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Deutsche Edelstahlwerke: Größte Investition seit 20 Jahren für Standort Witten

Die Deutschen Edelstahlwerke investieren rund 50 Millionen Euro in den Umbau und die Modernisierung der Sekundärmetallurgie am Standort Witten. Nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 2014 werden sich die Anlagen auf dem aktuellen Stand der Technik befinden. Mit der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Stahlproduzenten und der Firma Inteco, einem bekannten Anlagenbauer für Stahlproduktionsanlagen, fiel der offizielle Startschuss für die Maßnahmen. Bereits heute kann mit einer modernen 3D-Software der Firma Inteco die zukünftige Anordnung der Anlagen und der gesamte Betriebsablauf simuliert werden.

Vordere Reihe sitzend: Dirk Wallesch (Geschäftsführer Deutsche Edelstahlwerke GmbH), Dr. Harald Holzgruber (Geschäftsführer Inteco Holding GmbH) Hintere Reihe: Michael Luven (Vice President Sales Inteco), Thomas Pieper (Leitung Stahlwerk Witten), Marc Grasse (Investitionsmanagement), Bernd Goos (Technischer Einkauf), Albert Schwätzer (Schmelzbetrieb-Rohstoffe), Matthias Hooß (Stahlwerk-Prozessdatentechnik), Antje Gräb (Leitung Klima- und Umweltschutz), Max Heumann (Leitung Anlagentechnik)

"Ein Betriebsstillstand ist undenkbar, eine akribische Vorplanung der einzelnen Schritte daher umso wichtiger", erläutert Dirk Wallesch, Geschäftsführer der Deutschen Edelstahlwerke, die Zusammenarbeit. Die Sekundärmetallurgie ist ein Kernbereich bei der Edelstahlerzeugung, denn erst hier erhält der im Elektrolichtbogenofen erschmolzene Rohstahl mithilfe zugeführter Legierungselemente nicht nur die gewünschten Eigenschaften, sondern auch diverse qualitätssteigernde Nachbehandlungen. In Witten bilden Pfannenofen, Legierungsanlage, Vakuumbehandlungsanlage (VD/VOD-Anlage) und Spülstand die Sekundärmetallurgie. In der VD/VOD-Anlage entweichen unter verminderten Druck die im Metall gelösten Gase, in Kombination mit einer Spülstandbehandlung können sogar noch höhere Reinheitsgrade erreicht werden. Die Vakuumbehandlung mit Sauerstoff ermöglicht bei hoch chromhaltigen Stählen tiefste Kohlenstoffgehalte zur Herstellung von rost-, säure- und hitzebeständigen Stahlsorten (RSH-Stähle). "Dieses Sauerstofffrischverfahren unter Vakuum ist eine Spezialität des Wittener Standorts", berichtet Thomas Pieper, Leiter des Stahlwerks Witten. "Schließlich wurde das Verfahren hier in den frühen 60er Jahren erfunden. Im Laufe der Jahrzehnte haben wir das Verfahren kontinuierlich weiterentwickelt und den jeweils aktuellen Marktanforderungen angepasst. Ab 2014 verfügen wir nicht nur über eine Menge Know how, sondern auch über eine der modernsten VD/VOD-Anlagen Deutschlands."

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Aus dem Projekt "Sekundärmetallurgie" ergeben sich zahlreiche Verbesserungen in unterschiedlichen Bereichen:


Mit den geplanten Maßnahmen lässt sich die Prozesssicherheit insgesamt weiter erhöhen. Das erreicht man u.a. durch eine Neuanordnung der sekundärmetallurgischen Anlagen. Dabei werden sowohl ein neuer Pfannenofen als auch eine neue VD/VOD-Anlage in einer eigens dafür gebauten Halle errichtet. Bisherige logistische Probleme beim Transport des erschmolzenen Rohstahls zu den weiteren Verarbeitungsstationen gehören damit der Vergangenheit an. So verknüpft beispielsweise ein Fahrwagen Pfannenofen und VD/VOD-Anlage, wodurch der Transport des Rohstahls zwischen Pfannenofen und VD/VOD-Anlage nur noch 90 Sekunden anstatt der bisherigen 20 Minuten dauert. Das spart Zeit und Energiekosten. Zusätzlich beinhaltet das Konzept der Deutschen Edelstahlwerke Raum für eine zweite, potentielle Linie, bestehend aus Pfannenofen und VD/VOD-Anlage, um bei Bedarf zukünftig flexibel auf steigende Anfragen reagieren zu können.


