Wirtschaft + Unternehmen
Handeln oder Verhandeln?
¿Das dürfen Sie nicht dem Mann an der Maschine überlassen!¿ So hörte ich es neulich von einem Fertigungsleiter, der sein Kühlschmierstoff-Management aus der Hand gegeben hat. Sein Dienstleister kümmert sich um alles, den staucht er zusammen, wenn irgendwas nicht klappt oder seine Mitarbeiter sich beschweren. Statement, das mich genau so überzeugte: ¿Wir bereiten selbst auf, haben Beratung vom Anlagenhersteller und vom Kühlschmierstofflieferanten ¿ und sparen dabei!¿ Ein anderes Wie soll man sich also entscheiden? Welche Kriterien bestimmen die einzuschlagende Richtung? Gibt es zu diesem Thema überhaupt ein Richtig oder Falsch?
Wer im Gestank der Kühlschmierstoffe arbeitet, Milliarden von Bakterien und Pilzen auf Werkzeug und Werkstück schießt, dann aus Verzweiflung mit Chemie gegen Gestank und Mikroorganismen kämpft, der braucht sich nicht über allergischen Hautausschlag und Atemwegsbeschwerden seiner Mitarbeiter zu wundern. So geht es jedenfalls nicht! Und wenn Sie glauben, so macht das natürlich auch niemand, dann liegen Sie falsch. Dummheit ist ein großer und starker Feind! Das ¿Beimischen¿ ist gängige Praxis ¿ denn was nach Veilchen duftet, das muss ja wohl gesund sein. . .
Aufbereiten ¿ Ein Thema mit begrenzter Lebensdauer?
Der Trend geht zur Trockenbearbeitung! Eine Meldung, die alle Kühlschmierstoffanbieter völlig kalt lässt. Gelassenheit statt Aufregung. Weshalb? Wo doch ganze Märkte wegbrechen könnten, der Anlagenbau einen Geschäftszweig aufgeben müsste... Den riesigen international arbeitenden Mineralölkonzernen ist das Ganze natürlich völlig Schnuppe: Kühlschmierstoffe, das sind Peanuts, Stellen hinter dem Komma in der Bilanz. So lange die den Benzin-, Diesel- und Heizölpreis diktieren können, wird es ihnen gut gehen. Aber auch die kleinen, überwiegend mittelständisch organisierten Anbieter machen sich deshalb keine Sorgen: Trockenbearbeitung, das kann nicht der Metallbearbeitungs-Standard werden, denn der Werkzeugverschleiß steigt ohne Kühlung und Schmierung gigantisch an.
Etwas anders sieht es da schon mit der Minimalmengen-Schmierung aus: Nur sehr geringe Mengen des Kühlschmierstoffs, keine Aufbereitungsanlagen, keine Umweltproblematik! Das hat schon eine etwas bedrohlichere Qualität. Aber die Kühlschmierstoff-Anbieter könnten umdenken in Richtung: Klasse statt Masse ¿ auch von Spezialitäten lässt es sich gut leben. Aufbereitungsanlagen würden allerdings nicht mehr benötigt, wenn auch der Bedarf an Ölnebelabsaugungen und -filteranlagen steigen würde. Doch auch die Minimalmengen-Schmierung wird nicht der neue Metallbearbeitungs-Standard, denn der Werkzeugverschleiß liegt immer noch deutlich höher als beim ausgiebigen Bad im Kühlschmierstoff-See.
Die Aufbereitungsproblematik bleibt also erhalten und es geht weiterhin darum, den wirtschaftlichsten Weg für das eigene Unternehmen zu finden. Ein Weg der nicht nur durch das Dickicht der Kostenrechner führt, sondern der auch mit den Steinen der Vorurteile, Vorlieben und Emotionen gepflastert ist.
Handeln oder Verhandeln?
