Wirtschaft + Unternehmen
Arbeitgeber in der Pflicht
Berufskleidung kaufen und selbst waschen? Oder den Full-Service eines Textil-Dienstleisters in Anspruch nehmen? Vor dieser Frage stehen viele Entscheider in Unternehmen. Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf fügt dieser Frage neue Aspekte hinzu.
Das Urteil (Az 13Sa 1804/00) setzt Maßstäbe für Betriebe, in denen aus hygienischen Gründen Berufskleidung getragen werden muss, also beispielsweise in der Lebensmittelwirtschaft. Eine gängige Praxis war es bisher, die Kleidung anzuschaffen, sie dann aber den jeweiligen Mitarbeitern zu übereignen. Diese sollten die Kleidung dann auch selbst waschen.
Pflege ¿ nicht nur eine Kostenfrage
Genau diese Praxis hat das Landesarbeitsgericht in Frage gestellt. Selbst wenn der Arbeitsvertrag anderes vorsieht, hat im genannten Unternehmen grundsätzlich der Arbeitgeber für die Pflege der Kleidung aufzukommen. Ohnehin ist die Praxis der häuslichen Wäsche von Berufskleidung für hygienisch sensible Bereiche mehr als fragwürdig. Denn nach einer haushaltsüblichen Wäsche sind Textilien in der Regel mikrobiologisch belastet. Der Grund liegt vor allem im Wandel der Waschgewohnheiten: Während vor 30 Jahren die Kochwäsche noch 50 Prozent aller haushaltsüblichen Wäschen ausmachte, ist ihr Anteil inzwischen auf unter zehn Prozent gesunken. Abgetötet werden die meisten Bakterien aber erst bei Temperaturen von über 70 Grad Celsius bei einer entsprechend langen Waschdauer. Beides kann in der Haushaltswäsche nicht garantiert werden. Die Zahl der Mikroorganismen wird auch durch Waschmittel, Trocknung und Lagerung der Textilien beeinflusst.
Die Alternative: Mitarbeiterkleidung nicht selbst anschaffen, sondern den Full-Service von Textildienstleistern nutzen. ¿Wir können garantieren, dass die von uns gepflegte Kleidung dem hygienischen Standard entspricht¿, erklärt Rudolf Küttelwesch, Geschäftsführer beim Textildienstleister Mewa. Das bescheinigt der Unternehmensgruppe ein Zertifikat. Als Erste in der Branche wurden die Betriebe in Manching, Bottrop und Dortmund nach der europäischen Hygiene-Norm prEN 14065 zertifiziert. Alle weiteren Betriebe der Unternehmensgruppe arbeiten nach Angaben des Dienstleisters bereits der Norm entsprechend und sollen im Laufe des Jahres zertifiziert werden.
Ein spezielles Qualitätssicherungssystem mit Namen RABC (Risk Analysis and Biocontamination-Control-System) die Voraussetzungen für die Erfüllung der Norm. Eine vorbeugende Gefahrenanalyse identifiziert mögliche Hygieneschwachpunkte eines Bearbeitungsschrittes während der Pflege der Berufskleidung. Anschließend werden Lenkungsbedingungen zur Beherrschung dieser spezifischen mikrobiologischen Gefahren festgelegt. Eine Überwachung und Dokumentation kontrolliert anschließend die Maßnahmen.
Imageaspekte weiterhin wichtig
Neben den neuerdings aufgetauchten Rechtsfragen sind derzeit jedoch vor allem Imagefragen entscheidungsrelevant. Laut einer Umfrage des Instituts Emnid erwarten etwa 65 Prozent der Deutschen, dass Mitarbeiter von Finanz- und Versicherungsdienstleistern, Fluggesellschaften, Sicherheitsdiensten und anderen Dienstleistern an ihrem Arbeitsplatz gepflegte Businessgarderobe tragen. Ähnliches dürfte für Servicemitarbeiter nahezu aller Branche, oder Repräsentanten, auch auf Messen gelten gelten. Anzug und Kostüm feiern ihr Comeback. Dieser Bereich wird bisher von Unternehmen überwiegend in Eigenregie abgewickelt. Aber auch hier, bei Business-Kleidung, kann sich das Prüfen von Angeboten der Textildienstleister lohnen.
Modische Kollektionen werden inzwischen mit ¿Rundum-Betreuung¿ als individuelle Lösungen für professionelles Auftreten im Job angeboten. Am Anfang steht die Beratung zur Frage: ¿Welche Kleidung passt zu unserem Unternehmen?¿ Ist die Antwort gefunden, erhält der Kunde alle Leistungen aus einer Hand: Bedarfsorientierte Ausstattung mit flexibler Anpassung bei Veränderung von Größen oder Mitarbeiterzahl, fachgerechte Pflege sowie moderne Logistik, die das pünktliche Anliefern und Abholen der Kleidung gewährleistet.
Herren können im Dreiteiler ¿ Dreiknopf-Sakko, Bundfaltenhose und klassischer Weste ¿ und im Hemd mit Kent- oder Button-Down-Kragen ihren Aufgaben nachgehen und haben zudem die Wahl einer zweckmäßigen Office-Jacke aus wasserabweisendem Obermaterial. Für sie hält das Sortiment eine noch größere Auswahl bereit. Je nach Wunsch kann ein Unternehmen seine Mitarbeiterinnen im klassisch-eleganten Hosenanzug und Bluse oder T-Shirt auftreten lassen, oder die lässig-modische Kombination aus Kurzblazer und Marlene-Dietrich-Hose wählen. Eine weitere Variante drei besteht aus langer oder kurzer Weste und schlichtem Rock. Attraktive Accessoires werden speziell nach Unternehmensvorstellungen entworfen. Robustheit der Kleidung und Individualität, Kosten und Service sind dem aus der Industrie-Berufskleidung bekannten Standards ähnlich.
Für einen Blick auf Textil-Dienstleister gibt es also erneut gute Argumente: Rechtsprechung und das Erschließen neuer Mitarbeitergruppen in den Unternehmen liefern die Gründe für das intensive Prüfen der Angebote.
dr
Links: http://www.mewa.de








