Software
Der steinige Weg zum Erfolgsmodell
Oh nein, schon wieder so eine kleine Parklücke. Da wird das Einparken zum Albtraum. Es sei denn, das Auto hat einen automatischen Einparkassistenten. Der Fahrer muss dann – wenn auch nur aus versicherungstechnischen Gründen – nur noch Gas geben und bremsen. „Dahinter stecken eine komplexe Software und viele Komponenten, die ineinander greifen“, betont Björn Dietrich, Senior Berater bei der Unternehmensberatung Seven Principles (7P) in Köln. „Bis solch eine Funktion eingebaut werden kann, bedarf es eines langen Entwicklungsprozesses, den alle Beteiligten genau abstimmen sollten.“ Dabei dürfe man zudem nicht vergessen, ständig zu prüfen, ob die jeweilige Fahrzeugfunktion auch weiterhin vom Markt gewünscht würde – sonst könne ein Highlight zu einem Flop werden, wie etwa der sich automatisch absenkende Seitenspiegel beim Rückwärtsfahren. „Die Fahrer dachten, der Spiegel wäre defekt, während die Funktion eigentlich zum Schutz der teuren Felgen vor der Bordsteinkante gedacht war.“
Solche Beispiele zeigen, dass sich die Fahrzeughersteller einerseits frühzeitig über die Marktchancen eines Produktes Gedanken machen sollten, andererseits gleichzeitig möglichst alle Akteure – bis hin zum Service – an der Entwicklung beteiligen müssen. „Es wird immer wichtiger, dass sich die Beteiligten gut abstimmen“, fährt Dietrich fort. Das sei nicht immer einfach. „Gerade in der Automobilindustrie treffen mit den Maschinenbau- und den Elektro-Ingenieuren sowie den Softwareentwicklern drei starke Disziplinen aufeinander.“ Während die Entwicklungszyklen der Maschinenbauer länger sind, denken Elektrik- und Elektronik-Entwicklung wesentlich kürzer und die dazugehörige Software unterliegt noch schnelleren Release-Wechseln. Aus diesen unterschiedlichen Entwicklungszyklen resultiert eine nicht zu unterschätzende Komplexität – denn die Fahrzeuge sollen von Beginn an fehlerfrei funktionieren. „Es dauert lange, das Vertrauen der Verbraucher nach Problemen zurückzugewinnen – besser ist es, solche Probleme von vornherein zu vermeiden.“
Ein möglicher Ansatz für die von Anfang an enge Zusammenarbeit sei ein gemeinsames Vorgehen nach dem so genannten V-Modell, sagt Björn Dietrich. „Es definiert eine klare Struktur für die Produktentwicklung.“ Zudem müsse ein durchgängiges domänenübergreifendes Konfigurationsmanagement für Mechanik, Elektrik/Elektronik und Software implementiert werden. „Dies unterstützt die wichtige Kommunikation aller Prozessbeteiligten – durch eine neue Qualität der unterschiedlichen Sichten auf das Fahrzeugprojekt – und führt zu erheblichen Kosteneinsparungen.“ Diese durchgängige und aktuelle Qualität der Entwicklungsinformationen wird im Hinblick auf das kontinuierlich weiter wachsende elektronische Gesamtsystem immer wichtiger. „Nur über transparente Prozesse lassen sich Zusammenhänge besser verstehen und fundierte Entscheidungen treffen.“
Das verschärfe sich besonders dann, wenn viele Entwicklungen nach außen vergeben würden und sich das Unternehmen auf die Kernkompetenzen beschränke, so der 7P-Spezialist weiter. „Die Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungsprozesses, da dieser von der Kreativität jedes einzelnen lebt.“ Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, haben aber langfristige Auswirkungen.
Auch falsch interpretierte Marktbeobachtungen können übrigens einen Automobilhersteller unter Zugzwang setzen. „So haben es beispielsweise die deutschen Automobilhersteller versäumt, die Hybridtechnik richtig einzuschätzen“, meint Björn Dietrich. „Sie hielten diese Antriebsform nur für eine unbedeutende Zwischenlösung und setzten verstärkt auf Wasserstoff als Treibstoff.“ Da es aber bis heute noch keine vollwertigen alternativen Antriebe gebe, wünsche der Markt genau diese Hybridtechnologie. „Diese falsche Markteinschätzung führte zu Fehlentwicklungen und einem Verlust an Marktanteilen in diesem Käufersegment: Werden im Entwicklungsprozess solche Tendenzen nicht zeitgerecht erkannt, lähmen sie die Entwicklung und führen zu aufwandsintensiven Maßnahmen.“ Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Management des Entwicklungsprozesses sei daher auch eine Spiegelung der Entwicklungsergebnisse mit den Marktanforderungen, um sicherzustellen, dass die entwickelten Funktionen auch benötigt werden. „Dann wird aus einem langwierigen Entwicklungsprozess auch ein Erfolgsmodell.“ -co-
Seven Principles AG, Köln Tel. 0221/92007-0, http://www.7p-group.com








