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Artikel und Hintergründe zum Thema

50 Prozent Frauenanteil im Industriebetrieb Hohenstein

pb,

Frauenpower im Metallbau

Beim Feinmechanik-Spezialisten Hailtec auf der Schwäbischen Alb besteht mittlerweile die Hälfte der Belegschaft aus Frauen. Das liegt unter anderem an den flexiblen Arbeitszeiten, meint Sabine Blach. Sie leitet die Handabteilung mit Handbiege- und Hydraulikpressen.

Sabine Blach in der Handbiegeabteilung © Hailtec

Kühe raus, Laser rein: Hailtec ist Zulieferer und Entwicklungspartner für feinmechanische Präzisionsteile wie medizinische Implantate oder Elektrobleche für E-Motoren. Ein Hightech-Betrieb, vor dem die Albbüffel grasen – denn die Kernzelle ist ein Bauernhof. Vor etwas mehr als 20 Jahren zogen die Kühe aus und die Laseranlagen ein. Nach dem Motto „Wo Hochtechnologie auf Vertrauen trifft“ bietet Hailtec eine deutschlandweit vermutlich einmalige Technologiebandbreite – darunter Mikrowasserstrahlschneiden und Ultrakurzpulslaserbearbeitung. Das Team besteht aktuell aus 34 Festangestellten, der Altersdurchschnitt liegt bei 39 Jahren. Der Betrieb berät und beliefert namhafte Hersteller wie Elring Klinger und Aesculap.

Flexibles Arbeitszeitmodell ist attraktiv

17 Frauen und 17 Männer arbeiten aktuell bei Hailtec. Ein so hoher Frauenanteil ist ungewöhnlich in der männlich geprägten Branche. Nur zwei Prozent der Auszubildenden in Metallindustrie oder Elektrik sind Frauen. Nur am Montagmorgen sind alle gleichzeitig im Betrieb. „Wir haben mega flexible Arbeitszeitmodelle. Eine Mitarbeiterin kommt zum Beispiel zwei volle Tage plus einen halben Tag, eine andere nur von sieben bis zwölf Uhr.“ Sabine verteilt die Jobs und richtet die Biegepressen für die einzelnen Aufträge ein. Sie achtet auch auf genügend Abwechslung, was bei Chargen von zehn Teilen kein Problem, bei 10.000 Stück jedoch nicht immer möglich ist. Handarbeit im Hightech-Betrieb? „Was wir hier biegen, ist maschinell nicht machbar“, bestätigt Sabine.

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Hoher Frauenanteil, niedrige Fluktuationsrate – die flexiblen Arbeitszeiten in Teilzeit sind ein Erfolgsmodell © Hailtec

Qualität geht vor Quantität

Als Beispiel zeigt sie ein Medizintechnikteil, das fünf Mal angefasst werden muss, bis aus einem flachen, lasergeschnittenen Blechstreifen zwei gebogene Hülsen entstehen. Der Laserzuschnitt erfolgt im Haus, anschließend kommen die Teile in die Handabteilung. „Wir haben bei Hailtec Schwenkbiegemaschinen und Abkantpressen mit Automatisierung und Robotik, doch in vielen Fällen ist händisches Biegen technisch notwendig“. Selbst bei großen Chargen geht Qualität vor Quantität. „Handbiegen ist mitunter sehr anspruchsvoll und erfordert Konzentration. Daher geben wir lediglich Richtwerte für die Stückzahl pro Stunde vor, Akkordarbeit passt nicht zu unserem Qualitätsanspruch“.

Wenn morgens um sieben die ersten Mitarbeiterinnen eintreffen, muss die Arbeitsvorbereitung abgeschlossen sein. „Haben wir einen ähnlichen Auftrag bereits gefertigt, geht das Einrichten schnell“, erklärt Sabine. Dafür sorgen Einrichtblätter, in denen sie jeden Arbeitsschritt mit Fotos und Erklärungen dokumentiert. Davor ist Teamwork mit der Konstruktionsabteilung angesagt. Sabine hat ein Händchen für Menschen und Maschinen, sie kommt auch gut mit CAD- und ERP-Programmen sowie dem 3D-Drucker zurecht. Der begeisterten Tüftlerin gefällt das abwechslungsreiche und herausfordernde Aufgabengebiet: „Wir bekommen immer wieder neue Teile herein, und mir macht es Spaß, dafür die Werkzeuge und Maschinen einzurichten“.

Hoher Frauenanteil, niedrige Fluktuationsrate

Handbiegen ist mitunter sehr anspruchsvoll und erfordert Konzentration © Hailtec

Bei Hailtec arbeiten Frauen nicht nur klassisch im Büro, sondern auch in der Handbiegeabteilung, in der Warenausgangsprüfung sowie in der maschinellen Serienfertigung. „Auch wenn der Betrieb inzwischen recht groß ist, war er für mich immer wie eine zweite Familie“ – sicherlich ein Grund für die geringe Fluktuation.

„Als Ausbildungsbetrieb für Industriekaufleute, Werkzeugmechanikerinnen und Industriemechaniker holen wir jedes Jahr junge Leute ins Team. Gerne möchten wir Frauen für unsere filigranen und komplexen Bauteile begeistern, doch bislang gab es keine entsprechenden Bewerbungen“, bedauert Geschäftsführer Alexander Renz. Deshalb kam ihm die Idee zu einem Bericht über die Abteilungsleiterin Handbiegen. Sabine Einstieg bei Hailtec ist typisch für den der meisten Frauen im Team: Sie kam in Teilzeit, sogar mitten aus der Babypause. Das ist inzwischen 20 Jahre her. Seit gut sieben Jahren arbeitet Sabine in Vollzeit: „Das hat sich alles so entwickelt. Angefangen habe ich wie die anderen Frauen mit dem Biegen kleiner Teile an Handbiegemaschinen. Da der Einrichter viel zu tun hatte, habe ich angeboten, ihm zu helfen. Irgendwann wurde der Posten des Maschineneinrichters frei, und ich habe ihn übernommen. Später wurde ein weiterer Bereich vakant, bei den größeren Hydraulikpressen. So habe ich auch diesen Bereich übernommen.“ Sie hat in einem Maschinenbaubetrieb den Beruf der Graveurin gelernt. Der Ausbildungsberuf zählt zum Elektro- und Metallgewerbe und erfordert technisches sowie handwerkliches Geschick.

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