Simulation und Industrie-Software
Milliarden-Geschäft: Siemens übernimmt Altair
Mit einer milliardenschweren Übernahme will Siemens sein Softwaregeschäft stärken. Der Münchner Konzern will dazu die US-amerikanische Altair Engineering für rund 10 Milliarden US-Dollar (rund 9,2 Milliarden Euro) übernehmen, wie Siemens mitteilte.
Einer von Siemens unterzeichneten Vereinbarung zufolge sollen die Altair-Aktionäre 113 Dollar pro Anteil erhalten. Der Vollzug des Kaufs wird für die zweite Hälfte des kommenden Jahres erwartet. Altair Engineering hat rund 3.500 Mitarbeiter und bietet Industrie-Software für Unternehmen etwa in der Luftfahrt-, Automobil- und Energiebranche sowie im Bereich Finanzdienstleistungen an. Die Nachfrage hiernach dürfte den Erwartungen zufolge mit der zunehmenden Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Alltag steigen.
Siemens-Chef Roland Busch sprach von einem „bedeutenden Meilenstein“ für den Konzern. „Durch die Kompetenzen von Altair in den Bereichen Simulation, Hochleistungsrechnen, Datenwissenschaft und künstliche Intelligenz zusammen mit Siemens Xcelerator entsteht das weltweit umfassendste KI-gestützte Design- und Simulationsportfolio.“
Das Simulationsportfolio von Altair sei eine gute Ergänzung, so die Unternehmensmitteilung. Insbesondere mit den Fähigkeiten in der mechanischen und elektromagnetischen Simulation, erweitere Siemens seinen Digitalen Zwilling und könne so ein vollständiges, physikbasiertes Simulationsportfolio als Teil von Xcelerator anbieten. Das Arbeiten mit den Simulationstools beschleunige die Entwicklung und verkürze die Zeit bis zur Markteinführung, außerdem werden Produktlebenszyklen und Fertigungsprozesse beschleunigt.
Diese Akquisition markiere den Höhepunkt von fast 40 Jahren Altair, kommentierte James Scapa, Gründer und CEO von Altair. „Wir glauben, dass diese Kombination von zwei sich stark ergänzenden Marktführern im Bereich der Engineering Software das breite Portfolio von Altair in den Bereichen Simulation, Datenwissenschaft und Hochleistungsrechnen mit der starken Position von Siemens in den Bereichen Mechanik und EDA-Design zusammenbringt.“
Eine Übernahme in ähnlicher Größenordnung hatte Siemens selbst zuletzt 2015 mit Dresser-Rand gestemmt. Damals für 7,6 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Übertroffen wird sie allerdings von der Übernahme des Krebsspezialisten Varian durch Siemens Healthineers für 16,4 Milliarden Dollar, das damals allerdings nach dem Börsengang nur noch eine Mehrheitsbeteiligung von Siemens war.
Siemens konzentriert sich zunehmend auf seine Digitalisierungsgeschäfte und trennt sich von Randbereichen. Erst vor wenigen Wochen hatten die Münchner den Verkauf von Innomotics abgeschlossen. Für das Geschäft mit Elektromotoren und großen Antrieben bei rund 15.000 Beschäftigten hatte Siemens rund 3,5 Milliarden Euro bekommen.
Siemens erhofft sich durch die Übernahme von Altair signifikante Umsatz- und Kostensynergien. Sie soll den Umsatz im digitalen Geschäft von Siemens um acht Prozent steigern und den im Geschäftsjahr 2023 berichteten Umsatz in dem Bereich um ungefähr 600 Millionen Euro erhöhen. Langfristig verspricht sich der Konzern einen positiven Umsatzeffekt von mehr als einer Milliarde Dollar jährlich.
Im zweiten Jahr nach dem Abschluss erwartet Siemens durch Kostensynergien einen positiven Effekt auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als 150 Millionen Dollar pro Jahr. Zudem soll sich die Transaktion dann auch positiv auf das Ergebnis je Aktie vor bestimmten Kaufpreiseffekten auswirken.









