und Prüfwesen beeinflussen sich gegenseitig ¿ als eine Art ¿Fördergemeinschaft¿ auf Gegenseitigkeit.
Die Mess- und Prüftechnik hat sich deswegen verändert ¿ und entwickelt sich weiter. Dabei sind einige ¿Entwicklungsrichtungen¿ als Trends festzustellen: Mehrbedarf und erhöhte Nachfrage ergeben sich schon durch eine ¿Dezentralisierung¿ durch den Abbau der Fertigungstiefe bei vielen Unternehmen und die Verlagerung zu Unterlieferanten. Die Automobilindustrie hat es vorgemacht, andere Branchen haben nachgezogen. Wer per Outsourcing Aufträge nach außen vergibt will sich darauf verlassen können, dass seine Zulieferer nach den gleichen Qualitätsstandards messen und prüfen, wie im eigenen Hause praktiziert. Lieferanten müssen dafür natürlich auch alle erforderlichen Mess- und Prüfmittel vorhalten. Bedarf und Nachfrage für Mess- und Prüftechnik steigen.
Messtechnik im Blaumann
Die Mess- und Prüftechnik wechselt vom ¿Weisskittel zum Blaumann¿ und zieht ¿ teilweise ¿ um: Sie verlässt den temperierten Messraum und hält verstärkt Einzug in die Fertigung. Statt den Fertigungsablauf durch Messen und Prüfen zu unterbrechen und aufzuhalten, werden Messungen vor Ort in der nächsten Umgebung des Produktionsprozesses vorgenommen. Das spart den Weg in den Messraum und nutzt bisher unproduktive Wartezeiten von Maschinenbedienern. Zudem stärkt diese Entwicklung nachhaltig die Eigenverantwortlichkeit der Werker. Wenn niemand mehr die Werker überwacht und diese sich und ihre Produkte selbst kontrollieren müssen, dann müssen die Messmittel in der Fertigung arbeitsplatznah parat sein. Das Messen im Produktionsumfeld verlangt aber auch nach Messzeugen und Prüfmitteln, die fertigungstauglich sind: Möglichst unempfindlich gegen Vibration, Lärm, Schmutz, Flüssigkeiten. Diese Messmittel müssen auch von einem ¿Blaumann¿ schnell, ergonomisch und verlässlich zu handhaben sein. Dabei wird der Faktor ¿Mess-Zeit¿ immer wichtiger ¿ Prüfmittel und Prüfplätze müssen schneller arbeiten. Bei der konservativen, stichprobenartigen Gelegenheitskontrolle, eventuell noch im klassischen Messraum, lassen sich eben andere, ¿kompliziertere¿ Messmittel einsetzen, als an der Drehmaschine in der Fertigungshalle.
Als wahrer Partner und Förderer der Fertigung erweist sich die moderne Mess- und Prüftechnik aber vor allem dann, wenn die vor Ort ermittelten Messwerte im geschlossenen Regelkreis auch gleich wieder der Fertigung zufließen und den Fertigungsvorgang beeinflussen. Oder wenn die Messtechnik die Toleranzen so ermittelt und regelt, dass vernünftige und angemessene Qualität produziert werden kann ¿ aber auch nicht mehr Qualität und geringere Toleranzen als nötig. Die Messtechnik macht es möglich, die qualitativen, organisatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen unter einen Hut zu bringen.
Eine erfreuliche Entwicklung ist sicher, dass Standard-Messzeuge und -Prüfmittel kostengünstiger werden: Ursache ist nicht nur durch das gesteigerte Produktionsvolumen bei den Herstellern, sondern auch der Einsatz von Elektronik. Einfachere Messmittel durchlaufen manchmal schon gar nicht mehr den komplizierten Vorgang der Überprüfung und Nach-Kalibrierung im Kalibierlabor: Der Aufwand für die Nachkalibrierung wäre hier, bei geringwertigeren Investitionsgütern, kostenaufwendiger als es Austausch und Neubeschaffung sind.
Immer mehr Elektronik bedeutet aber gleichzeitig auch einen Gewinn für die Qualität: Menschen machen Fehler, die Elektronik macht keine und bringt damit eine Sicherheit, die ¿menschliches Versagen¿ ausschließt. Die direkte Übermittlung der Messwerte durch die Anbindung an das Qualitätsmanagement wie SPC-Systeme (Statistical Process Control) schaltet eine weitere Fehlerquelle aus.
Messegeschehen spiegelt Branchenbedeutung
Welches Indiz wäre tauglicher, diese Einsichten zu untermauern, als die Entwicklung der klassischen Branchenmesse für die Fertigungs-Mess- und Prüftechnik, die alljährliche ¿Control¿ in Sinsheim: Die Entwicklung dieser Qualitäts-Fachmesse verlief praktisch parallel zu Konjunktur und Branche ¿ und damit genauso erfolgreich: Seit 1987, dem Jahr der Messe-Premiere, ist sie von knapp 100 auf fast 700 Aussteller gewachsen und hat bei den Fachbesuchern eine Vervierfachung von 5643 auf 21 548 Personen erlebt. Die Netto-Ausstellungsfläche hat sich dabei von knapp 3000 auf mehr als 16 600 Quadratmeter nahezu versechsfacht. Solche Zuwächse und ihre Fachkompetenz haben die ¿Control¿ zum weltweit wichtigsten jährlichen Branchen-Treffpunkt ¿ und zur internationalen Leitmesse für die Qualitätssicherung gemacht.
Durchaus wahrscheinlich erscheint, das die ¿Control¿ mit ihrem Start als Branchenmesse, der jetzt schon fast 14 Jahre zurückliegt, den Trend zur Qualitätssicherung eingeleitet oder mindestens stark beschleunigt hat. Zumindest aber hat sie die Qualitätssicherung in Deutschland unterstützt und gefördert. Gleichzeitig hat sie vom Branchen-Wachstum profitiert und sich so zur heutigen weltweiten Leitmesse entwickelt.
Die Fachmesse spiegelt die einzelnen Trends im Bereich Mess- und Prüftechnik und der gesamten Qualitätssicherung sehr gut wider: Die letzte Rekordveranstaltung im Mai 2000 bot ein perfektes Abbild der Branche und damit mehr Mikroskope und Bildbetrachtungssysteme, mehr Bildverarbeitung, mehr fertigungsnahe Mess- und Prüfmittel, mehr Elektronik und mehr preiswerteres ¿Messzeug¿. Sie expandierte auch in neue Arbeits- und Anwendungsfelder und erschließt jetzt ganz offensichtlich auch die ¿nichtmetallischen¿ Bereiche, so beispielsweise die Kunststofftechnik und die Elektro- und Elektronik-Industrie.
Günstige Aussichten für die Branche
Zweifellos bewegen sich sowohl die Fachmesse als auch die gesamte Branche der Mess- und Prüftechnik in einem weiterhin wachsenden Markt: Ein Markt, der noch längst nicht gesättigt ist, wie Branchenexperten meinen. Sie betonen, dass es immer noch einen großen Nachholbedarf gibt, weil es in vielen Unternehmen erhebliche ¿Altlasten¿ im Mess- und Prüfbereich auszutauschen und zu ersetzen gilt. Soviel, dass der Branche der Mess- und Prüftechnik, weich eingebettet in die Hochkonjunktur bei der Qualitätssicherung, eine glänzende Zukunft vorausgesagt werden darf.
Eberhard Schall








