IT-Dienstleister

Andreas Mühlbauer,

Cyberangriff!

Die Gefahr von Cyberangriffen hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Häufig sind interne IT-Mitarbeiter nicht in der Lage, einem Angriff effizient vorzubeugen oder adäquat auf eine Attacke zu reagieren. Daher ist es sinnvoll, sich an einen externen Dienstleister zu wenden.

Die IT-Sicherheitsexperten von Scaltel überwachen im Security Operations Center die Datenströme ihrer Kunden. © Silberstern / Scaltel

Zurzeit nehmen Cyberangriffe auf Unternehmen in Deutschland rasant zu, und mittlerweile sind nicht nur die großen, global agierenden Firmen im Fokus der Angreifer, sondern auch kleinere Mittelständler, deren IT-Infrastruktur meist noch nicht ausreichend geschützt ist. Bereits im vergangenen Sommer hat der Digitalverband Bitkom alarmiert und den Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft durch Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage mit 223 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Das entspricht etwa einer Verdoppelung der Schadenssumme gegenüber 2018 und 2019.

„Jede Investition in die IT-Sicherheit eines Unternehmens ist eine gute Investition“, sagt IT-Sicherheitsexperte Thomas Gnadl, CTO bei Scaltel. Gerade bei mittelständischen Unternehmen sei das Angriffsrisiko derzeit höher denn je: „Bei den Schutzmechanismen und -strategien herrscht hier noch ein enormer Nachholbedarf. Viele Firmen sind mit der Komplexität der IT-Sicherheit überfordert, auch weil sie sich keine eigene IT-Sicherheitsabteilung leisten können.“ Gnadls Vorschlag: Wer sich externe Hilfe holt, kann die IT-Sicherheit seines Unternehmens nachhaltig verbessern – zu einem überschaubaren Budget. „Die Inhouse-IT eines Unternehmens kann den Schutz der Infrastruktur in der Regel nicht mehr stemmen, da es diesbezüglich wirkliche IT-Security-Experten benötigt, welche am Markt nicht zu bekommen sind oder deren Personalkosten wirtschaftlich einfach nicht darstellbar sind. Viel sinnvoller ist es da, einen auf IT-Security spezialisierten Dienstleister zu beauftragen, der sich im Tagesgeschäft auf die Abwehr von Cyberangriffen konzentriert. Da ist die Leistung für die professionelle Rund-um-die Uhr-Überwachung genau definiert“, sagt Gnadl.

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Wie wichtig eine funktionierende Verteidigungslinie für die Unternehmen ist, verdeutlicht er mit Zahlen aus der Praxis. In seinem sogenannten Security Operations Center (SOC) überwacht Scaltel die kompletten Datenströme seiner Kunden. „Pro Tag erreichen uns 10.000 bis 50.000 sicherheitstechnisch relevante Events. Die meisten werden über unsere Security Plattform mittels künstlicher und Threat Intelligence logisch zusammengefasst und als unbedenklich ausgefiltert. Rund ein Promille der Events müssen dann noch von unseren Security-Experten analysiert und manuell bewertet werden“, sagt Gnadl.

Hacker-Angriffe nehmen zu

Am Ende gibt es im SOC pro Monat einen bis zehn kritische Security-Vorfälle, aus denen sogenannte Incident-Response-Fälle entstehen, aufgrund derer eine Security-Gruppe zusammengestellt wird und Gegenmaßnahmen beim Kunden eingeleitet werden. „Die Tendenz ist klar steigend“, sagt Gnadl, der mit seinem Team mittlerweile auf eine 25-jährige Erfahrung im Bereich von IT-Dienstleistungen und der IT-Sicherheit zurückgreifen kann. Die jüngsten Meldungen verdeutlichen diesen Trend. Im Mai 2022 stand beispielsweise die Produktion beim Traktorenhersteller Fendt nach einem Cyberangriff auf den US-Mutterkonzern AGCO mehrere Tage lang still. Die 4.500  Mitarbeitenden in Deutschland konnten weder produzieren noch telefonieren. Ein paar Tage später war auch die Behörde in der Nachbarschaft dran: Wegen eines Hackerangriffs kappte das Landratsamt Ostallgäu den kompletten Daten- und E-Mail-Verkehr nach draußen.