Viele Wege führen nach Rom und viele Möglichkeiten bieten sich an, um das, was wir heute Kühlschmierstoff-Management nennen, in den Griff zu bekommen. Der einfachste (aber teuerste und schlechteste) Weg ist der des Totalaustausches: Neuer Kühlschmierstoff wird angesetzt, alle Maschinen bekommen neue Emulsion, wenn Geruch oder Farbe nicht mehr stimmen wird die Brühe ausgetauscht und entsorgt. Nachteile sind hohe Kosten für Anschaffung und Entsorgung. Zudem weiß niemand, was sich bis kurz vor dem Austausch im Kühlschmierstoff angesammelt hat (Fremdöle, Korrosionsschutz-Reststoffe, Reinigungsmittel, Kalk, Schmutz, Metallabrieb) oder bilden konnte (Bakterien, Hefen, Pilze). Es besteht also Gesundheitsgefahr für das Maschinenpersonal, ein Optimieren der Schmierwirkung für verschiedene Arbeiten oder Materialien ist nicht möglich und die Standzeit der Emulsion verkürzt sich drastisch durch Verschmutzung oder Mikroorganismen. Das ist allenfalls also eine Lösung, wenn Sie nur eine oder zwei Maschinen laufen lassen, wobei Sie schon deshalb noch tiefer in die Tasche greifen müssen, weil Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter auf gar keinen Fall gefährden dürfen. Der teure Kühlschmierstoff fließt also fast ohne Arbeitsaufenthalt in der Maschine direkt zum Entsorger.
Eine echte Alternative für kleinere Mengen des Kühlschmierstoffs bietet der Mobilservice. Sie arbeiten wie gewohnt und brauchen sich um nichts mehr zu kümmern. Der Mobilservice kommt in vorher vereinbarten Intervallen zu Ihnen, bringt eine Aufbereitungsanlage mit, verfügt über die notwendige Mess- und Analysetechnik, bereitet auf, dosiert Chemikalien zu und entsorgt auch, wenn der Austausch notwendig ist. Es unterliegt allein Ihrem Verhandlungsgeschick, wie preisgünstig Sie diesen Dienst, der Sie auch von allen arbeitsschutzrechtlichen und umweltschutzrelevanten Sorgen befreit, einkaufen.
Wer einen größerer Maschinenpark betreibt, der kann auf die eigene Aufbereitung umsteigen. Mit Sicherheit eine kostengünstige Variante des Kühlschmierstoff-Managements, doch auch mit etwas Mühe verbunden. Wenn Sie solch eine Anlage selbst betreiben, dann bekommen Sie zwar vom Anlagenbauer und von Ihrem Chemielieferanten ausreichend Beratung, doch um die Mess- und Analysetechnik, um die Umweltschutzauflagen und um den Arbeitsschutz der Mitarbeiter müssen Sie sich selbst kümmern.
Die ganze Gesichte können Sie natürlich auch an einen Dienstleister abgeben. Dann kann es Ihnen völlig gleichgültig sein, wie und wo der die alte Brühe wieder flott macht. Sie machen Ihre Wünsche und Auflagen zum Vertragsbestandteil, müssen dann allerdings für solch großen Service ordentlich berappen, sind aber alle möglichen und denkbaren Sorgen los.
Und zwischen diesen vier genannten Varianten liegen noch sehr viele Zwischenlösungen und Kompromisse. Was sich aber immer bei solchen Überlegungen abzeichnet, ist, dass es nicht ausschließlich um die Kosten geht. Wahrscheinlich wäre es viel zu einfach, nur die Angebote verschiedener Dienstleister und Anlagenbauer miteinander zu vergleichen. So hörte ich neulich das Statement: ¿Wir sind Metallbearbeiter, Lohnfertiger für Dreh-, Fräs-, Bohr- und Montagearbeiten. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenz. Deshalb werden wir keine Aufbereitungsanlage betreiben, auch wenn das Ganze eindeutig preiswerter wäre.¿
Fakten zum Thema
Wie jede Branche, die etwas auf sich hält, so hat auch das Kühlschierstoff-Umfeld seine eigenen Kürzel. Lassen Sie sich nicht verwirren. KSS steht für Kühlschmierstoff, sagen Sie also niemals Kühlschmiermittel, denn sonst funktioniert das zweite ¿S¿ im Kürzel ja nicht mehr. Und mit MMS ist die Minimalmengenschmierung gemeint. Daraus leiten sich dann Abkürzungen her, nach denen man aber durchaus fragen kann, ohne sich zu blamieren. Sie müssen nicht unbedingt wissen, dass MMSM für das Minimalmengenschmiermanagement steht oder mit KSSA die Kühlschmierstoffanalytik meint.
