Starkes zweites Quartal

Annina Schopen,

Trotz Ergebnisplus: Evonik hält am Stellenabbau fest

Der Spezialchemiekonzern Evonik blickt nach einem überraschend starken zweiten Quartal optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen hebt seine Gewinnprognose deutlich an. An seinem umfassenden Umbau hält der Essener Konzern jedoch unverändert fest: Der geplante Abbau von mehr als 6.000 Stellen soll umgesetzt werden.

© Evonik

Nach vorläufigen Zahlen erwartet Evonik im zweiten Quartal ein bereinigtes EBITDA zwischen 600 und 650 Millionen Euro. Damit würde das operative Ergebnis im Mittel rund 23 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Noch Anfang Mai war der Konzern lediglich von mindestens 550 Millionen Euro ausgegangen.

Für den deutlichen Ergebnissprung nennt Evonik mehrere Gründe: Die Nachfrage habe sich belebt, höhere Verkaufspreise hätten sich durchsetzen lassen und die bereits eingeleiteten Kostensenkungen zeigten Wirkung. Besonders das Segment Advanced Technologies profitiert derzeit davon, dass asiatische Wettbewerber wegen Problemen bei der Rohstoffversorgung nur eingeschränkt liefern können. Im Geschäft mit Tierernährung rechnet der Konzern zudem damit, dass sich die positive Entwicklung auch im dritten Quartal fortsetzt.

Nach dem starken ersten Halbjahr erhöht Evonik nun die Prognose für das Gesamtjahr. Das bereinigte EBITDA soll 2026 zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro erreichen. Bislang hatte das Unternehmen mit 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro gerechnet. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag das operative Ergebnis bei rund 1,9 Milliarden Euro.

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Der bessere Geschäftsverlauf ändere allerdings nichts an der grundsätzlichen Einschätzung des Managements: Die europäische Chemieindustrie stehe weiterhin unter erheblichem Wettbewerbsdruck, betont Evonik. Zudem könnten sich die derzeit günstigen Marktbedingungen im weiteren Jahresverlauf wieder abschwächen, wenn sich die globalen Lieferketten nach der Öffnung der Straße von Hormus normalisieren.

Deshalb treibt der Konzern seinen Umbau konsequent voran. Das Transformationsprogramm „Evonik Tailor Made“ wird ausgeweitet und bis 2029 verlängert. Bereits Mitte Juni hatte das Unternehmen angekündigt, weltweit weitere 3.200 Stellen abzubauen, davon rund 2.150 in Deutschland. Zusammen mit dem bereits laufenden Programm, das bis Ende 2026 den Wegfall von rund 2.800 Arbeitsplätzen vorsieht, summiert sich der Stellenabbau auf mehr als 6.000 Jobs.

Dabei geht der Konzern inzwischen deutlich weiter als zu Beginn der Restrukturierung. Standen zunächst vor allem Verwaltung und Management im Fokus, erfasst der Umbau inzwischen auch das operative Geschäft. Evonik will Strukturen vereinfachen, Prozesse digitalisieren und die Kostenbasis dauerhaft senken.

Im Polyestergeschäft sollen Aktivitäten weltweit bis 2027 eingestellt werden. Betroffen ist unter anderem der Standort Witten mit 266 Beschäftigten. Auch in Marl sowie am chinesischen Standort Shanghai fallen Arbeitsplätze weg.

Parallel richtet Evonik seine großen Verbundstandorte neu aus. Die Infrastruktur- und Servicebereiche der Chemieparks Marl und Wesseling wurden in die neue Gesellschaft Syneqt ausgegliedert. Dort arbeiten künftig rund 3.500 Beschäftigte in einer eigenständigen Einheit für Energieversorgung, Logistik, Sicherheit und technische Dienstleistungen.

Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal will Evonik am 4. August veröffentlichen. Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab: Der Konzern verdient wieder deutlich besser – an seinem tiefgreifenden Umbau ändert das vorerst nichts.

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