Automatisierungstechnik

„Wir setzen auf modulare Lösungen“

Surfer suchen die perfekte Welle, Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel die perfekte Linie, Mathematiker den perfekten Graphen und Hans Wimmer die perfekte Automatisierungslösung für seine Kunden. Wie das gelingen soll, erläutert der Managing Director des österreichischen Automatisierers B&R im Gespräch mit SCOPE-Redakteur Johannes Gillar.

SCOPE: Der Leitspruch von B&R ist „Perfection in Automation“. Können Sie erläutern, was genau Sie darunter verstehen?

Wimmer: Wir verstehen darunter das Angebot einer kompletten Automatisierung. Das heißt, wir bieten nicht nur Komponenten an, sondern eine durchgängige Lösung bestehend aus Hardware, Software, Firmware sowie die Integration dieser Produkte. Für den Kunden fallen so teils lästige Schnittstellen weg. Damit spannen wir den Bogen von der Software über die Steuerung, die Visualisierung sowie die Kommunikation bis hin zu Motor und Getriebe. Darüber hinaus unterstützen wir die Lösungsfindung beim Kunden. Wir bieten neben der Plattform auch die Leistungen an, den Kunden zu beraten in den Phasen der Projektierung, der Programmierung, der Inbetriebnahme und später bei Service und Support. Und genau das verstehen wir unter Perfection in Automation, der Kunde soll eine perfekte Automatisierungslösung haben.

SCOPE: Sie behaupten, dass Sie mit Innovationen den Trend in der Automatisierungstechnik bestimmen. Können Sie Beispiele dafür nennen?

Anzeige

Wimmer: Bei diesen Innovationen handelt es sich zum einen um neue Produkte. Andererseits reden wir dabei aber über die Integration von Technologien in unsere Lösungen. Einige Beispiele dafür: Wir haben die Sicherheitstechnik vollständig in unsere Automatisierungsplattform integriert. Wo liegt der Vorteil darin? Der Kunde kann diese Sicherheitstechnik bis an die Grenzen ausreizen in puncto Sicherheit, Zählwerk und Reaktionszeit. Wir haben durch Integration die Reaktionszeit des Systems bis auf wenige Millisekunden reduziert. Darüber hinaus integrieren wir weitere Technologie in unsere Produkte: die CNC-, die Robotik- oder die Hydrauliksteuerung. Das sind Software-Funktionen, die den Zugang einfacher machen. Durch deren Integration kann der Kunde bessere Maschinen bauen. Wir legen ganz besonderen Wert darauf, den Unterschied zwischen der Einbindung und der Anbindung darzustellen, alle unsere Technologien sind voll eingebunden, Hardware, Software, Schnittstellen und Werkzeuge, wohingegen die Anbindung viel an Verantwortung auf die Kunden überträgt.

SCOPE: Sie sehen Modularisierung als eines der Trendthemen in der Automatisierung. Warum und welche Lösungen bietet B&R diesbezüglich an?

Wimmer: Es gibt keine zwei gleichen Maschinen. Und genau dort setzt B&R mit der Modularisierung an. Bei der Hardware ist es längst Standard, die Komponenten zu modularisieren. Das findet nun auch bei der Software statt. Wir sind hier Vorreiter und fügen einzelne Softwarefunktionen als Modul zur Gesamtlösung hinzu, ohne das gesamte System anfassen zu müssen. Der Vorteil liegt darin, dass man nicht immer wieder von vorn beginnt, sondern die Optionen und Module, die die Funktionalität der Maschine ausmachen, hinzufügen oder wegnehmen kann. Wir haben mittlerweile viele Kunden, die die Software für die individuelle Maschine per Knopfdruck aus ihrem ERP-System parametrieren und konfigurieren. Und sich dabei auf den Fundus der verfügbaren Technologie stützen, ohne jeweils die Software neu schreiben zu müssen. Das hilft natürlich auch beim kundenspezifischen Customizing von Lösungen. Wir wollen unseren Umsatz durch den Verkauf von standardisierten Produkten generieren und deshalb beraten wir unsere Kunden immer in Richtung der Modularisierung der Software.

SCOPE: Ein weiteres Fokusthema ist Energieeffizienz. Was tut B&R, damit die eigenen Lösungen die Ressourcen schonen?

Wimmer: Wir gehen bei der Ressourcenschonung zwei Wege: Einerseits bieten wir mit Aprol En Mon unseren Kunden ein Energie-Monitoring-Lösungspaket. Damit können diese feststellen, wo wann wie viel Energie verbraucht wird. Auf Basis der ermittelten Kennzahlen kann eine Optimierung realisiert werden. Andererseits entwickeln wir Produkte, bei denen der Energieverbrauch deutlich reduzierter ist als bei heute üblichen Lösungen. Einige Beispiele dafür: Unsere Servoverstärker sind rückspeisefähig, das heißt, alle Energie, die in einem System gespeichert ist, wird ins Netz rückgespeist und nicht am Bremswiderstand verheizt. Damit erreicht man Energieeinsparungspotenziale, die bei 20 bis 30% liegen können. Zusätzlich haben wir die Bewegungsalgorithmen von Maschinen optimiert. Dort lässt sich ebenfalls viel Energie einsparen. Wir haben Bewegungsprofile entwickelt, die den Energieverbrauch in der Startphase um 10 bis 12% verringern. Zudem setzen wir auf vollelektrische Lösungen. Eine servo-hydraulische Achse braucht bis zu 50% weniger Energie als eine konventionelle hydraulische Achse.

SCOPE: Sie treiben die Internationalisierung Ihres Unternehmens voran. Welche Märkte wollen Sie erschließen und wie genau gehen Sie dabei vor?

Wimmer: Wir gehen hier matrixorientiert vor. Dabei schauen wir zum einen auf die Branchen und andererseits auf die Märkte. Ein wichtiger Markt für uns ist China, denn es ist der Wachstumsmarkt schlechthin. China beziehungsweise ganz Asien bietet uns doppeltes Wachstumspotenzial, sowohl im direkten als auch im indirekten Verkauf. Sehr viele Systeme, die wir an europäische Kunden verkaufen, werden in China installiert. Der Primärmarkt für die Produkte von B&R ist aber Europa, denn nach wie vor kommt der Großteil unserer Kunden aus Europa. Daher produzieren wir auch im österreichischen Eggelsberg die Produkte für den Weltmarkt.

SCOPE: Wie entwickelt sich Ihr Geschäft angesichts der derzeitigen Krise und was wollen Sie im Jahr 2013 erreichen?

Wimmer: Auf Basis unserer aktuellen Zahlen, der Auftragseingänge und der Kundengespräche wäre es aus unserer Sicht nicht richtig, von einer Krise zu sprechen. Im ersten Halbjahr 2012 konnten wir 250 Neukunden gewinnen und auch die Zahl neuer Projekte bei Bestandskunden zeigt, dass investiert wird. Es ist eher so, dass das wirtschaftliche Umfeld volatiler ist als noch vor drei Jahren. Wir halten aber fest an einem durchschnittlichen Wachstum von 15% pro Jahr.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Fabrikplanung ohne Druckluftnetz

Wie Vakuum mobil wird

Modulare Fabriken, mobile Robotik und steigende Energiepreise verändern die Automatisierung grundlegend. Eine Lösung: Ohne Druckluft in die Zukunft. Elektrische Vakuumsysteme senken Kosten, sparen Energie und unterstützen flexible Fertigungs- und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren