Robotik

Roboter nähern sich dem Menschen

Robotertechnik zählt innerhalb der Produktionstechnik zu den boomenden Sektoren. Das wird auch so bleiben, versprechen die Zahlen und Marktforscher. Fortschritte in der Technologie sind ein wesentlicher Wachstumstreiber.

Aiko Chihara, jüngster Nachwuchs der Roboterindustrie, ist noch nicht ganz erwachsen – aber zu den Olympischen Spielen soll der Toshiba-Roboter die Besucherbetreuung übernehmen. (Foto: Toshiba)

Vor wenigen Wochen hatte Ms. Aiko Chihara fernab von Europa ihren ersten vielbeachteten Auftritt. Aber die eiserne Lady hat ihre Zukunft noch vor sich. Was in Japan präsentiert wurde, war der Prototyp eines humanoiden Roboters, der zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio die Besucher betreuen soll. Die Dame kann sprechen, gestikulieren, bewegt Hände und Arme. Bis jetzt. So weit, so gut. Toshiba will aber mehr. Bis zum Großsportereignis in Japan möchten die Entwickler des Konzerns den intelligenten, sozialen Roboter serienreif bekommen. Neben Besucherbetreuung wird auch an den Einsatz in der Altenpflege gedacht.

Japan wittert einen großen Markt. Und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe gibt den Takt vor. Das Geschäft mit Servicerobotern soll sich bis 2020 sage und schreibe verzwanzigfachen – auf 1,2 Billionen Yen oder neun Milliarden Euro. Da bleibt den industriellen Pendants vergleichsweise die Luft weg, obwohl auch hier von einer Marktverdoppelung in Japan ausgegangen wird – auf ebenfalls neun Milliarden Euro.

Robotertechnik steht vor einem Sprung, nicht nur in Fernost. Auf der Automatica in München gab es vorläufige Absatzergebnisse und die verkündeten Optimismus. Arturo Baroncelli, Präsident des Branchenverbandes IFR: „Die Zahl der eingehenden Aufträge stieg in den ersten Monaten des Jahres beträchtlich an. Die Anfragen von Industriekunden aus aller Welt nahmen zu.“ Das sehen auch die deutschen Hersteller so. Die Anbieter von Robotik, Integrated Assembly Solutions und Industrieller Bildverarbeitung konnten ihre Ausfuhren in den letzten Jahren stets steigern. Der Export wird zum Schlüsselmarkt. 2012 übertrafen die Ausfuhren erstmals das Inlandsgeschäft. Die Exportquote lag 2013 bei 55 Prozent. Die Triebfeder Ausfuhr schnellte zwischen 2008 und 2013 um 37 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro nach oben. So konnte der Fachverband Robotik und Automation innerhalb des VDMA ein starkes Umsatzwachstum für 2014 ankündigen. Das Umsatzplus sollte sich zum Ende dieses Jahres auf einen Gesamtumsatz von 11,2 Milliarden Euro hochschaukeln. Das würde sieben Prozent plus bedeuten.

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Zuletzt ist der Markt durch den Einstieg eines Branchenfremden noch einmal in die Schlagzeilen gerutscht: Google ist bei Boston-Dynamics eingestiegen. BD ist zwar stark im Bereich der Militärtechnik aktiv – aber der Zukauf durch den Internetkonzern unterstreicht die Dynamik, die in diesem Markt steckt. Gepusht durch eine hohe Innovationskraft erobern die Industrieroboter immer mehr Tätigkeitsfelder. Dazu haben die Weiterentwicklungen im Bereich Mensch/Maschine natürlich beigetragen. Die Roboter befreien sich aus ihren Käfigen – die Koexistenz in der Fabrikation ist greifbar nahe. Gleichzeitig stützt die Weiterentwicklung in begleitenden Industrien wie der Bildverarbeitung das Wachstum der Roboterpopulation. Das erhöht zudem den Anspruch der Aufgaben und forciert die weitere Automatisierung, die Hauptwachstumstreiber für den Kollegen Roboter in der Industrie bleibt. Insgesamt gesehen bleiben die Automobilbauer und ihre Zulieferer die größten Kundengruppen. Der Aufbruch der Roboterindustrie in die sogenannte General Industrie schreitet offensichtlich langsamer voran, als von den Erbauern der stählernen Hilfskräfte erwartet. Doch für die europäische Industrie ist der Einsatz zeitgemäßer Produktionstechnologie überlebenswichtig für die makroökonomische und betriebswirtschaftliche Entwicklung.   bw

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