Jährlich werden allein in Deutschland zwischen 75 000 und 90 000 Tonnen Kühlschmierstoff verbraucht. Das sind beieindruckende Mengen, die verdeutlichen, dass es ein vernünftiges Ziel ist, diese Flüssigkeiten in geschlossenen Kreisläufen zu fahren. Aufbereitung wird zum Muss, da einmal gebrauchsunfähig gewordene Brühen nicht mehr mit vertretbarem technischem Aufwand recycelt werden können. Es bleibt dann nur die möglichst umweltverträgliche Entsorgung.
Auch die Kosten deuten mit Sicherheit in Richtung Aufbereitung. Obwohl es, abhängig von der jeweiligen Fertigung und betriebsbedingt, unterschiedliche Zahlen gibt, zeichnet sich aber ein Mittelwert ab. So haben die Kühlschmierstoffkosten mit 7,5 Prozent einen kräftigen Anteil an den Gesamt-Fertigungskosten. Dabei können bis zu 60 Prozent der Kühlschmierstoffkosten auf Investitionen entfallen, was aber nicht heißen soll, dass die eigene Aufbereitungsanlage unwirtschaftlich wäre. Ganz im Gegenteil, denn die Verlängerung der Standzeit auf das Fünffache fängt diese Kosten schnell wieder auf.
Informationsquellen
Kühlschmierstoffanbieter, mobile Aufbereiter, Aufbereitungsanlagen-Hersteller, Kühlschmierstoff-Manager und Planungs- und Beratungsdienstleister finden Sie leider nicht zentral an einer Stelle oder in einem Nachschlagewerk. Das liegt schlichtweg daran, dass dieses Arbeitsfeld keinen eigenen Verband hat und die einzelnen Unternehmen verschiedenen Branchen zugehören. Wer hier recherchieren will, der sollte sich zwei Stunden Zeit für das Internet nehmen. Die stinknormalen Suchmaschinen liefern schon auf das Suchwort ¿Kühlschmierstoff¿ oder ¿Kühlschmiermittel¿ mehrere hundert Treffer. Selbst auf so spezielle Din- ge wie ¿Kühlschmierstoff-Aufbereitung¿ reagieren sie noch, wenn auch mit magerer Ausbeute. Wer ganz sicher gehen will, der geht über eine der Meta-Suchmaschinen, zum Beispiel http://www.metager.de, die dann über eine große Auswahl von verschiedenen Suchmaschinen suchen.
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Seibt-Nachschlagewerken gemacht. Dieser Verlag hat sich auf Nachschlagewerke spezialisiert und aktualisiert seine Daten (Firmen, Adressen, Produkte und Dienstleistungsangebote) in vorbildlicher Weise. Dort können Sie zwischen Branchen-Nachschlagewerken im Buch-Format, den Daten auf CD-ROM oder auch dem Internet wählen. Unter http://www.seibt.de dürfen Sie sogar kostenlos in deren Daten suchen. Das Angebot umfasst die Industriedatenbank, die Medizintechnik, die Umwelttechnik, die Verpackungstechnik und die Oberflächentechnik.
Eine andere gute Infoquelle, in der man auch kostenlos wühlen darf, finden Sie unter http://www.wlw.de. Sie landen bei ¿Wer liefert was?¿, ebenfalls ein großer Anbieter von Nachschlagewerken.
Dieter Capelle / Mai 2000
Links: http://www.seibt.de, http://www.wlw.de, http://www.himtech.com