Die Verlagerung und Neukonzeption der sekundärmetallurgischen Anlagen hätte die Gießgrubenkapazität enorm reduziert. Um dies zu Verhindern wurde die Gießhalle in der Vorbereitungsphase bereits verlängert und gewährleistet seit Dezember 2010 eine räumliche Trennung zwischen dem Gießgrubenbereich und dem Verladungs- bzw. Nachbehandlungsbereich.
Der Bereich Plattenmauern wurde ebenfalls in den neuen Hallenteil verlagert und an den Gießgrubenbetrieb angegliedert. Die Plattenmauern sind für den Prozess des Blockgießens unverzichtbar. Der zentrale Gießtrichter ist mit den Kokillen durch feuerfest ausgemauerte Kanäle in der Plattenmauer verbunden. Der flüssige Stahl wird in den Gießtrichter gefüllt und fließt durch die Kanäle von unten in die Kokillen ein.
Zuvor war der Bereich Plattenmauern zwischen den sekundärmetallurgischen Aggregaten angesiedelt, wodurch kein ausreichender Raum für Fluchtwege und Belüftung vorhanden war. Das für die Plattenmauern benötigte Material konnte zudem aufgrund des geringen Raums nicht mit einem Stapler transportiert werden. Die Verlegung des Plattenmauern löst diese Probleme und erhöht die Arbeitssicherheit der dort eingesetzten Mitarbeiter.

Der Leitstand der neuen sekundärmetallurgischen Linie befindet sich in absolut zentraler Lage, so dass die Mitarbeiter auch bei Hinzunahmen der zweiten Linie einen optimalen Überblick haben.
Da der Leitstand und die Aggregate sich zukünftig auf einer Hallenebene befinden, stellen Vorortüberprüfungen für die Mitarbeiter kein erhöhtes Verletzungsrisiko mehr da. Die Arbeitsabläufe können so unter modernen ergonomischen Bedingungen stattfinden.

Im Zuge der Maßnahmen wird auch die Legierungsbunkeranlage erneuert und verfügt anschließend über 28 Tagesbunker für Legierungen und Zuschläge, die voll automatisch bedient werden. Die Arbeiter müssen zukünftig die Legierungen also nicht mehr manuell an der offenen Schmelze hinzugeben, wodurch sich die Gefahr von Verpuffung, Verbrennungen und Spritzern auf ein Minimum reduzieren lässt.


Durch den Neubau und der damit einhergehenden Vergrößerung der Legierungsbunkeranlage vergrößern die Deutschen Edelstahlwerke auch ihre Legierungspalette und können ihren Kunden somit eine noch größere Anzahl an spezialisierten Werkstoffen im hoch- und höchstlegierten Bereich anbieten. Dazu gehören zum Beispiel RSH-Stahl, Röhrenvormaterial, Werkzeugstähle und Wälzlagerstähle.


Im Rahmen des Projekts wird auch ein neues Entstaubungskonzept für das Stahlwerk Witten umgesetzt. Zwei neue Tuchfilteranlagen mit deutlich erhöhter Reinigungswirkung ersetzen die bisherige Elektrofilteranlage. "Mit beiden Anlagen zusammen wird sich die Entstaubungskapazität des Stahlwerks auf rund 1.000.000 m³/h steigern und damit nahezu verdoppeln", sagt Gregor Ebbers, Leiter des Gesamtprojekts. Das neue Entstaubungskonzept umfasst dann neben der Sekundärmetallurgie auch den Bereich rund um den Elektrolichtbogenofen, so dass ab 2014 auch das Stahlwerk in Sachen Umweltschutz zukunftsfähig ist. lg

 

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