Werkstoffe

Schutz gegen den roten Hahn

Inzwischen ist die neue Multifunk­tionsarena in der NRW-Metropole offiziell schon eröffnet worden und harrt weiterer Events. Die werden so zahlreich nicht sein. Vom heimischen Fußballclub Fortuna Düsseldorf wird das Stadion in diesem und den nächsten Jahren wohl kaum genutzt. Für dessen spielerische Attraktivität auf Kreisklasseniveau und den ein paar tausend unverdrossenen Fans ist die Spielstätte mit ihren über 50.000 Plätzen schlichtweg ein paar Nummern zu groß. Allenfalls Pop-Ikonen wie Herbert Grönemeyer oder Westernhagen werden diesen riesigen, aus Beton gegossenen Kasten an wenigen Tagen im Jahr halbwegs füllen. Am weitgehenden Leerstand wird auch nicht ändern, dass alle Schemel auf den Rängen überdacht sind und eine „weltweit einmalige“ Klimaanlage selbst im rheinischen Winter für halbwegs norddeutsche Sommertemperaturen von mindestens 15 Grad Celsius sorgt.

Und zur schnelleren Amortisation der an den Rhein gesetzten Immobilie wird auch nicht die F90- und F30-Beschichtung beitragen, mit ihrer bis zu fast fünf Millimeter Dicke aus einem in den USA hergestellten Material, wie es von PeinigerRöRo verwendet wurde. Wohl aber zum Schutz gegen den roten Hahn, was ja auch von Vorteil sein mag, wenn nur sporadisch genutzt wird, was dennoch brennen kann. Und der in Sachen Gerüstbau, Isoliertechnik und Korrosionsschutz als sogenannter Mehrgewerke-Dienstleister tätigen PeinigerRöRo, einer zur Düsseldorfer ThyssenKrupp Services gehörenden Unternehmensgruppe mit immerhin weit über 8.000 Mitarbeitern, verhalf der Neubau gleich neben dem Messegelände im Norden Düsseldorfs zu einem lukrativen Auftrag.

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Für den Auftraggeber, einem Konsortium mehrerer Baufirmen, war es besonders vorteilhaft, dass der Komplett-Dienstleister sowohl die Beschichtungsarbeiten als auch den erforderlichen Gerüstbau aus einer Hand anbieten konnte. Das reduzierte Schnittstellen im Bauablauf und vereinfachte das Abstimmungsprozedere. Denn das hatte seine Haken: Beispielsweise durfte kein Gerüst länger als unbedingt notwendig am Bau installiert sein oder gar zu früh aufgestellt werden. Dennoch hat man es geschafft, dass die insgesamt 1.500 Quadratmeter Fläche termingerecht bis Ende Juli letzten Jahres beschichtet waren. Vorab mussten der Aufbau und die Einhausung von insgesamt rund 22.000 Kubikmeter Gerüst über die Bühne gehen. In Spitzenzeiten waren bis zu 15 Gerüstbauer gleichzeitig auf der Baustelle am Wirken, um der bis zu fünf Mann starken Beschichtungskolonne den Arbeitsplatz vorzubereiten.

Zuerst wurden die vier Auflagerbereiche der beiden Hauptträger in Angriff genommen. Die obere Hälfte der Auflager erhielt eine F30-Brandschutzbeschichtung. Die untere Hälfte musste mit einer entsprechend stärkeren F90-Beschichtung präpariert werden. Deshalb, weil die Anforderungen an den Brandschutz unterschiedlich sind: Etwa in der Mitte des Auflagers befindet sich die Dachhaut der Arena. Um den jeweils geforderten Schutz gegen die Flammen aufzubringen, wurde das Material in mehreren Arbeitsgängen im Airless-Verfahren aufgespritzt, bis die gewünschte Materialdicke erreicht war. Der Umgang mit diesem aus der Neuen Welt stammenden Brandschutz will gelernt sein. Nach eigenen Angaben ist PeinigerRöRo in Deutschland die einzige Firma, die diese spezielle Beschichtung verarbeiten darf und über entsprechend geschultes Personal verfügt.

Vor dem Beschichten waren allerdings die Transport- und Montageschäden an der fertig montierten Stahlkonstruktion zu beseitigen. Wo die Grundierung gelitten hatte, musste zunächst manuell entrostet, also geschliffen und anschließend neu grundiert werden. Erst danach erfolgte die Beschichtung. Im F90-Bereich der Auflageflächen betrug deren geforderte Schichtstärke 1,4 bis1,8 Millimeter, im F30-Bereich bis zu 0,8 Millimeter. Doch es kam an manchen Stellen auch dicker: Umlaufend erhielten die Aussteifungsbauteile der Tribünenstützen einen F90-Brandschutz. Da waren Schichtstärken von bis zu 4,7 Millimeter angesagt. Und bis zu acht Arbeitsschritte waren hier erforderlich, um am Ende das aufzubringen, wozu sich mehr erfahren ließe.Siegfried Heimlich

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