„Die Zahl der Angriffe wird leider weiter zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass sich die Unternehmen besser denn je dagegen schützen“, sagt Thomas Gnadl. Eine der größten Gefahren für Firmen geht bekanntlich von sogenannter Ransomware aus. Mit Hilfe von Verschlüsselungssoftware legen Hacker Computernetze lahm, um anschließend für die Entsperrung hohe Summen zu erpressen. Ransomware ist dabei nur ein Teil der Angriffswelt. Phishing-Mails zum Ausspähen von sensiblen Daten und DDoS-Attacken, die zu Funktionseinschränkungen führen, sind genauso an der Tagesordnung wie das Ausnutzen von Schwachstellen nicht gepatchter Systeme. „Jeder Angriff kann fatale Folgen für die Firmen haben. Es geht hier nicht nur um finanzielle Schäden wie zum Beispiel Lösegelder. Bei einer gelungenen Cyberattacke dauert es in der Regel mehrere Wochen und Monate, bis ein Regelbetrieb wieder aufgenommen werden kann, da professionelle Hacker gezielt Backupsysteme manipulieren, sodass diese im Schadensfall wertlos sind.

Ein Großteil der Cyberangriffe beginnt mit Social Engineering, also der Manipulation von Beschäftigten. Die Kriminellen nutzen dabei ganz bewusst den Faktor Mensch als vermeintlich schwächstes Glied der Sicherheitskette aus, um etwa sensible Daten wie Passwörter zu erhalten. Bei einer Bitkom-Umfrage von 2021 gaben 41 % der befragten Unternehmen an, dass es zuletzt solche Versuche gab. Viele Angriffe stehen auch in Verbindung mit der rasant angestiegenen Implementierung von Remote- und Home-Office-Arbeitsplätzen. „Es reicht natürlich nicht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach zum Arbeiten nach Hause zu schicken. Es ist enorm wichtig, dass die Geräte effektiv gesichert und die Kommunikationskanäle zum Unternehmen geschützt werden. Die Belegschaft muss natürlich in Schulungen für Gefahren sensibilisiert werden. Wer das nicht macht, der handelt wirklich fahrlässig“, betont Gnadl.

Die Gefahr durch Cyberangriffe ist den Unternehmen in Deutschland bewusst: Laut dem Risikobarometer des Versicherungskonzerns Allianz schätzen Fach- und Führungskräfte Hackerangriffe als Risiko Nummer eins für ihr Unternehmen ein. Das ergab eine Umfrage des zur Allianz gehörenden Industrieversicherers AGCS, bei der im vergangenen Herbst 2.650 Fachleute aus 89 Ländern befragt wurden. „Wir haben so viele Anfragen wie nie zuvor – und das aus allen Branchen“, sagt Thomas Gnadl. Im Falle des Falles reagieren die Experten aus dem SOC sofort. Über ein vorab mit den Kunden definiertes Notfall-Management starten die entsprechenden Abläufe, wobei die IT-Security-Experten Hand in Hand mit der IT-Abteilung des Kunden zusammenarbeiten.

Ein Tipp im Verdachtsfall

Wenn im Unternehmen der Verdacht eines Cyberangriffs vorliegt, sollten die betroffenen Computer oder Server laut Gnadl sofort vom Netzwerk getrennt werden, entweder durch Ziehen das LAN-Kabels oder die Deaktivierung der Netzwerkkarte und der WLAN-Verbindung. Die Computer und Server sollten allerdings nicht komplett runtergefahren werden. „So können unsere Security-Analysten anhand von temporären Speicherdaten den Ursprung und den Hergang des Angriffs besser rekonstruieren. Erst, wenn sich die Isolierung aus dem Netzwerk nicht zeitnah bewerkstelligen lässt, ist das Herunterfahren der betroffenen Endsysteme die nächstbeste Lösung“, sagt Thomas Gnadl.

Ingo Jensen

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