Meinung
Liebe Leserinnen und Leser,
„Wir haben keine Lust das noch ein zweites Mal zu erleben“, postulierte jüngst Dr. Thomas Lindner, liebe Leserinnen und Leser. Der VDMA-Präsident erinnerte im Rahmen des Maschinenbaugipfels daran, dass die Realwirtschaft erst 2009 Opfer der Verschuldungs- und Finanzkrise geworden war und nun der – hart zurückerarbeitete! – Erfolgskurs des Maschinenbaus erneut bedroht ist. Zwar sei die Lage der Branche stabil – der Maschinenbau wächst weiter und strotzt vor Kraft. Nicht wegen der politischen Rahmenbedingungen im Land, sondern trotz des politischen Wackelkurses, rief Lindner dem Auditorium in Berlin zu. „Wir könnten zeigen, was in uns steckt, wenn man uns nicht dauernd in die Beine grätscht“. Seine Deutlichkeit imponierte. Er legte drei Thesen vor: Erstens sollte der Staatsanteil am Bruttosozialprodukt auf 40 Prozent begrenzt werden. Zweitens müsse die Brutto-Investition des Staates mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen, weil sonst der Substanzverzehr staatlichen Vermögens nicht zu vermeiden sei. Und drittens müsse staatliches Handeln deutlich effizienter gestaltet und ein systematisches Controlling eingeführt werden. Lindner forderte professionelles Polit-Management und einen Masterplan. Seine Kritik am Regierungskurs vernahmen denn auch in der ersten Reihe Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, sowie Dr. Bernhard Heitzer, Beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Es waren wenig schmeichelhafte Worte, die Lindner in Richtung Politik warf: Ineffizienz, Kapriolen, Herumkurieren an Symptomen, scheinbare Orientierungslosigkeit, Spiel mit dem Feuer aus wahltaktischen Gründen – um nur eine Auswahl zu nennen. Der Umweltminister returnierte durchaus furios und rhetorisch geschickt mit breiten Ausführungen über den tiefen Sinn der Nachhaltigkeit und versprach der Branche Kooperation. Indes ließ der Staatssekretär in seinem Statement eine echte Botschaft vermissen. Schade. Wer die Möglichkeit und Aufgabe hat, in Vertretung des Wirtschaftsministers vor der versammelten Führungsriege des deutschen Maschinenbaus zu sprechen – mithin jene also, die den Karren der Wirtschaft in die Zukunft ziehen, in guten und in schlechten Zeiten, wie sie jüngst bewiesen haben –, könnte eine Vision formulieren, meine ich. Respekt und Anerkennung jedenfalls zollte der VDMA-Präsident seinen Leuten und machte ihnen Mut. Seine – gewiss rhetorische – Frage, ob die deutsche Politik quer über alle Parteien sich eigentlich bewusst ist, welchen Solitär sie mit der breiten industriellen Produktion in den Händen hält, wurde an jenem Vormittag jedenfalls beantwortet.
Wir bei handling wissen um das Juwel. In dieser Ausgabe fokussieren wir Themen aus der Medizintechnik und natürlich Neuheiten zur anstehenden SPS/IPC/Drives. Besuchen Sie wieder den Stand der Hoppenstedt Publishing GmbH in Halle 4a/200 – Sie sind herzlich zu einem Pausendrink eingeladen.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und erfolgreiche Messetage in Nürnberg,
Ihre
Petra Born
Chefredakteurin handling








