Herausforderungen für die Produktionslogistik

Daniel Schilling,

In fünf Phasen modernisieren

Das Lager erweist sich 2020 in vielen Betrieben der fertigenden Industrie als modernisierungsbedürftig. Fachkräftemangel und die Integration in die digitalen Prozesse des Unternehmens sind dabei besondere Herausforderungen. Wir haben dazu Daniel Dombach, Director EMEA Industry Solutions bei Zebra Technologies, befragt.

Vor welchen Herausforderungen stehen Lager in der industriellen Fertigung derzeit?

Daniel Dombach schlägt eine Lagermodernisierung in fünf Phasen vor. © Zebra Technologies

Durch die Corona-Pandemie stehen auch die Lagereinrichtungen der industriellen Produktion vor großen Herausforderungen. Dennoch wird heute immer noch ein Großteil der Jobs im Lager manuell durch Lagerarbeiter erledigt. Durchschnittlich 90 Tage Einlernzeit braucht ein neuer Mitarbeiter, bis er effizient eingesetzt werden kann – dies wissen wir aus der 2024 Warehouse Vision Study von unseren Kunden.

In Deutschland, ja in ganz Europa haben wir außerdem einen Fachkräftemangel an qualifiziertem Lagerpersonal. Durch die konstant hohe Nachfrage arbeiten wir am Limit. Um unter solchen Bedingungen weiterhin die gleiche Leis-tung bieten zu können, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als seine Geschäftsprozesse zu modernisieren und digitalisieren.

Manuelle Workflows und Prozesse sind meist nicht so gut verbunden. Ohne Echtzeitdatenerfassung wird es zunehmend schwieriger, vernünftige Planung zu machen, kommende Probleme rechtzeitig zu erkennen oder exakt über seine Vermögenswerte und sein Inventar Bescheid zu wissen. Das ist derzeit für viele Fertigungsbetriebe eine Riesenherausforderung!

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Wie können Fertigungsbetriebe feststellen, wie effizient ihr Lagerbetrieb ist, und wie sollten sie am besten eine Modernisierung planen?

Nach unserer Erfahrung und der unserer Kunden läuft der Modernisierungsprozess in fünf spezifischen Phasen ab. Wir haben zur Veranschaulichung das Warehouse Maturity Modell Framework entwickelt, um Lagermanagern zu zeigen, wo sich sich auf ihrem Weg gerade befinden.

Phase 1 sind von Menschen übertragene Daten. Betriebe nutzen Barcode und Scanner, um Daten manuell zu erfassen. Ein Arbeiter lädt beispielsweise mit dem Gabelstapler einen Lkw aus, der Komponenten anliefert. Dazu scannt er den Barcode auf der Palette ein. Diese Informationen werden dann ans Lagermanagement-System gesendet. Dies ermöglicht es den Mitarbeitern, ihre Arbeit schneller und effizienter zu erledigen.

In Phase 2 kommen neue Technologie hinzu wie Wearables und die Stimme. Sogenannte Wearables, also Mobilgeräte, die sich am Arm oder als Gürtel tragen lassen, halten den Lagerarbeitern die Hände frei, während sie ihre Aufgaben erledigen. Dazu zählt auch stimmgesteuerte Technologie, sowohl Pick by Voice wie auch die interne Kommunikation untereinander. Unsere Lösung in dem Bereich nennt sich „Workforce Connect powered by Zebra Savanna“.

Mobile Erfassung von Produkten durch den Mitarbeiter. © Zebra Technologies

In Phase 3 folgen dann sensorgesteuerte Echtzeitdaten. Das bedeutet, für die Datenerfassung nutzen die Betriebe nun Sensoren, vor allem RFID kommt hier in Frage. Wenn der Lkw aus unserem Beispiel entladen wird, braucht nun kein Arbeiter mehr mit dem Scanner den Barcode von Hand einlesen. Stattdessen scannt ein Tor mit Sensoren die Palette beim Abladen und schickt sie an den korrekten Lagerungsort.

In der vorletzten Phase kommen Echtzeit-Ortungssysteme ins Spiel. Mit dieser Technik können Unternehmen in Echtzeit Inventar, Gabelstapler und anderen Fuhrpark, Güter auf den Paletten oder Mitarbeiter lokalisieren. Die Ortungssysteme ermöglichen außerdem automatische Alarmeinstellungen und die Implementierung neuer Geschäftsprozesse.

Am Ende steht dann in der letzten Phase die Intelligente Automatisierung. Autonome mobile Roboter (AMRs) werden Menschen nicht ersetzen, aber Seite an Seite mit ihnen zusammenarbeiten. Das hilft, die Leer- und Wegezeiten, die mit der Beförderung von Gütern verbunden sind, erheblich zu reduzieren. Das führt zu höherer Produktivität, und die Mitarbeiter haben mehr Zeit für wichtigere Aufgaben, die eine flexible Problemlösung erfordern.

Bietet Zebra auch eine Lösung an, um die Sicherheitsvorschriften im Lager während der Corona-Pandemie zu gewährleisten?

Ja. „MotionWorks Proximity“ von Zebra Technologies ist eine Softwarelösung zur Näherungsanalyse und Kontaktprotokollierung für Mobilcomputer. Sie erstellt Nachweise zur Kontaktverfolgung, Dashboards oder Mitarbeiterprotokolle. Die Daten sind an eine Mitarbeiter-ID oder eine anonymisierte Benutzer-ID gebunden, um seitens der Arbeitgeber Maßnahmen zu ermöglichen, während die Privatsphäre der Mitarbeiter geschützt bleibt. Diese genaue automatisierte Kontaktverfolgung hilft den Unternehmen, schnell betroffene Mitarbeiter zu identifizieren, damit diese sich testen lassen können.

So kann man einer umfassenderen Betriebsschließung entgegenwirken.

Wie können die Lagerarbeiter in der Pandemie ihre Mobilgeräte sicher benutzen?

Im normalen Lagerbetrieb werden die meisten Geräte geteilt oder mit anderen Kollegen ausgetauscht. Daher ist es sehr wichtig, dass sie mit den richtigen Reinigungsmitteln desinfiziert werden. Unsere Motion Works Proximity Lösung berücksichtigt auch diese Aufgabe und ermöglicht es zu sehen, wann und wo sich Mitarbeiter an ihren Geräten angemeldet haben.

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