Branche trauert um ihren Botschafter
Bernhard Kapp mit 93 Jahren verstorben
Senator E.h. Dr.-Ing. E.h. Bernhard Kapp ist am 13. Juli 2014 im Alter von 93 Jahren in Coburg verstorben. Der Ausnahmeunternehmer und Grandseigneur des deutschen Maschinenbaus und der Werkzeugmaschinenindustrie war stets ein überzeugender Botschafter seiner Branche. Kapp stand von 1971 bis 1999 an der Spitze des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) in Frankfurt am Main und war von 1975 bis 1977 zusätzlich Präsident des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau).
Bernhard Kapp hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk. Er hat eines der erfolgreichsten deutschen Werkzeugmaschinenunternehmen aufgebaut, hat sich intensiv in den Verbänden des Maschinenbaus, insbesondere dem VDMA und dem VDW, engagiert, die produktionstechnische Forschung unterstützt und sich für den Nachwuchs in der Branche eingesetzt.
Drei Schlaglichter charakterisieren sein Tun: Mittelständischer Unternehmer aus Überzeugung, Techniker aus Leidenschaft und engagierter Streiter für den Maschinenbau. "Der Mittelstand ist die Stärke der deutschen Wirtschaft, weil man nicht am kurzfristigen Erfolg interessiert ist, sondern mittel- und langfristig denkt und handelt." Gemäß dieses Grundsatzes lebte Kapp unternehmerische Tugenden im besten Sinne im eigenen Betrieb mehr als 50 Jahre vor. Dabei war ihm der verantwortungsvolle Umgang miteinander ein persönliches Anliegen und gleichzeitig Erfolgsgarant.
Nicht viel reden, sondern gute Maschinen bauen, war stets sein Motto. Der studierte Maschinenbauer Kapp agierte ausgesprochen weitsichtig, denn er erkannte sehr früh den steigenden Bedarf an Spezialmaschinen für die Metallbearbeitung. Das technisch Denkbare mit außerordentlicher Präzision umzusetzen, machte Kapp zum wichtigen Partner der Industrie. Die extremen Anforderungen von Spitzenunternehmen zu erfüllen, hat die heutige Kapp Gruppe in Coburg, die nach dem Krieg gegründet wurde, nach vorne gebracht. Mit Erfindungen wie der 1981 auf den Markt gebrachten ersten Profilschleifscheibe mit CBN-Technologie, die den Schleifvorgang von 18 auf eine Minute reduzierte, hat Kapp zum Weltruf des "Made in Germany" beigetragen.
Erfolgreicher Unternehmer und internationaler Repräsentant der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie
Neben seiner erfolgreichen Unternehmertätigkeit hat Bernhard Kapp in führenden Verbänden gewirkt. In seine 29-jährige Amtszeit beim VDW fielen u.a. die Geburtsstunde einer Werkzeugmaschinenausstellung mit internationaler Beteiligung, aus der die heutige EMO Hannover hervorging, die Gründung der METAV in Düsseldorf, die Veranstaltung VDW-eigener Messen in Moskau und Beijing, die Beteiligung an Forschungsprojekten, beispielsweise zur Verbreitung der NC-Technik in Werkzeugmaschinen, die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den führenden produktionstechnischen Hochschulen in Deutschland, der Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie mit groß angelegten Imagekampagnen, u.v.m. Insbesondere setzte sich Kapp auch gegen Protektionismus ein. Als VDMA-Präsident stritt er gegen staatliche Industriepolitik und die einseitige staatliche Forschungsförderung zugunsten der Großindustrie.
Darüber hinaus war Kapp zweimal Präsident des europäischen Dachverbands der Werkzeugmaschinenindustrie CECIMO, Vizepräsident des BDI, Mitglied der Großen Deutsch-Sowjetischen Kommission für wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit bis zur Wende. All dies wirft nur einige Schlaglichter auf sein Tun.
Das außerordentliche Interesse Bernhard Kapps galt immer der Förderung des Nachwuchses. Das betraf sowohl den beruflichen Werdegang junger Menschen als auch ihren Einsatz für das Allgemeinwohl. Dies würdigte er in seinem Unternehmen durch gestiftete Preise zur Förderung des Ingenieurnachwuchses und den Dr. Kapp Vorbildpreis, im VDW durch die Verleihung des VDW-Studienpreises.
Seine zahlreichen Aktivitäten und die dafür erhaltenen Auszeichnungen legen ein umfangreiches Zeugnis von seinem breit gefächerten Engagement ab. kf









