China arbeitet sich an die Weltspitze
Demografie fördert Robotereinsatz
Die Volksrepublik China hat sich im vergangenen Jahr zum weltweit größten Absatzmarkt für Industrieroboter entwickelt. Mit rund 37.000 eingekauften Einheiten, das sind 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, liegt das Reich der Mitte inzwischen weit vor den klassischen Roboternationen Japan mit ca. 26.000 und den USA mit etwa 24.000 Maschinen. Damit hält China jetzt rund ein Fünftel des globalen Marktanteils für Industrieroboter. Ein Ende des rasanten Wachstums ist vorerst nicht in Sicht, weil der Nachholbedarf der Volksrepublik enorm ist. So kamen im Jahr 2012 in China auf 10.000 Arbeiter gerade einmal 23 Roboter, in Südkorea waren es 396. Experten erwarten, dass die international tätigen Roboterhersteller ihre Verkäufe nach China bis zum Jahr 2020 auf dann 110.000 Maschinen verdreifachen werden, berichten Ke Qin und Robert Zehetbauer von Chinabrand Consulting.
Das Wachstum der chinesischen Robotik hat mehrere Treiber. Wichtige Faktoren sind der demografisch bedingte Rückgang der erwerbstätigen Bevölkerung, steigende Lohnkosten, das Fehlen fortschrittlicher Technologien und die zunehmende Konkurrenz durch Schwellenländer mit einem niedrigen Lohnniveau. Auch die neue asiatische Freihandelszone, die 2015 vollständig in Kraft tritt, führt zu einer Intensivierung des Wettbewerbs und zwingt die asiatischen Staaten zur Modernisierung, Rationalisierung und Automation. Länder wie Thailand, Malaysia, Indonesien oder Vietnam versuchen, sich gegen die zunehmende chinesische Konkurrenz zu behaupten und automatisieren ihre klassischen Industrien.
Besonders in der Fertigungstechnik und der Montage steigt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Robotiksystemen westlicher Unternehmen. Die wichtigste Abnehmerbranche ist die boomende chinesische Automobilindustrie, die für ca. 60 Prozent der Roboternachfrage verantwortlich ist. Auch in der Unterhaltungselektronik, im Schiffbau, in der Chemie, bei Herstellern von gewerblichem Sprengstoff und in der Verteidigungsindustrie werden Qualitätsroboter benötigt.
Schwerpunktregionen für Industrierobotik sind der gesamte Nordosten Chinas, speziell die Metropolregion Shenfu New City (ein Zusammenschluss der Städte Shenyang und Fushun), die Städte Tangshan und Harbin sowie die Städte Tianjin, Qingdao und Chongqing.
Deutsche Unternehmen der Industrierobotik können in China weiter wachsen, wenn sie ihren Vertrieb optimieren. Im Mittelpunkt stehen der Direktvertrieb, der Einsatz leistungsfähiger Agenten und Partnerschaften mit chinesischen Unternehmen, die über Netzwerke im ASEAN-Raum verfügen. bw









